CDU-Frau redet sich in Rage: "Ich halte diese ganze Brandmauer für derartig bekloppt"
Autor: Natascha Wittmann
, Freitag, 04. Sept. 2026
Bei "Markus Lanz" nahm die Debatte um den Umgang mit der AfD kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Fahrt auf. Dabei sorgte vor allem CDU-Politikerin Martina Schweinsburg mit einem Statement für Aufsehen. Sie stellte die bisherige Linie zur Brandmauer infrage - und ging auf Distanz zu Kanzler Merz.
In den Umfragen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Wochenende ist die AfD klar stärkste Kraft. Selbst eine absolute Mehrheit scheint am Ende möglich. Umso mehr rückt die Debatte in den Mittelpunkt, wie belastbar die politische Brandmauer ist und ob der Unvereinbarkeitsbeschluss der Union - sowohl zur AfD als auch zur Linkspartei - in der Praxis überhaupt durchzuhalten wäre.
Bei "Markus Lanz" ging es am Donnerstagabend deshalb weniger um Wahlkampfparolen als um die Frage, wie Koalitionen und Mehrheiten künftig zustande kommen sollen, ohne den Wählerwillen zu ignorieren. Zum Einstieg stellte Lanz die Frage: "Was passiert denn da am Sonntag in Sachsen-Anhalt?" CDU-Politikerin Martina Schweinsburg antwortete ausweichend: "Es wird ein Wahlergebnis geben." Als Lanz nachsetzte, wurde Schweinsburg konkreter und sagte, die Parteien im Landtag müssten sich "in irgendeiner Form zusammenraufen".
Der Moderator wollte daraufhin wissen: "Das heißt, Sie gehen davon aus, die werden irgendwie koalieren? Egal, welche Unvereinbarkeitsbeschlüsse (...) es da vorab gibt?" Schweinsburg reagierte mit ernstem Blick: "Wir haben ja nun in den letzten zwei Jahren mitbekommen, dass das, was vor der Wahl versprochen ist, nicht immer nach der Wahl gehalten wird."
Lanz zeigte sich überrascht: "Sie denken da an Ihren eigenen CDU-Kanzler?" Schweinsburg entgegnete: "Es ist nicht mein eigener!" Als Lanz einwandte: "Aber Sie sind doch in der CDU", konterte die Politikerin: "Aber er gehört mir nicht." Lanz bohrte weiter nach: "Aber es ist doch Ihr Kanzler?" Martina Schweinsburg sagte schließlich ernst: "Es ist der Kanzler der CDU. Der Kanzler, der gewählt wurde."
Nach Statement von CDU-Frau über Friedrich Merz staunt Lanz: "Wow!"
Markus Lanz hakte irritiert nach: "Haben Sie ihn gewählt? (...) Sie provozieren diese Frage." Schweinsburg blieb daraufhin sachlich: "Ich hatte keine andere Wahl als ihn zu wählen, weil er eine echte Alternative darstellte. Aber nach dem Darstellen des Sondervermögens ist eben auch viel Vertrauen in der Bevölkerung kaputtgegangen."
Als der ZDF-Moderator wissen wollte, ob sie Friedrich Merz deshalb "nicht wieder wählen" würde, wirkte Schweinsburg unentschlossen: "Das weiß ich nicht, was er das nächste Mal verspricht. Aber ich habe keine Aussicht mehr auf Wahlversprechen, die gehalten werden." Lanz reagierte mit einem lautstarken "Wow" und fragte: "Warum ist Ihnen diese Distanz zu Ihrer eigenen Partei so wichtig?" Martina Schweinsburg erklärte knapp: "Weil ich denke, dass auch ein bisschen Professionalität dazugehört, eine entsprechende professionelle Distanz herzustellen."
Auch im weiteren Verlauf rückte der Unvereinbarkeitsbeschluss der Union immer wieder in den Mittelpunkt. Linken-Politiker Christian Schaft sagte dazu zunächst: "Die Frage, ob der Unvereinbarkeitsbeschluss hält, das ist eine Frage, die muss die CDU klären." Mit Blick auf Thüringen, wo eine Brombeerkoalition aus CDU, BSW und SPD regiert, beschrieb er jedoch eine andere Realität: "Seit sieben Jahren gibt es Minderheitskonstellationen."