Collien Fernandes zu Gast bei Caren Miosga - mit Forderung an Frauen
Autor: Marko Schlichting
Deutschland, Montag, 30. März 2026
Was lässt sich gegen sexuelle Gewalt im Internet unternehmen? Das möchte am Sonntagabend Caren Miosga in der ARD von ihren Gästen wissen. Mit dabei: Schauspielerin Collien Fernandes, deren Fall die Debatte angestoßen hat.
Mehrere Tausend Menschen haben am Wochenende in deutschen Städten gegen Deepfakes und digitale Gewalt demonstriert, wie zum Beispiel 6000 Demonstranten in München. Sie wollten damit ihre Solidarität mit Collien Fernandes und allen betroffenen Frauen zeigen. Die Demonstranten fordern eine Verschärfung des Sexualstrafrechts und besseren Schutz vor Gewalt im Internet.
Wie das gelingen kann? Das will Caren Miosga am Sonntagabend von ihren Gästen wissen, zu denen auch Collien Fernandes gehört. Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, Jurist Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung und Studentin und Aktivistin Theresia Crone sind dabei.
Collien Fernandes: "Geht raus! Ansonsten bleiben die Gesetze einfach Papier."
Collien Fernandes hatte in der vergangenen Woche in einem Spiegel-Artikel schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen erhoben. Sie sei über die positive Resonanz auf die Berichterstattung überrascht, sagt die Schauspielerin und Moderatorin im ARD-Talk. "Dass das so eine wahnsinnige Bewegung auslöst, dass so viele Menschen auf die Straße gehen, damit habe ich im Leben nicht gerechnet."
Von digitaler Gewalt seien vor allem Frauen betroffen, sagt Fernandes. Die Täter seien meistens männlich. In Spanien habe man versucht, ein anderes Bewusstsein zu schaffen und zu zeigen, dass sexuelle Gewalt im Internet ein strafrechtlich relevanter Vorgang sei. So etwas könne nicht nur privat sein, erklärt Fernandes. "Darum ist es auch wichtig, den Frauen zu sagen: Geht raus! Ansonsten bleiben die Gesetze einfach Papier. Wir müssen den Weg über die Justiz gehen, um zu zeigen: Da passiert etwas. Es kann ja nichts passieren, wenn die Frauen nicht den Mund aufmachen."
Fernandes hat sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. Sie fordert: "Es braucht erst einmal diese Schulungen für die Menschen, die die Anzeige von Betroffenen entgegennehmen. Man sollte auch in die Schulen gehen und ein Bewusstsein schaffen, was dieses Thema angeht." Sie will, dass Gewalt gegen Frauen ganz allgemein stärker bestraft wird.
Collien Fernandes hat ein Gerichtsverfahren möglicherweise noch vor sich. Die Aktivistin Theresia Crone hat bereits ein Urteil erreicht. Sie wurde Opfer sexueller Gewalt im Internet. Und sie hat sich gewehrt. "Es gab einen Strafbefehl", berichtet sie bei "Caren Miosga". Der Täter sei wegen Verleumdung, Stalking und der Verletzung des Rechts am eigenen Bild zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen verurteilt worden. Schockierend: "Ich bin der einzige bekannte Fall, wo es für pornografische Deepfakes zu einer Strafe gekommen ist. Deswegen ist es mir wichtig zu sagen: Das ist keine Erfolgsgeschichte, sondern ein Zufallstreffer", erklärt Theresia Crone. Stefanie Hubig kann das bestätigen.
Stefanie Hubig: "Wir haben Strafbarkeitslücken, das liegt auf der Hand"
"Nehmen wir sexualisierte Gewalt im Internet nicht ernst genug?", fragt Miosga die Bundesjustizministerin. "Ich würde sagen: leider ja", antwortet die SPD-Politikerin. "Wir sehen einfach, dass wir im Bereich der digitalen Gewalt und des Schutzes davor nicht da stehen, wo wir stehen müssten. Wir haben Strafbarkeitslücken, das liegt auf der Hand. Und wir sehen auch, dass es im Bereich der Durchsetzung Schwierigkeiten gibt. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, da zu handeln."