Druckartikel: Als CDU-Mann über "Nachsorge" von Kriegen spricht, schnaubt Linken-Chef: "Jetzt werde ich böse"

Als CDU-Mann über "Nachsorge" von Kriegen spricht, schnaubt Linken-Chef: "Jetzt werde ich böse"


Autor: Teleschau  

, Freitag, 06. März 2026

Die Traumata von Menschen in Kriegsgebieten dürfen nicht unterschätzt werden. Darin waren sich Markus Lanz und seine Gäste einig. Hinsichtlich der richtigen Bekämpfung und Vermeidung beklagte CDU-Mann Roderich Kiesewetter derweil eine "böse Unterstellung" von Linken-Chef Jan van Aken.


Gut 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges müssen sich Deutschland und Europa wieder vermehrt mit Bedrohungsszenarien befassen. Der Ukraine-Krieg, das Machtstreben Russlands und die schwindende Zuverlässigkeit der USA als Bündnispartner sprechen eine deutliche Sprache. Man habe in Deutschland bis etwa 2022 geglaubt, "dass wir in einer friedlicheren Weltordnung angekommen sind", führte Claudia Major am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" aus. "Dass wir von Freunden umgeben sind, dass militärische Mittel nicht mehr sinnvoll sind. Dass Kriege eigentlich vorbei sind, zumindest in Europa."

Doch nicht nur während des Krieges selbst seien beteiligte Länder im Ausnahmezustand, warf Soziologe Harald Welzer ein. Er wies ergänzend auf die Traumatisierungen der Kriegsbeteiligten hin, die nach dem Krieg "in die Gesellschaft extrem hineinwirken". Das betreffe nicht nur die Soldaten, sondern auch die Kinder und sonstigen Angehörigen. Ein Betroffener ziehe zehn weitere Personen in seinem Umfeld in diese Traumatisierungsprozesse, erklärte der Soziologe.

CDU-Mann wehrt sich: "Das ist eine böse Unterstellung, Herr van Aken"

Als Roderich Kiesewetter diesbezüglich von "Nachsorge" und "Perspektiven für den Wiederaufbau" sprach, war deutlich ein ungeduldiges Schnauben von Jan van Aken hörbar. Der legte auch gleich los: "Jetzt werde ich tatsächlich ein bisschen böse." Wiederaufbau sei keine Traumabewältigung. "Damit reden Sie das alles viel kleiner, als es ist." - "Das ist eine böse Unterstellung, Herr van Aken", empörte sich der CDU-Politiker.

Doch sein Kollege von den Linken ließ sich nicht beirren. "Sie haben die Afghanistan-Heimkehrer im Stich gelassen. Wir waren die einzige Partei, die sich um die Soldaten gekümmert hat, die hoch traumatisiert zurückkamen. Die kamen zu uns, weil sie allein gelassen wurden von der Bundeswehr und der Bundesregierung." Kiesewetter schlug zurück: "Da muss ich Ihnen widersprechen. Wir haben uns vom Reservistenverband um Hunderte traumatisierte Afghanistan-Kämpfer gekümmert, und um afghanische Menschen, die uns dort unterstützt haben." Man solle das nicht parteipolitisch ausschlachten, es hätten sich viele Parteien gekümmert, forderte Kiesewetter.

Soziologe verdeutlich bei "Markus Lanz": "Krieg ist brutale Zerstörung von Leben"

Welzer hatte indes zuvor die Gefahr einer gewissen Romantisierung von Kriegen ausgemacht. In der Geschichte der kriegerischen Auseinandersetzungen seien alle Beteiligten durchweg überrascht von der Wucht der Geschehnisse gewesen. Krieg sei nichts anderes als "brutale Zerstörung von Leben".

Die Gefahr einer Romantisierung sei hierzulande durch die Bundeswehr-Einsätze in Afghanistan, aber auch die Bilder aus der Ukraine, nicht gegeben, widersprach Roderich Kiesewetter. Die Gefahr sei vielmehr, dass der Krieg in bestimmten Medien, Parteien und Interessengruppen romantisiert werde. "Auch Russland romantisiert diesen Krieg auf ungeheure Weise." Wenn Kriege verhindert werden wollen, müssen Demokratien wehrhaft sein, unterstrich der Oberst a. D. erneut. Deshalb sei es wichtig, sehr ehrlich mit den Furchtbarkeiten des Krieges umzugehen.

"Das sagen Sie jetzt so schön", warf Jan van Aken ein. "Aber ich war acht Jahre im Bundestag in den Zehnerjahren." Da sei nur nüchtern-technisch über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gesprochen worden. "Da spritzt das Blut, die Menschen sind tot, das Gehirn fliegt weg", schilderte van Aken die Realitäten im Krieg. Doch im Bundestag sei Die Linke die einzige Partei gewesen, die versucht habe, den Krieg als Krieg in den Bundestag einzubringen. Sein Vorwurf lautete: "Diejenigen, die für einen Afghanistan-Einsatz gestimmt haben, wollten das nie hören, dass da auch Menschen sterben."

Jan van Aken blickt skeptisch auf deutschen "Militarismus"

Kontrovers wurde auch die Ankündigung aus der Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025 diskutiert. Darin sagte er der Bundeswehr alle finanziellen Mittel zu, die sie brauche, um zur "konventionell stärksten Armee Europas zu werden". Linken-Politiker Jan van Aken wies darauf hin, dass hierzulande gerne vergessen werde, dass die NATO nicht nur dem "Schutz für Deutschland, sondern auch dem Schutz vor Deutschland" diene.

Er nehme eine zunehmende Sorge um einen deutschen "Militarismus" wahr, sowohl in Deutschland selbst als auch in den europäischen Nachbarstaaten, konstatierte der Linken-Chef. Es würden Waffen angeschafft, die mit der Verteidigung von EU-Außengrenzen nichts zu tun hätten und vielmehr auf das Bilden einer "vierten Supermacht" abzielen würden. Den Militarismus gelte es laut van Aken zu bekämpfen, "damit wir nicht auch noch den Dritten Weltkrieg lostreten". Auch der Soziologe Harald Welzer empfand das Streben nach der stärksten Armee als "völlig aus der Zeit gefallen". Es gehe um gemeinsame europäische Lösungen, nicht um nationale Stärke.

Das Szenario einer deutschen Bedrohung wies Claudia Major zurück. Man habe in Deutschland eine sehr widersprüchliche Debatte über die Bundeswehr. "Einerseits sagt man, das ist eine Lumpentruppe, die ist schlecht und die kriegt nichts hin, und morgen kommt der Militarismus." Auch in der internationalen Wahrnehmung sehe sie keine Militarismus-Debatte. Wenn sie mit internationalen Partnern in Europa rede, dann gebe es vielmehr "eine große Erwartung an Deutschland". Der polnische Außenminister Radosław Sikorski sage etwa, er habe mehr Angst vor einem schwachen Deutschland als vor einem starken.

Quelle: teleschau – der mediendienst