Baerbock wird bei "Maybrit Illner" deutlich: "Die Charta der Vereinten Nationen ist kein Wunschkonzert"
Autor: Doris Neubauer
, Freitag, 16. Januar 2026
Ein technisches Chaos überschattete den Auftakt der ersten "Maybrit Illner"-Sendung 2026 - Wortmeldungen verpufften, Entschuldigungen folgten. Inhaltlich ging es jedoch mit Donald Trumps neuer Weltordnung, seinen Plänen für Grönland und globaler Machtverschiebungen sofort ans Eingemachte.
Es war ein holpriger Start ins Neue Jahr für die Talkshow "Maybrit Illner". Von Beginn an wurden Wortmeldungen abgehakt oder waren erst gar nicht zu hören. "Daran ist Donald Trump nicht schuld", entschuldigte sich die Moderatorin nach etwa 20 Minuten für die technischen Probleme, die bei ihrer ersten Sendung im Jahr 2026 aufgetraten. Darin ging es um "Iran, Grönland, Venezuela - Trumps neue Weltordnung?" - und um die Frage, ob der "US-Präsident die Vereinten Nationen final zu Papiertigern" macht.
Davon wollte die aus New York zugeschaltete Präsidentin der UN-Vollversammlung Annalena Baerbock nichts wissen: "Die Charta der Vereinten Nationen ist kein Wunschkonzert", betonte sie, denn kein noch so großer und mächtiger Staat hätte das Recht militärisch zu intervenieren. "Die Vereinten Nationen sind stark, wenn die Mehrheit der Staaten sagt: Bis hierhin und nicht weiter", bezog sie sich auf Beispiele des letzten dreiviertel Jahres, wo diese Strategie Erfolg gezeigt hätte. Darum wäre es auch wichtig, sich zu fragen "was wollen wir als Weltgemeinschaft erreichen", meinte sie und fügte hinzu: "Andere schlafen nicht, im positiven Sinn." Wenn Trump die "westliche Hemisphäre" für die USA beansprucht und Venezuela, aber auch Grönland als Gebiete mit dazu zählt, könnte das beispielsweise eine "Chance für neue Kooperationen zwischen Europa und Afrika sein", gab sie sich optimistisch, "da sollte Europa nicht schlafen und nicht zuschauen, wie andere aktiv werden, sondern breite Bündnisse" knüpfen.
Überzeugen konnte dieser Appell wenig. "Es ist traurig, aber für mich haben die Vereinten Nationen an Glaubwürdigkeit verloren", kommentierte Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Zentralredaktion Baerbocks Antworten. Ihre Schilderungen stimmten zwar, wären aber bloß "graue Theorie", die "in der Praxis keinen Einfluss" hätten. Schließlich hätte es Europa mit einem Weißen Haus zu tun, wo die Administration die Europäer nur als "weinsüffelnde Besserwisser, die auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler die Beine hochlegen in der mediterranen Sonne" verachte. "Wir werden nicht ernst genommen als Verhandlungspartner, das muss man anerkennen", lautete ihr Fazit.
Europa dürfe man nicht zu kleinreden, betonte der Sicherheitsexperte Peter Rough, der ebenfalls aus den USA, aus Washington D.C., zugeschaltet war. Zum einen sei der transatlantische Markt eine Lebensader für die USA, andererseits ist "Europa (...) integral und essenziell für jedes amerikanische Konzept", zum Beispiel in der Ukraine. Weiterhin gebe es in Europa eine Reihe von Anführern wie Bundeskanzler Friedrich Merz, die Trump schätze - "dieser persönliche Bezug macht für ihn Außenpolitik aus", verwies der Republikaner auf diese Relevanz.
Militärexperte zu Trumps Interesse an Grönland: "Es geht nicht um Sicherheit"
Eben dieser Bundeskanzler Merz wäre bisher immer um ein gutes Arbeitsverhältnis bemüht gewesen. "Aber ist Grönland nicht der Punkt, an dem sich Deutschland entscheiden müsse, ob mit oder gegen Trump?", wollte Maybrit Illner vom Militärexperten Carlo Masala wissen.
So weit wollte der nicht gehen. Doch Deutschland und die Europäer müssten akzeptieren, dass ihre bisherige Strategie Trump vor allem im Hinblick auf die Ukraine und die Nato-Mitgliedschaft bei der Stange zu halten, nicht aufgegangen sei. Jetzt ginge es um "Güterabwägung" und gleichzeitig sei die einzige Hoffnung, dass Trump das Interesse an Grönland verliere.
Die aktuelle "Erkundungsmission ist der Versuch, den Amerikanern zu zeigen, wir nehmen eure Sicherheitsbedenken ernst", interpretierte er das Entsenden von deutschen und französischen Soldaten nach Grönland als Verzögerungstaktik, "was wir machen ist der Versuch Trump zu signalisieren: Lass dich auf das, was in der Nato ist ein. Wir haben verstanden, dass du mehr tun willst im Bereich der Sicherheit - aber es geht am entscheidenden Punkt vorbei: Es geht nicht um Sicherheit." Ebenso wenig gehe es um wirtschaftliche Interessen, vielmehr wollte Trump das Territorium der USA erweitern: "Trump hat die Vorstellung im Sinne der territorialen Expansion der USA, sich als Präsident feiern zu lassen, der einen neuen Teil auf dieser Welt in die USA reingebracht hat."