"Bares für Rares"-Expertin widerlegt Gutachten - Verkäufer kämpft dennoch um Wunschpreis
Autor: Michael Eichhammer
, Dienstag, 05. Mai 2026
Ein Verkaufsobjekt in der Dienstagsfolge von "Bares für Rares" ist zwar keine Fälschung, aber auch nicht so alt, wie es wirken soll. Dennoch verhandelt der potenzielle Verkäufer im Händlerraum mit seinem ursprünglichen Preiswunsch im Hinterkopf.
Für Fälschungen gibt es keine Händlerkarte. Doch das Mitbringsel in der Dienstagsfolge von "Bares für Rares" war bewusster Historismus und wollte sein jüngeres Alter gar nicht vertuschen - so das Urteil der Expertin Heide Rezepa-Zabel. Dennoch überrascht der Ausgang der Verhandlungen im Händlerraum.
Moderator Horst Lichter ging zunächst von einer französischen Provenienz des Mitbringsels aus. "Da kommt jede Menge Gedöns rein von der Dame, was die abends ablegt", spekulierte er über den Verwendungszweck. Heide Rezepa-Zabel lachte über die kantige Bemerkung, bestätigte aber: Es handele sich um eine Schmuckdose. Die Familie von Besitzer Marcus hatte sie allerdings anderweitig genutzt. "Da waren Knöpfe drin, die war in einem Nähschränkchen", erinnerte sich der 57-jährige Duisburger. Das Stück aus dem Familiennachlass habe er sogar metallurgisch überprüfen lassen.
"Die scheint von 1774 zu sein, dem Stempel nach zu urteilen", sagte Marcus. "Ich habe ja eine Expertin, du glaubst ja gar nicht, was die alles rauskriegt", mahnte Lichter zum Abwarten. "Deswegen bin ich auch hier", stimmte Marcus zu. "Eine zweite Meinung ist ja nie verkehrt", glaubte Horst Lichter. Das bestätigte der Gast, nicht ahnend, dass ihm diese zweite Meinung nicht gefallen würde. Die Expertin befragte ihn, welche Punze angeblich Hinweise geliefert habe. "L wie Ludwig", antwortete Marcus.
"All das spricht nicht für die von Ihnen vermutete alte Zeit"
Diese wie alle weiteren Punzen seien nicht scharf, obwohl "die Stempelsysteme in Frankreich immer sehr genau waren", konterte Heide Rezepa-Zabel. Die schlechte Nachricht: Es handele sich nicht um echte Amtspunzen, sondern nur um "Dekorationspunzen", um "Pseudomarken".
Auch die Technik und Gestaltung der Ornamentik passe nicht ins 18. Jahrhundert. Ein weiterer Beweis für eine jüngere Entstehungszeit: "Wenn es eine alte Dose wäre, wäre sie feuervergoldet. Wir würden einen tiefen, honiggelben Ton wahrnehmen", wusste die Expertin. "Hier ist es aber ein zitroniges Gelb", erklärte die Expertin über die Innenseite. Ihr Fazit: "All das spricht nicht für die von Ihnen vermutete alte Zeit". Stattdessen handele es sich um eine "historisierende Dose im Rokoko-Revival, also 1880 bis 1910". "Mit Hanauer Pseudomarken", schob Heide Rezepa-Zabel nach.
Was wie die Beschreibung einer Fälschung anmutete, diente seinerzeit aber dem "historisierenden Eindruck". Die Expertin führte aus: "Die Irreführung ist nie gewollt worden." Daher fand sie die Händlerkarte gerechtfertigt. Nur dem Preiswunsch von 750 Euro konnte die Expertin nicht entsprechen. Sie bremste auf höchstens 600. Bei einem Original hätte sie "gern eine Null drangehängt". Marcus akzeptierte den Schätpreis dennoch. Im Händlerraum überraschte er allerdings mit einer Entscheidung.
"Haben Sie denn gedacht, dass es eine barocke Dose ist?"
Wolfgang Pauritsch freute sich zunächst: "Oh, ein französischer König!" Dann erkannte der Händler ernüchtert: "Das sind Pseudo-Punzen." Marcus bestätigte dies ehrlich. "Es ist wunderschön gemacht", fand Pauritsch. "Man denkt, die Dose ist viel älter, aber die wird jetzt 130 Jahre alt sein." Daniel Meyer stimmte zu: "Solche Dosen gab es in dieser Form nicht im 18. Jahrhundert, auch nicht im 17. Jahrhundert."