Bürgergeld-Betrügerin und "Deutschlands faulster Arbeitsloser" im TV
Autor: Jens Szameit
Deutschland, Dienstag, 03. März 2026
In seiner Reportagereihe auf Sat.1 stellt ein Bild-Redakteur die Frage: "Wie geht's, Deutschland?". Zum Auftakt widmet er sich Bürgergeld-Betrügern.
"Viele Bürger haben den Eindruck, Deutschland sei ein Selbstbedienungsladen für Sozialbetrüger, Faulenzer und Schmarotzer", sagt Paul Ronzheimer eingangs seiner neuen TV-Reportage für Sat.1 (dienstags um 20.15 Uhr). Man könnte einwenden, dass der wichtigste Arbeitgeber des stellvertretenden Chefredakteurs von Bild zu diesem Eindruck beiträgt. Auf der anderen Seite ist kaum zu leugnen, dass das deutsche Sozialsystem Veränderungen braucht - und zwar mehr, als nur die Umbenennung des Bürgergelds in Grundsicherung ab dem 1. Juli.
Wer nach Menschen sucht, die das System ausnutzen, wird am Ende auch welche finden. So wie Anna, die eigentlich nicht Anna heißt. Sie kam mit 25 Jahren als Spätaussiedlerin aus Polen nach Deutschland und hat viele Jahre in einem sozialversicherungspflichtigen Beruf gearbeitet. Doch das ist längst vorbei. Heute bezieht Anna Bürgergeld, verdient schwarz hinzu und hat aus unerfindlichen Gründen das Bedürfnis, darüber vor Ronzheimers Kamera zu philosophieren. Wenn auch stimmlich und optisch anonymisiert.
Talk mit Ronzheimer: "Bin eine Betrügerin, aber schäme mich nicht mehr"
Schlechtes Gewissen? Das habe sie zuletzt vor Jahren gehabt, als sie noch dachte, ihr Bürgergeld würde denjenigen fehlen, "die es nötig haben". "So ist es ja auch gedacht", erwidert Ronzheimer etwas zu offensiv erschrocken, was direkt durchschaut wird: "Bist du so naiv oder tust du nur so?" Annas Punkt: Sie habe gar keine Chance in versicherungspflichtiger Vollzeit mehr zu verdienen als in ihrem aktuellen Modell.
Bei dem kommt einiges zusammen. Grundbetrag sowie Zuschüsse für Miete und Nebenkosten belaufen sich auf 1263 Euro im Monat. Zuzüglich ihres schwarz verdienten Lohns liegt sie bei monatlich 2400 Euro. Ronzheimer nennt die kurz vor der Rente stehende Frau frei heraus eine Betrügerin, was nur ein Achselzucken bewirkt:
"Ja, ich bin eine Betrügerin, aber ich schäme mich nicht mehr." Sie sei ja "ein korrekter Mensch", versichert Anna, "aber die Gesetze in Deutschland haben mich verdorben. Geld umsonst zu bekommen, das kannte ich nicht." Paul Ronzeimer verlässt den Recherche-Termin einigermaßen konsterniert. Es bleibt nicht das einzige Mal.
"Deutschlands faulster Arbeitsloser" empfängt Paul Ronzheimer
Aber was will man auch erwarten, wenn man in Hannover "Deutschlands faulsten Arbeitslosen" aufsucht. Den Titel trägt Jannis mit Stolz. Seine Social-Media-Reels aus dem selbst gewählten Lotterleben machten Schlagzeilen. Er habe sich als freiberuflicher Video-Regisseur "ein bisschen überarbeitet", informiert er den Reporter. Jetzt probiert er es mal mit dem Gegenteil.
Dass die Bundesregierung plant, den Druck auf Leistungsempfänger zu erhöhen, findet der junge Mann schlecht fürs "Volksklima". Ronzheimer wendet ein, dass Schmarotzertum wohl auch nicht gut fürs "Volksklima" sei. "Verschwendete Energie" nennt Jannis die Aufregung über Leute wie ihn. Man könne da als Einzelner doch eh nichts ausrichten. Einen Job anzunehmen, den man nicht ausüben wolle, sei hingegen "verschwendete Lebenszeit", also deutlich schlimmer.