Druckartikel: Alexis Sorbas in Sankt Peter-Ording

Alexis Sorbas in Sankt Peter-Ording


Autor: Eric Leimann

, Montag, 23. März 2026

Sechs Frauen, darunter Journalistin Suse (Silke Bodenbender), checken mit unterschiedlichen Burnout-Symptomen in eine Kurklinik an der Nordsee ein. In der Tragikomödie "Fast perfekte Frauen" lernen sie Selbstfürsorge, Freundschaft - und ein neues Miteinander kennen.


Eine Kur machen, zum Beispiel an der Nordsee! Was für frühere deutsche Generationen fast schon normal war, ist in Zeiten von gesteigertem Leistungsdenken und Sparbemühungen der öffentlichen Hand fast schon zum Mythos geworden. Immerhin: In der Tragikomödie "Fast perfekte Frauen" haben es sechs Angehörige des weiblichen Geschlechts geschafft, für einige Wochen in einer Kurklinik in Sankt Peter-Ording unterzukommen. Zwar bieten die Zimmer wenig Luxus, doch man findet dort alles vor, was man braucht. Darüber hinaus wird für einen gekocht, ein Schwimmbad gibt es auch, und für Gruppentherapie ist nebst Freizeitaktivitäten an der frischen Luft ebenfalls gesorgt. Zu Beginn des Films der renommierten Autorin (mit Maya Duftschmid) und Regisseurin Gabriela Zerhau ("Ein Dorf wehrt sich") lernt man erst mal das Ensemble kennen: Die taffe Journalistin Suse (Silke Bodenbender), Mutter einer 17-Jährigen, glaubt, eigentlich kein Problem zu haben und liebäugelt damit, ihren Aufenthalt für eine Story zu nutzen.

Die scheue Christine (Anne Roemeth), die sich daheim alleine um drei Kinder kümmern muss und bisher alles abgebrochen hat, was sie für sich selber geplant hatte, möchte ihr Leben etwas mehr selbst in die Hand zu nehmen. Auch Doris (Tanja Schleiff), die anfangs zwanghaft und übergriffig wirkt, hat zu Hause mit Überforderung zu kämpfen. Dann ist da noch Jennifer (Malene Becker), deren Mutter ihr Leben dominiert und Leisha (Sabrina Amali), die über alles motzt, was ihr nahekommt. Schließlich wurde noch Frau Brandner (Ilse Neubauer) an der Rezeption von ihrer Tochter "abgegeben". Die alte Dame kämpft mit Demenzsymptomen und soll - was sie nicht weiß - nach ihrem Kuraufenthalt direkt in eine Betreuungseinrichtung umsiedeln.

Selbstfürsorge und Gemeinschaft

Nachdem die Frauen eingecheckt haben, lernt man sie im Rahmen von Gruppentherapie und Strandausflügen besser kennen. Und die Frauen auch sich selbst. Nicht nur die Charaktere machen in dieser durchaus tiefschürfenden Komödie ungeahnte Entwicklungen durch. Auch für Zuschauerinnen und Zuschauer dürfte die Reise der sechs Damen die ein oder andere emotionale Überraschung bereithalten. Dabei ist Journalistin Suse nur scheinbar der Fels in der Brandung. Je länger der Aufenthalt dauert, desto mehr entblättert sich ihre harte Schale, um den Blick auf Verletzungen und Ängste freizulegen.

Dabei bleibt der Film stets zärtlich und solidarisch, wenn es um die Erkenntnis geht, dass Selbstfürsorge und Gemeinschaft vonnöten sind, um dieses Leben gesund zu überstehen. Dass der Film, der bereits seit 8. März in der ZDF-Mediathek zu finden ist, linear ausgerechnet am Karfreitag ausgestrahlt wird, ist ein wenig seltsam: "Fast perfekte Frauen" ist nämlich kein Film über Trauer oder gar übers Opferbringen, sondern eher das Gegenteil: Zerhau und ihr Schauspielerinnen-Ensemble erforschen ein wenig exemplarisch, aber insgesamt durchaus anrührend, wie wichtig es ist, sich einander zu öffnen, um aus der Stärke einer verständnisvollen Gruppe neue Wege und Verständnis für sich selbst zu finden.

Die Kernbotschaft von "Alexis Sorbas"

Dass sich die hier porträtierten, durchaus beladenen Frauenleben von jetzt auf gleich vom Drama zur leichten Komödie schwingen, gaukelt der Film keineswegs vor. Stattdessen weist ein Sirtaki-Tanz am weiten Strand von Sankt Peter-Ording den Weg: Filmkennerin Suse beobachtet das Bewegungsritual aus dem berühmten Film "Alexis Sorbas" von 1964 und erklärt auf die Frage einer Mitpatientin, wovon der Schwarzweiß-Klassiker mit Anthony Quinn erzählt, die Botschaft des Films, die sich auch als Kernaussage von "Fast perfekte Frauen" übernehmen ließe: "Es geht darum", erklärt Suse, "das Leben in allen Höhen und Tiefen auszukosten." Wem dies gelingt, dürfte sich nicht nur selbst sehen, sondern auch von anderen gesehen werden. Ob man sich dazu nun als Gruppe an den Schultern fasst und am Nordseestrand die Beine schwingt oder nicht, ist letztlich nicht entscheidend. Wer sich im Sinne der Gruppentherapie öffnet, austauscht, sich selbst sieht und so auch von anderen gesehen wird, darf auch anders durchs Leben tanzen.

Fast perfekte Frauen - Fr. 03.04. - ZDF: 21.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst