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Blackout in Deutschland? Harald Lesch zeigt in ZDF-Doku, wie groß die Gefahr wirklich ist


Autor: Teleschau  

, Dienstag, 07. April 2026

Ein Drittel der deutschen Bevölkerung fürchtet sich vor einem langen und großflächigen Stromausfall. Sind die Sorgen berechtigt? Und was ist zu tun, wenn man plötzlich allein daheim ist - und im Dunkeln sitzt? In einer ZDF-Dokumentation gibt Harald Lesch Antworten.


In Berlin ging im Januar 2026 für jeweils rund 45.000 Einwohner plötzlich nichts mehr. Jedenfalls nichts, was mit Elektrizität aus der Steckdose zu tun hatte. Stromausfall. Im April 2025 waren ganz Portugal, die meisten Teile Spaniens und sogar Südfrankreich von einem Blackout betroffen. Die Angst vor dem Blackout ist real - ein Drittel der deutschen Bevölkerung macht sich konkrete Sorgen. Zu Recht?

Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch muss in der Doku "Terra X Harald Lesch: Blackout - Wie sicher ist unsere Stromversorgung?" (ZDF) zunächst konstatieren, dass es seit der Jahrtausendwende 29 Blackouts weltweit gab - und damit tatsächlich sechsmal so viel wie in den 35 Jahren zuvor. Allerdings sind eben auch der benötigte Strombedarf und die Wünsche an ihn gestiegen: möglichst viel, möglichst unabhängig, möglichst umweltschonend, möglichst finanzierbar und möglichst zuverlässig und sicher.

Vor allem gegen den letzten Punkt - Zuverlässigkeit und Sicherheit - sprächen drei Blackout-Szenarien. Lesch stellt sie vor - und nimmt ihnen den Schrecken. Ein bisschen jedenfalls.

Golfplätze nehmen mehr Platz weg als Batterieparks

Attacken von außen - wie etwa die Brandanschläge, die in Berlin zu den Stromausfällen führten - sind auch für Lesch eine nicht zu leugnende Bedrohung. Dagegen richtet sich das KRITIS-Dachgesetz. Betreiber sensibler Anlagen oder Systeme, die für die Gesellschaft unverzichtbar sind, werden darin verpflichtet, umfassende Maßnahmen zu deren physischem und digitalem Schutz zu ergreifen. Ziel ist es, Organisationen und Unternehmen aus besonders kritischen Sektoren vor Bedrohungen von außen zu schützen. Dazu zählen die Bereiche Energie, Transport und Verkehr, öffentliche Verwaltung, Finanz- und Versicherungswesen, Gesundheit, Trink- und Abwasserversorgung, Abfallentsorgung, IT und Telekommunikation, Ernährung sowie Weltraumforschung.

Das zweite Blackout-Szenario ist wetterabhängig. Was passiert, wenn "Dunkelflaute" herrscht - wenn also an windstillen und bedeckten Tagen zu wenig Wind- oder Solarstrom gewonnen werden kann? Tatsächlich gab es 2024 in Deutschland vier solcher Dunkelflauten-Phasen. Droht ohne Energie aus Kohle und Gas der Dunkelflauten-Blackout?

Nein - wenn es gelingt, ausreichend Speichermöglichkeiten für Wind- und Solarstrom zu schaffen. Zum Beispiel Pumpspeicher-Kraftwerke (von denen es schon 30 in Deutschland gibt). Oder Batterien. Maximilian Fichtner vom Helmholtz Institut für Elektrochemische Energiespeicherung gewährt Lesch Einblicke in seine Forschung und Erkenntnisse. Demnach könnten Dunkelflauten von bis zu vier Tagen mit ausreichend Batterieparks abgefedert werden. Klar, so ein Batteriepark benötigt Platz, weiß auch Fichtner. "Das ist ungefähr so viel wie der Braunkohleabbau in Hambach. Aber trotzdem nur ein Zehntel aller Golfplätze in Deutschland."

Einen "Stromspeicher für jedermann" stellt der Professor zudem vor: das Elektro-Auto. In Amerika seien E-Autos bereits zu Lebensrettern geworden, wenn zum Beispiel durch Schneestürme oder Tornados flächendeckend der Strom ausfiel. Denn: Über eine Autobatterie mit 60 bis 100 Kilowattstunden könne - bei entsprechender Technik - ein Haushalt eine Woche lang mit Strom versorgt werden.

Den Ausbau von Speicherkapazitäten für erneuerbare Energie sieht Fichtner vor allem als essenziell für die Resilienz an. Deutschland müsse unabhängig von externen Anbietern werden. Motto: eigener Strom, selbst produziert, billiger als der Import. Bei der Konfrontation mit Dunkelflauten-Szenarien seien, so Lesch, saubere Lösungen, die Umwelt und Klima schonten und nicht die kommenden Generationen beasteten, schon jetzt möglich.

In Spanien sorgte 2025 zu viel Solarstrom für einen Blackout

Am dritten Blackout-Szenario, wie auf der iberischen Halbinsel 2025 eingetreten, ist nicht zu wenig, sondern zu viel Strom verantwortlich. Dort führte in Spanien zu viel Solarstrom im Netzsystem zu dessen Überlastung und Abschaltung und somit zum Blackout.

Der Spanien-Blackout sei auch für ihn ein Schock gewesen, meint Robert Fuchs, Leiter Schaltabteilung Süd, TenneT Deutschland. In seiner Netzleitstelle beobachten die Mitarbeiter akribisch die Be- und Auslastung einer 14.000 Kilometer großen Hauptader der Stromversorgung.

Deutschland sei aufgrund der Geografie weniger gefährdet als Spanien, zudem besser vernetzt. Trotzdem sei das Problem theoretisch durchaus vorhanden. Im Unterschied zu fossilem Strom über Generatoren sind bei Windkraft und Fotovoltaik keine Netzfrequenz stabilisierenden Generatoren im Einsatz. Das aber, die Übereinstimmung von Stromerzeugung und Verbrauch im Netzwerk, sei eminent wichtig. Diese Aussteuerung funktionierte 2025 in Spanien nicht, was zum Blackout führte.

In Amerika sind die Stromausfälle 50-mal zu lang wie bei uns

Das A und O für diese sensible Aussteuerung sei, so Fuchs, der Aufbau eines Speichersystems. "Derzeit muss bei Überangebot abgeschaltet werden. Das ist Verschwendung von Energie."

Lesch bezeichnet das deutsche Stromversorgungssystem als spitze und belegte es mit Zahlen. In Deutschland komme es statistisch pro Haushalt und Jahr zu zwölf Minuten Stromausfall. Diese seien auf der iberischen Halbinsel fünfmal und in Amerika sogar 50-mal so lang.

Leschs Resümee nach 30 energischen Minuten: "Was brauchen wir, um sicher, zuverlässig und günstig mit Energie versorgt zu werden? Die Lösung: Energie aus Sonne, Wind und Wasser."

Quelle: teleschau – der mediendienst