Druckartikel: "Arbeitsloser des Jahres" lügt dreist in TV-Doku - Deutschland veräppelt

"Arbeitsloser des Jahres" lügt dreist in TV-Doku - Deutschland veräppelt


Autor: Teleschau  

Deutschland, Montag, 16. März 2026

Vor der Kamera einer Sat.1-Reportage stellte sich Yannis B. als Bürgergeld-Schmarotzer dar. Doch seine Geschichte beruht zum größten Teil auf Unwahrheiten.
Yannis B., als "Bürgergeld-Influencer" bekannt, gesteht, in einer Sat.1-Reportage gelogen zu haben.


Für die Verantwortlichen einer Fernsehreportage ist es ein Albtraum: Ein Hauptdarsteller, der scheinbar perfekt zum Thema passt, stellt sich kurz nach der Ausstrahlung als unglaubwürdig heraus. Grund dafür ist, dass wichtige Teile seiner Geschichte erfunden oder gelogen waren.Genau diese Erfahrung musste vor Kurzem auch Sat.1 mit seiner Sendung "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" machen.

In der Folge zum Bürgergeld, die Ende Februar ausgestrahlt wurde, äußerte sich ein junger Mann namens Yannis B. sehr offen: Es sei ihm "relativ egal eigentlich", dem Staat "auf der Tasche zu liegen". Mit sichtbarem Stolz trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Arbeitsloser des Jahres". Politischen Druck auf Menschen, die Leistungen beziehen, nannte er im Gespräch mit Doku-Moderator Paul Ronzheimer schädlich für das "Volksklima". Außerdem erklärte er, einen Job anzunehmen, den man nicht machen wolle, sei "verschwendete Lebenszeit".

Sauer auf Jobcenter - TikToker wollte Ruf schädigen

Kaum war die Folge bei Sat.1 ausgestrahlt, musste der Sender in einer Stellungnahme einräumen, der auch bei TikTok als "Bürgergeld-Influencer" auftretende Hannoveraner habe "während und nach den Dreharbeiten (...) nicht die Wahrheit gesagt". Yannis B. hat sich im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de zu seinen Motiven geäußert.

B. gibt zu, dass er falsche Dokumente vorgelegt hat, um den Eindruck zu erwecken, er sei Bürgergeld-Empfänger. Tatsächlich sei ihm jedoch, nachdem er arbeitslos geworden war, ein Bürgergeldantrag wegen eines von Verwandten genutzten Wohneigentums abgelehnt worden. So sei die Idee entstanden, sich in den sozialen Medien als Schmarotzer zu inszenieren: "Da war ich dann ein bisschen sauer und habe begonnen, aus dieser Prämisse einen Social-Media-Auftritt zu machen, um den Ruf des Jobcenters ein wenig zu verschlechtern, weil ich mich im Stich gelassen fühlte."

Mit dem Erfolg seiner TikTok-Videos sei die Aufmerksamkeit verschiedener Medienredaktionen gekommen. Er habe dann "die Chance ergriffen, das Jobcenter öffentlich schlecht dastehen zu lassen". Unter anderem war Yannis B. im ZDF in einer Folge von "Hallo Deutschland" zu sehen, die inzwischen aus der Mediathek entfernt wurde. Für einen Eklat sorgte schließlich sein Auftritt in der Reportage von und mit Bild-Vize Paul Ronzheimer.

Sat.1 reagiert - für Yannis B. könnte es noch ungemütlich werden

Im Gespräch mit DWDL.de räumt Yannis B. ein, die Ausmaße unterschätzt zu haben: "Dass mein Auftritt so hohe Wellen schlägt, hätte ich mir nicht vorstellen können." Zugleich gibt er zu bedenken, dass sein "polarisierender Auftritt" offenbar den Einschaltquoten geholfen habe.

Auf Dankbarkeit des Senders SAT.1 sollte er jedenfalls nicht hoffen. Sendersprecher Christoph Körfer hatte angekündigt, man prüfe "eventuelle rechtliche Schritte". Yannis B. gibt zu, dass ihn das besorgt stimme. Allerdings habe er "mehr ein schlechtes Gewissen als Angst vor juristischen Schritten".

Quelle: teleschau – der mediendienst