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Amerika und die Frage nach der Freiheit


Autor: Rupert Sommer

, Freitag, 19. Juni 2026

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit widmet sich ARTE in der zweiteiligen Dokumentation "America, who are you?" den Mentaliätsgeschichte der USA. Der Film wirft zudem ein Licht auf die harten Umbrüche der Gegenwart in der Donald-Trump-Ära.


Alles Gute zum Geburtstag: Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit (4. Juli) blickt ARTE in einer zweiteiligen Dokumentation auf die ideologischen und gesellschaftlichen Wurzeln der USA. "America, who are you?" zeichnet ein vielschichtiges Bild eines Landes zwischen Freiheitsversprechen, religiösem Sendungsbewusstsein, Kapitalismus und politischer Spaltung. Und natürlich darf auch ein Blick auf die harschen Veränderungen und den Bruch mit Traditionen in der gegenwärtigen Donald-Trump-Ära nicht fehlen.

Der erste Teil der Dokumentation, der um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, beleuchtet die historischen Grundpfeiler der amerikanischen Identität. Ausgangspunkt ist das Ideal der Freiheit, das seit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 als Kern des Selbstverständnisses gilt. Zugleich zeigt der FIlm die Widersprüche dieser Idee auf: Der Kampf um gleiche Rechte zieht sich von der Abschaffung der Sklaverei über die Bürgerrechtsbewegung bis in aktuelle gesellschaftliche Konflikte. Auch die Rolle des Glaubens steht im Fokus. Religiöse Bewegungen und insbesondere die christliche Rechte prägen die politische Kultur der USA bis heute: etwa in Debatten um Abtreibung oder den wachsenden christlichen Nationalismus.

Funktioniert der "American Dream" überhaupt noch?

Darüber hinaus widmet sich die Dokumentation dem Mythos des "American Dream". Die Vorstellung, durch Leistung gesellschaftlich aufsteigen zu können, mag tief im Selbstverständnis der Vereinigten Staaten verankert sein. Gleichzeitig stellt der Film die Frage, wie realistisch dieses Versprechen tatsächlich ist. Ergänzt wird der Blick durch die Analyse eines ausgeprägten Patriotismus, der das Land seit Jahrhunderten prägt. Immer wieder wird neu definiert, welche Rolle Amerika in der Welt einnehmen will.

Im zweiten Teil, der direkt im Anschluss ab 21.05 Uhr zu sehen ist, wird die wirtschaftliche und geopolitische Entwicklung der Vereinigten Staaten in den Mittelpunkt gerückt. Die Dokumentation verfolgt die Entstehung des amerikanischen Kapitalismus seit dem 19. Jahrhundert und beschreibt den Aufstieg der USA zum globalen Machtzentrum. Dabei geht es auch um die Schattenseiten des wirtschaftlichen Erfolgsmodells: soziale Ungleichheit, Rassendiskriminierung und politische Konflikte begleiten die Geschichte des Landes bis heute.

Besonderes Augenmerk legt der Film auf die Aufstiegshoffnungen, die mit der Industrialisierung neue Dynamik erhielten und im berühmten Bild "vom Tellerwäscher zum Millionär" ihren Ausdruck fanden. Gleichzeitig thematisiert der Beitrag die Erschütterung dieses Selbstbildes durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 sowie den politischen Wandel unter Präsident Franklin D. Roosevelt. Mit dem "New Deal" habe sich erstmals die Idee eines stärker fürsorglichen Staates etabliert. Damit begann ein Konflikt, der die amerikanische Politik bis heute prägt. Während die Demokraten traditionell stärker auf staatliche Verantwortung setzen, betonen Republikaner die individuelle Eigenverantwortung und warnen vor zu viel staatlichem Einfluss.

Auch die Gegenwart kommt zur Sprache: Donald Trump und seine "MAGA"-Bewegung stehen laut der Doku für einen Kurswechsel weg vom klassischen Selbstverständnis der USA als "leader of the free world" hin zu einem neuen Isolationismus. So stellt sich erneut die Leitfrage der Reihe: "America - who are you?"

America, who are you? - Di. 23.06. - ARTE: 20.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst