Als AfD-Mann von den "Herrschaften in der CDU" spricht, hat Markus Lanz die Nase voll

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"Markus Lanz"
AfD-Politiker Bernd Baumann sprach bei "Markus Lanz" unter anderem über die Wahl seines Parteikollegen zum Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt.
ZDF/Cornelia Lehmann
"Markus Lanz"
Markus Lanz (links) sprach am Dienstag mit (von links) Georg Maier, Bernd Baumann, Anne Hähnig und Alexander Thiele.
ZDF/Cornelia Lehmann

Bei "Markus Lanz" feierte AfD-Politiker Bernd Baumann die Wahl des neuen AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt als Wendepunkt und teilte gegen die CDU-Abgrenzung aus. Dabei lieferte er sich mit dem ZDF-Moderator einen hitzigen Schlagabtausch.

Die AfD verbuchte in Magdeburg einen Doppelerfolg: Mit Tobias Rausch und Hans-Thomas Tillschneider schafften es gleich zwei Politiker der Partei ins Präsidium des Landtags von Sachsen‑Anhalt. Für Markus Lanz war das Anlass, in seiner Sendung genauer hinzuschauen und die Frage zu stellen, wie stabil die Brandmauer tatsächlich noch ist.

Journalistin Anne Hähnig nannte es bemerkenswert, "dass es eine Absprache gegeben habe zwischen der CDU und der AfD. Eine Absprache darüber, dass Vertreter der CDU bereit sind, Tobias Rausch zu wählen." Hähnig ordnete ein: Dies sei "bemerkenswert, weil eine Absprache eigentlich genau unter das fällt, was die CDU eine Zusammenarbeit nennt".

AfD-Parlamentarier Bernd Baumann reagierte derweil ausweichend: "Das war eine geheime Wahl, aber Ulrich Siegmund hat ja vorher klargemacht, dass er in Gesprächen ist mit einzelnen Abgeordneten." Lanz fragte interessiert nach: "Mit einzelnen CDU-Abgeordneten?" Baumann wiegelte ab: "Mit einzelnen Abgeordneten." Er wertete das Ergebnis in Sachsen-Anhalt als Signalwirkung für den Rest der Bundesrepublik: "Das war heute erst mal ein Durchbruch, (...) weil zum ersten Mal eine Mehrheit in einem deutschen Landesparlament für die AfD zustande kam. Und die über 15 Millionen Wähler im Land jetzt wissen: Der Durchbruch ist möglich. Die Stimmen für die AfD sind nicht verloren. Die bringen etwas."

Baumann legte nach: Auch in der CDU wisse man, "dass dieser Epochenbruch jetzt da ist. Die links-grüne Epoche ist vorbei!" Lanz wurde daraufhin hellhörig: "Also Sie gehen davon aus, dass die Stimmen von der CDU kamen?" Baumann bremste: "Ich bin ja jetzt nicht irgendwie spekulierend unterwegs." Es handle sich um "vertrauliche Gespräche", die "im Hinblick auf Stabilität geführt" würden. Vertraulichkeit bedeute, "dass man nicht darüber spricht". Dennoch merkte Baumann an: "Heute ist auch die Merz-CDU in gewisser Weise zu Grabe getragen worden mit dem Scheitern von Sven Schulze."

Markus Lanz zu Bernd Baumann: "Sie reden über jemanden, den Sie gerade vernichtet haben"

Zur Brandmauer sagte Baumann: "Diese Dummheit ist jetzt geplatzt auf öffentlicher Bühne und das verstehen auch die Herrschaften in der CDU." Lanz konterte sichtlich überrascht: "Das ist interessant, dieser Triumphalismus, der da aus Ihnen spricht. Finde ich irgendwie befremdlich." Baumann widersprach energisch: "Das ist nicht befremdlich." Lanz blieb jedoch hart: "Sie reden nicht, wie man über einen politischen Konkurrenten redet, den man respektiert und schätzt. Sondern Sie reden über jemanden, den Sie gerade vernichtet haben!"

Baumann erklärte daraufhin nüchtern, dass die CDU nun spüre, "dass der Wind sich dreht und die merken, dass wir der Wind sind. (...) Wir brauchen den Wechsel! Das ist kein Triumphalismus, das ist Sehnsucht!" In der Runde zeigte sich SPD-Politiker Georg Maier alarmiert: "Es ist etwas passiert, was unser Land verändert und das wird noch Folgen haben." Er warnte weiter: "Was mich natürlich heute besorgt, ist: Da wurde gedealt. Und wenn die CDU so weitermacht, dann wird sie mit dazu beitragen, kaputtzugehen."

Bernd Baumann: "Der Binnenmarkt ist das Heiligste, was Europa hat"

Als Lanz später das AfD-Programm thematisierte, ging Bernd Baumann in die Offensive: "Niemand von uns wollte von heute auf morgen aus dem Euro raus! Das ist uns von Gegnern (...) zugeschrieben worden!" Lanz konterte scharf: "Was für ein Quatsch!" Baumann wetterte jedoch unbeirrt weiter: "Der Binnenmarkt ist das Heiligste, was Europa hat!" Lanz fragte daraufhin ungläubig: "Im Ernst?"

Baumann behauptete: "Wir haben nie anders geredet. Sie sind nie wirklich unserem Programm nähergetreten." Daraufhin stichelte der ZDF-Moderator: "Darf ich Ihre Parteivorsitzende (...) jetzt noch ernst nehmen oder nicht?" Baumann hielt dagegen: "Das ist eine rhetorische Frage, die der Sache in keiner Weise gerecht wird."

Lanz erinnerte derweil an Alice Weidel, die sich im ZDF-"Sommerinterview" vor einigen Wochen unter anderem für den Austritt aus Schengen ausgesprochen hatte. Baumann entgegnete: "Schengen ist etwas anderes." Lanz hakte prompt nach: "Also raus aus dem Euro jetzt? Ja oder nein?" Der AfD-Politiker antwortete knapp: "Der Euro muss im Kern reformiert werden."

Thüringens Innenminister Georg Maier, der ebenfalls zu Gast war, sah darin eine Art Imagepflege: "Sie versuchen sich jetzt hier als eine konservative Partei darzustellen." Die Warnung des SPD-Politikers: "Wenn sich Konservative mit Völkischen zusammentun, werden die Konservativen untergehen."

Quelle: teleschau – der mediendienst