Bremer Tatort: Geht es Deutschlands Studierenden wirklich so schlecht?
Autor: Eric Leimann
, Donnerstag, 22. Januar 2026
Der Bremer "Tatort: Wenn man nur einen retten könnte" mit Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Selb (Luise Wolfram) zeichnet ein Horrorbild der aktuellen Studi-Szene: Prekäre Lebensverhältnisse, fundamentale Ängste, Drogen, versteckte Abbrüche - und ganz wenig Solidarität. Ist es wirklich so schlimm?
Früher galt die Studienzeit als Ära des großen Ausprobierens und Entdeckens: Persönlichkeitsentwicklung, Partys, Gemeinschaft - und natürlich auch ein bisschen Druck vor den Prüfungen.
In ihrem "Tatort: Wenn man nur einen retten könnte" zeichnen die drei Macherinnen nun ein wahres Horror-Szenario des Studierendenlebens der Gegenwart: Die Kommissarinnen Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Selb (Luise Wolfram) - unterstützt von Gastermittler Patrice Schipper (Tijan Njie) - müssen den Tod einer Studentin aufklären. Der ging es offensichtlich schon vor ihrem gewaltsam herbeigeführten Tod nicht gut.
Dabei taucht der Film tief ein in ein (fiktives) Studentinnenleben ein. Steht es exemplarisch für das - oft verdeckte - Leid vieler junger Menschen heutzutage?
Worum ging es?
In kompakten zwei Minuten zu Beginn des "Tatorts" wird collagenhaft der Leidensweg von Studentin Annalena Höpken (Annika Gräslund) dargestellt: Die junge Frau hatet existenzielle Geldsorgen. Noch nicht mal fürs Essen reichte die Kohle. Zu einem traurigen HipHop-Song sah man sie an verschiedener Menschen Türen klopfen. Helfen konnte oder wollte ihr jedoch niemand.
Wenige Minuten später lag Annalena tot am Fuße der Hinterhoftreppe eines Nachtclubs. Weil sie wohl jemand gestoßen hatte. Ermittelt wurde in der toxisch wirkenden WG Annalenas und ihren Hinterbliebenen: der Mutter (Catrin Striebeck) und der 15-jährigen Schwester (Mathilda Smidt).
Worum ging es wirklich?
Drehbuchautorin Elisabeth Herrmann (67), Bestseller-Autorin und verantwortlich für die mit Jan Josef Liefers verfilmte Joachim Vernau-Reihe, stammt aus der Studentenstadt Marburg. Ihr Studium - auf dem zweiten Bildungsweg - sowie das ihrer Partnerin Dr. Christine Otto (Jahrgang 1961) dürfte schon etwas zurückliegen. Doch vielleicht war es gerade die wahrgenommene Diskrepanz zwischen eigenen Jugend-Erinnerungen und aktuellen Statistiken, die ihnen zeigte: Studierende fühlen sich heute offenbar weit mehr unter Druck als früher.
Über ihr Drehbuch sagen Herrmann und Otto: "Der Ausgangspunkt für 'Wenn man nur einen retten könnte' ist ein reales Erlebnis, das uns erschüttert hat: eine junge Frau, die über Jahre vorgibt, Jura zu studieren und nicht den Mut findet, ihren Eltern zu gestehen, dass sie das Studium, einfach nicht mehr schafft. Hier zeigt sich exemplarisch, unter welchem emotionalen Druck junge Erwachsene stehen."