Als Grünen-Chefin über AfD-Politiker spricht, horcht Lanz auf: "Sie geben denen nicht die Hand?"
Autor: Natascha Wittmann
, Mittwoch, 16. Sept. 2026
Die Krise innerhalb der Regierung war bei "Markus Lanz" am Dienstagabend ebenso Thema wie der Umgang mit der AfD. Letzteren besprach der ZDF-Moderator unter anderem mit der Grünen-Parteivorsitzenden Franziska Brantner. Deren Antwort schien Lanz jedoch skeptisch zu stimmen.
Friedrich Merz steckt nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offenbar in einer handfesten Krise. Seit Tagen werden die Zweifel an der Zukunft des CDU-Kanzlers lauter. Am kommenden Sonntag, nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, soll im Konrad-Adenauer-Haus sogar eine "indirekte Vertrauensfrage" anstehen. Bei "Markus Lanz" zeichnete der ZDF-Moderator gleich zu Beginn das Bild einer Regierung unter Druck.
SPD-Politiker Ralf Stegner warnte jedoch davor, die Führung jetzt vorschnell auszutauschen: Er halte "überhaupt nichts" davon, "jetzt die Nerven zu verlieren in einer Situation, wo uns droht, dass eine rechtsradikale Partei die Regierung übernimmt".
Mit Blick auf Merz betonte Stegner: "Das ist wirklich nicht mein Kanzler, aber ich kann mich überhaupt nicht daran erfreuen, wenn darüber diskutiert wird, dass der Kanzler ausgetauscht wird." Seine Forderung an die Koalition? "Sich zusammenreißen, Führungsstärke zeigen und Professionalität zeigen - das ist meine Erwartung!"
Auch Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner plädierte für Stabilität und erklärte, sie erwarte, "dass die Koalitionsparteien sich zusammenraufen und sagen: '(...) Was lernen wir daraus? Was ändern wir?'" Lanz konterte spitz: "Für Sie ist das ja alles eine Riesenchance als Grüne." Brantner wies dies zurück und betonte: "Ich finde die Situation katastrophal in Deutschland. (...) Ich will, dass wir in diesem Land gut regiert werden." Im Gespräch mit Lanz gab die Parteivorsitzende schließlich zu: "Mir macht das schlaflose Nächte, dass wir eine CDU sehen, die in einer Erosion gerade befindlich ist."
Ralf Stegner über die AfD: "Das sind Feinde der Demokratie"
Psychiater Manfred Lütz zeigte sich derweil von der Personaldebatte wenig beeindruckt. Er kritisierte die wiederkehrenden Macht- und Krisenerzählungen: "Wir machen diese Debatten fast nach jeder Wahl. (...) Das einzige, was mich im Moment wirklich interessiert, (...) ist, wie kann man AfD-Wähler wieder zurückgewinnen? Darüber redet aber seit Jahren schon niemand!" Mit ernster Miene ergänzte er, dass man AfD-Wähler nicht nur "durch erfolgreiche Reformen" zurückgewinnen könne: "Ich glaube, dass kein einziger AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt wegen der Rente mit 63 AfD gewählt hat."
Damit war der Ball bei Lanz und bei der Frage nach dem Umgang mit der AfD. Er wollte von Franziska Brantner wissen: "Reden Sie mit AfD-Politikern?" Ihre Antwort fiel klar aus: "Mit AfD-Politikern? Nein, aber mit vielen AfD-Wählerinnen und -Wählern." Als Lanz irritiert ergänzte, "Aber Sie geben denen nicht die Hand?", reagierte Brantner energisch: "Die beschimpfen mich ja ständig! (...) Die nennen mich Sprechpuppe!"
Stegner unterstützte sie: "Das sind Feinde der Demokratie." Manfred Lütz hielt erneut dagegen und mahnte, dass man sich zu sehr in der Problembeschreibung verliere: "Wir müssten wieder mehr darüber reden: Wo gelingt es, die AfD kleinzuhalten?"