Angela Merkel mahnt in TV-Talk: "Mehrheiten mit der AfD zu suchen, verbietet sich aus der eigenen Definition"
Autor: Jens Szameit
, Donnerstag, 27. November 2025
Im Interview mit dem Nachrichtensender Phoenix hat Angela Merkel die demokratischen Parteien vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. Den Begriff der "Brandmauer" vermied die Bundeskanzlerin a.D. Stattdessen riet sie, nicht wie das "Kaninchen vor der Schlange" zu sitzen.
Keine politische Zusammenarbeit mit der AfD - diese Losung wird in Teilen der CDU immer stärker in Zweifel gezogen. Zuletzt hatte Peter Tauber angeregt, "über eine neue Politik der roten Linie nachzudenken", die es erlaube, Beschlüsse zu fassen, denen die AfD zustimmt.
Tauber war von 2013 bis 2018 Generalsekretär im Kabinett Merkel. Seine einstige Chefin warnte in einem TV-Talk des von ARD und ZDF betriebenen Spartensenders Phoenix nun deutlich vor einer Annäherung an die Rechtsaußenpartei. Auch wenn Angela Merkel den "Brandmauer"-Begriff offenbar nicht sehr schätzt.
"Wenn es um die Frage des Umgangs mit der AfD geht, ist erst mal ganz wichtig, dass wir nicht wie ein Kaninchen vor der Schlange sitzen", sagte die frühere Bundeskanzlerin in der Sendung "phoenix persönlich": Man dürfe sich von der Partei "nicht in der Manege herumführen lassen", sondern müsse "noch stärker als sonst unsere eigene Politik erläutern".
Angela Merkel über die Brandmauer-Debatte: "Ich muss es einfach tun"
Wegen der gemeinsamen Abstimmung mit der AfD im Bundestag hatte Merkel vor der letzten Bundestagswahl den damaligen Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz öffentlich kritisiert. Zu ihrer breit rezipierten Wortmeldung steht sie noch heute. "Mit Parteien, die die Europäische Union nicht richtig finden, die ein völlig anderes Verhältnis zu Russland haben, die die liberale Demokratie nicht verteidigen, kann ich nicht zusammenarbeiten", bekräftigte Merkel im Gespräch mit Moderatorin Eva Lindenau. "Das ergibt sich von selbst, weil das die Kernpunkte meiner Politik sind."
Die frühere CDU-Chefin führte aus: "Mehrheiten mit der AfD zu suchen, verbietet sich aus der eigenen Definition. Da muss ich gar nicht von solchen Abgrenzungsbegriffen reden, sondern ich muss es einfach tun. Und vor allem den Menschen eine positive Botschaft sagen. Denn Wählerinnen und Wähler wollen ja, dass die Probleme, die ihnen auf der Seele brennen, gelöst werden."
Merkel gestand ein, dass Versäumnisse bei der Eindämmung illegaler Migration zu einem Erstarken der AfD auch schon in ihrer Amtszeit geführt hätten. Gleichwohl betonte sie, dass die Würde des Menschen auch dann bindend sei, wenn ein Mensch keinen Aufenthaltstitel besitzt. Solche "Grundüberzeugungen" dürfe man als politischer Entscheidungsträger nicht aufgeben.
Bestimmte Probleme gerade in den Kommunen hätten besser gelöst werden müssen, räumte sie bei Phoenix ein. Aber: "Ich darf meine Grundüberzeugungen nicht aufgeben, um Populisten recht zu geben." Kritisch bewertet sie, dass CDU und CSU im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 öffentlich über den richtigen Weg bei der Migrationspolitik gestritten hätten: "Streit überzeugt die Menschen eigentlich nicht, sie wollen, dass die Probleme gelöst werden."