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"Aktenzeichen XY ... ungelöst" soll Berliner "Cold Case" von 1986 lösen


Autor: Teleschau  

, Montag, 16. März 2026

Das LKA Berlin will einen 40 Jahre alten Mordfall endlich klären: 1986 wurde die 44-jährige Kellnerin Renate Pollaczek vergewaltigt und getötet. Die Ermittler erhoffen sich von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" neue Hinweise.


Immer wieder rollt die Polizei alte, ungelöste Kriminalfälle neu auf. So auch den Sexualmord an Renate Pollaczek im Jahr 1986, in dem das LKA Berlin seit 2023 wieder ermittelt. "Moderne Untersuchungsmethoden von Spuren" würden eine Aufklärung "vielleicht" möglich machen, erklärte Staatsanwalt Thilo Pietzsch 2025 im "Berliner Kurier". Die ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" am Mittwoch, 18. März, um 20.15 Uhr, soll nun weitere sachdienliche Hinweise bringen.

Renate Pollaczek war 1986 44 Jahre alt, alleinstehend und arbeitete als Kellnerin in der "Schultheiß-Baude" in Berlin-Charlottenburg hinter der Theke. Auch am 10. April 1986, als sie die Nachtschicht in der dauerhaft geöffneten Kneipe in der Galvanistraße übernahm, stand die 1,61 Meter große Frau hinter der Theke. Ein Stammgast, ein Kfz-Mechaniker, der frühmorgens oft für einige Minuten in die Kneipe kam, war der letzte, der Renate Pollaczek lebend gesehen hat.

Als er um kurz nach fünf am 11. April die "Schultheiß-Baude" verließ, traf er an der Tür auf einen unbekannten, muskulösen Mann. Später beschrieb er den Fremden so: zwischen 20 und 25 Jahre alt und etwa 1,75 Meter groß. Die Identität des Mannes und was er mit dem Tod der 44-jährigen Kellnerin zu tun hat, ist bis heute ungeklärt.

DNA-Spuren und "Camel"-Zigaretten am Tatort

Am Morgen des 11. April 1986 fand der Besitzer der Kneipe die Leiche von Renate Pollaczek in der Küchennische. Um ihren Hals war ein verdrehtes und verknotetes Küchentuch gelegt. In der Kasse fehlten außerdem rund 150 DM. Die herbeigerufene Polizei konnte am Tatort zwei Zigarettenstummel und eine Zigarettenschachtel der Marke "Camel" sicherstellen.

Bei der Obduktion am selben Tag wurde Sperma in der Leiche gefunden. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen wegen der Beleuchtung der "Schultheiß-Baude", davon aus, dass die 44-Jährige zwischen 5.15 Uhr und 6.15 Uhr am Morgen erst vergewaltigt und dann ermordet wurde.

Die Polizei ermittelte sechs Verdächtige, musste sie jedoch schnell wieder gehen lassen. "Sie waren es nicht", sagte auch Staatsanwalt Pietzsch. Auch 10.000 DM Belohnung brachten nicht den erhofften, entscheidenden Hinweis. Erst 2023 wagte die Polizei einen erneuten Anlauf im Fall Renate Pollaczek. Neue wissenschaftliche Methoden machten die Erstellung eines genauen DNA-Profils möglich. Das Ergebnis: Die Zigarettenstummel, die neben der Leiche und in einem Aschenbecher gefunden worden waren, stammen von dem Mann, der die 44-jährige Kellnerin auch vergewaltigt hat.

Die Polizei sucht in Deutschland und im Ausland nach dem Täter

"Wir haben jetzt das Profil, aber es ist nicht in der Datenbank", musste Pietzsch 2025 jedoch erklären. Deshalb begannen die Ermittlerinnen und Ermittler 2025 mit einer DNA-Reihenuntersuchung. Dafür wurden Männer, die zum Tatzeitpunkt im passenden Alter waren und rund um die "Schultheiß-Baude" wohnten, zu einer Speichelprobe aufgefordert. Dass der Täter etwa ein Tourist gewesen sei, glaubt der Staatsanwalt nicht. Inzwischen wurde laut Pietzsch eine hohe zweistellige Zahl an Männern überprüft.

Dabei sucht die Polizei auch im Ausland: So wurden bereits in Thailand, Serbien, Tschechien, Polen und Portugal Rechtshilfeersuchen gestellt, um weitere potenzielle Verdächtige zu überprüfen. Sollte ein Mann, der infrage kommt, bereits verstorben sein, nimmt die Polizei Speichelproben der Verwandten, erklärt der Staatsanwalt. Am Ende zählt für ihn nur eins: "Frau Pollaczek verdient es, dass wir das Verbrechen aufklären."

Ansprechpartner für sachdienliche Hinweise ist das LKA Berlin:

  • Tel.: (030) 4664-0
  • Adresse: Keithstraße 30, 10787 Berlin

Unter https://hinweisgebersystem.lka-berlin.de können Hinweise außerdem anonym gemeldet werden.

Quelle: teleschau – der mediendienst