Druckartikel: Als Triathletin von ihrer Entführung erzählt, reagiert Marlene Lufen entsetzt: "Wie aus einem Horrorfilm"

Als Triathletin von ihrer Entführung erzählt, reagiert Marlene Lufen entsetzt: "Wie aus einem Horrorfilm"


Autor: Franziska Wenzlick

, Dienstag, 30. Juni 2026

Vor sieben Jahren wurde die Radrennfahrerin und Triathletin Nathalie Schöffmann entführt. In Marlene Lufens Podcast "M wie Marlene" schilderte die Österreicherin nun, mit welchem Trick es ihr gelang, dem Täter zu entkommen.


Am 23. Juli 2019 wird Nathalie Birli - heute Schöffmann - von einem Auto angefahren, vom Fahrer niedergeschlagen und in ein abgelegenes Haus verschleppt. Dort hält er sie mehrere Stunden fest und versucht, sie zu ertränken. Wie durch ein Wunder kann die damals 27-Jährige ihren Peiniger überreden, sie noch am selben Abend freizulassen.

Sieben Jahre sind seither vergangen. Und doch sei für die österreichische Radsportlerin bis heute "unfassbar, was damals passiert ist". Es sei "eine Geschichte, die man so nur bei 'Aktenzeichen XY' gehört hat'", pflichtet auch Marlene Lufen dem Gast ihres Podcasts "M wie Marlene" bei.

Sie denke "relativ selten" an das, was ihr widerfahren sei, offenbart Schöffmann im Gespräch mit der "Frühstücksfernsehen"-Moderatorin. Gleichzeitig seien etwa rote Autos "ein bisschen ein Trigger" für sie, schließlich fuhr der Täter die Triathletin mit seinem roten Wagen vom Fahrrad, schlug sie bewusstlos und verschleppte sie in sein Zuhause.

"Er hat mir dann auch seine Handynummer aufgeschrieben"

"Das ist ja wirklich alles, wie man es aus einem Horrorfilm kennt", merkt Lufen an, als Schöffmann davon erzählt, wie sie sich mit gebrochenem Arm und gebrochenem Schädelknochel gefesselt auf dem Bett des Mannes wiederfand. Sie erinnert sich: "Wenn ich auch nur ein Wort von mir gegeben habe, dann hat er mir auf irgendeine Art und Weise Schmerzen zugefügt."

Es sei zunächst eine "ausweglose" Situation gewesen, erzählt die heute 34-Jährige. Das Blatt wendete sich erst, nachdem der Fremde sie fast in kaltem Badewasser ertränkt und anschließend gefesselt auf einem Stuhl platziert hatte. Schöffmann glaubt: "Das war wahrscheinlich der erste Moment, in dem der Täter vielleicht ein bisschen Mitleid mit mir bekommen hat."

Als der Mann ihre Fesseln gelöst hatte, habe Schöffmann ihm ein Kompliment für die Orchideen vor seinem Fenster gemacht - und so geschafft, den Täter in ein Gespräch zu verwickeln. "Er hat mir dann wie ein Wasserfall von seinem ganzen Leben erzählt", erinnert sich die damals frischgebackene Mutter eines Sohnes. "Irgendwann habe ich ihn dann auch gefragt, was er mit mir vorhat - und ob er mich umbringen möchte." Als der Täter erwiderte, dass sie bereits am nächsten Morgen eine "freie Frau" sein werde, überredete Schöffmann ihn, sie noch am selben Abend nach Hause zu bringen.

"Dann haben wir gemeinsam den Plan geschmiedet, dass wir es so ausschauen lassen, als wäre mir ein Reh vors Fahrrad gelaufen", sagt Schöffmann. Sie hätte behauptet, der Polizei eine Lüge auftischen zu wollen: "Er ist mit dem Auto zufällig vorbeigefahren, hat das gesehen und bringt mich jetzt nach Hause." Zudem habe sie dem Täter angeboten, ihm bei der Suche nach sozialen Kontakten zu helfen - ein "komischer Moment", wie sie heute findet: "Er hat mir dann auch seine Handynummer aufgeschrieben und mich gebeten, ihm meine Handynummer aufzuschreiben, damit ich mich am nächsten Tag noch mal melden könnte."

Nathalie Schöffmann kann heute wieder "ein normales Leben" führen

Während Marlene Lufen über das "megamäßig psychologische Gespür" ihres Gegenübers staunt, erzählt Schöffmann: "Er hat natürlich irgendwann, wie er festgenommen worden ist, realisieren müssen, dass ich ihn angelogen habe. Ich glaube, er hat wirklich gehofft, dass ich ihn am nächsten Tag anrufen würde."

Der Anruf beim Täter blieb aus. Stattdessen verständigte die junge Mutter die Polizei, nachdem der Mann sie an ihrem Haus abgesetzt hatte. "Der Moment, in dem ich die Tür zugemacht und realisiert habe, ich bin jetzt wirklich zu Hause, meiner Familie geht es gut, mir geht es mehr oder weniger gut, (...) das war glaube ich wirklich der schönste Moment in meinem Leben", sagt Schöffmann heute. "Zu wissen: Ich darf am nächsten Tag aufstehen und mein Leben weiterleben."

Obwohl ihr das Trauma viele Jahre zu schaffen gemacht habe, könne sie heute weitestgehend "ein normales Leben" führen. Das gelte auch für ihren Ehemann, der seine Frau während der Entführung als vermisst gemeldet und mithilfe zahlreicher Einsatzkräfte und Freiwilliger gesucht hatte. "Wir scherzen mittlerweile sogar schon darüber", verrät Schöffmann, die von sich sagt, inzwischen "echt gut" mit dem Erlebten umgehen zu können. "Kleine Macken" seien dennoch Teil ihres Alltags: So traue sich die Sportlerin häufig nicht, die Tür zu öffnen. Was ebenfalls bleibt? "Ein ungutes Gefühl bei jedem roten Auto."

Quelle: teleschau – der mediendienst