Bundeswehr-Influencer reagiert in Reportage genervt: "Ich mache keine Werbung fürs Sterben"
Autor: Friederike Hilz
, Freitag, 30. Januar 2026
Beim "jungen" ARD- und ZDF-Netzwerk Funk startet das YouTube-Format "Cooked". In der ersten Folge blicken die Journalisten hinter die Kulissen der Bundeswehr und fragen: Wie viel Realität steckt in den Werbevideos der Armee in den sozialen Medien?
Abenteuer, Heldentum, Kameradschaft - das ist das Bild, das der TikTok-Account "Bundeswehr Karriere" vermitteln möchte. Mit "Schminktipps" zum richtigen Auftragen von Tarnfarbe, Survival-Tutorials und Bombenangriffen als Memes wirbt der Kanal für eine Karriere beim Bund.
Wer "Bock auf eine Herausforderung" habe, der solle sich bewerben, sagt ein Soldat in die Kamera. Aber wie viel haben diese Videos mit dem tatsächlichen Alltag bei der Bundeswehr zu tun? Das neue Reportage-Format "Cooked" will diese Frage in seiner ersten Folge "TikTok vs. Realität - So ist es bei der Bundeswehr" beantworten.
Einer, der beide Seiten kennt, ist David Matei. Er ist Offizier und macht in seiner Freizeit Videos zu seinem Beruf und dem politischen Weltgeschehen. Wie so manch anderer Soldat ist auch er zum Influencer geworden. Bei seiner Arbeit darf ihn das Funk-Team nicht begleiten. In seiner Freizeit kann er jedoch ein paar Fragen, die Zuschauerinnen und Zuschauer auf TikTok gestellt haben, beantworten. Eben das soll ein zentrales Element des neuen Formats werden, kratzt in der Auftakfolge jedoch nur an der Oberfläche.
Offizier beantwortet Community-Fragen ausweichend
Matei bemüht sich, die Fragen souverän und mit einem kleinen Augenzwinkern zu beantworten. Doch konkret wird er kaum. Rechtsextremisten bei der Bundeswehr? Das seien Einzelfälle "und wir gehen knallhart dagegen vor". Schlechte Ausstattung der Kasernen? Er erzählt, wie lange er auf einen Schreibtisch habe warten müssen. Erst auf Nachfrage berichtet er von dem teilweise schlechten Zustand einiger Stuben - mehr auch nicht.
"Schämt ihr euch nicht, junge Leute in den Tod zu influencen?", fragt eine Person. "Digga, das ist wild", seufzt Matei und sagt dann in beinahe genervtem Ton: "Schau dir meine Videos an und stell die Frage dann noch mal." Ein anderer will wissen: "Warum macht ihr Werbung fürs Sterben?" Der Offizier antwortet klar: "Ich mache keine Werbung fürs Sterben. Ich informiere über den Dienst, den ich leiste." Er zeige die guten, aber auch unangenehme Seiten.
Lediglich, als ein Zuschauer fragt, was ihn bei seiner Arbeit psychisch am meisten belaste, muss Matei schlucken: Er habe einmal einer Mutter sagen müssen, dass ihr Sohn im Dienst gestorben ist: "Das schleppe ich halt so mit."
Bundeswehr "hat nicht viel mit Pfadfinderlager zu tun"
TikTok-Videos der Bundeswehr beschreibt Matei als "kurz" und "immer nur ein Abbild der Realität". Doch andere widersprechen ihm: Eine Soldatin bei einer NATO-Übung in Hamburg urteilt: "Auf TikTok, finde ich, wird viel, sage ich mal, nur gespielt. Irgendwelche Sachen inszeniert, die vielleicht gar nicht so existieren." Und auch der 19-jährige Rekrut Anton hat bei seiner Ausbildung schon gelernt: "Das hat nicht viel mit Pfadfinderlager zu tun."