"Aktenzeichen XY... Ungelöst": So entsteht die ZDF-Sendung
Autor: Teleschau
, Dienstag, 30. Dezember 2025
Seit 1967 geht die ZDF-Sendung ungelösten Verbrechen nach. Wie die nachgestellten Szenen des erfolgreichen Formats produziert werden, davon handelt "Backstage: Aktenzeichen XY... Ungelöst - Spurensuche hinter den Kulissen". Die Dokumentation wird am 4. Januar ausgestrahlt.
Eine gewisse Nervosität spürt Rudi Cerne immer noch, wenn der Countdown zu "Aktenzeichen XY... Ungelöst" läuft. "Ich mache das seit vielen, vielen Jahren, aber ein bisschen Aufregung gehört noch dazu", gesteht der Moderator. Schließlich ist es ja auch eine Live-Sendung. Da darf man auch nach mehr als 250 Einsätzen noch feuchte Hände bekommen.
Das True-Crime-Format hat sich seit der ersten Folge am 20. Oktober 1967 zu einem echten Dauerbrenner im ZDF entwickelt. "Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen. Das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe", lautete damals die Anmoderation von Eduard Zimmermann, Moderator und Erfinder des Formats in Personalunion. "Ihr Anruf kann dazu führen, dass noch heute Nacht ein lange gesuchter Verbrecher festgenommen wird", schob er sogleich die Einladung zum Mitwirken hinterher.
Der Journalist und Verbrechensexperte starb 2009, seine Schöpfung lebt indes weiter. 621 Folgen wurden mittlerweile ausgestrahlt, ein Ende ist nicht in Sicht. Warum auch? Die Aufklärungsquote der vorgestellten ungelösten Kriminalfälle beträgt fast 40 Prozent. Grund genug für das ZDF, einen Blick auf die Produktion des Erfolgsformats zu werden: in der 30-minütigen Dokumentation "Backstage: Aktenzeichen XY... Ungelöst - Spurensuche hinter den Kulissen" (Sonntag, 4. Januar, 19.10 Uhr).
"Wenn es die Sendung nicht gäbe, müsste man sie erfinden"
Rudi Cerne zögerte zunächst, als ihm 2001 die Moderation von "Aktenzeichen" angeboten wurde. Vor allem zweifelte der Sportmoderator an der Ernsthaftigkeit der Anfrage. "Ich dachte, das ist jetzt ein Joke", erinnert sich der ehemalige Eiskunstläufer in der Doku an den Anruf von ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke. Das Format habe damals zudem "unter Beobachtung" gestanden, die Quoten waren rückläufig. "Und wenn die Sendung zugemacht wird und ich bin der Moderator, der sie an die Wand gefahren hat, dann ist das nicht toll." Deshalb habe er lange gezögert, das Angebot anzunehmen. Doch schließlich, am 18. Januar 2002, stand er doch am Moderatorenpult.
Heute ist Cerne voll und ganz überzeugt von dem Format. "'Aktenzeichen' ist die Mutter aller True-Crime-Sendungen. Wenn es die Sendung nicht gäbe, müsste man sie erfinden." Den Erfolg erklärt er sich damit, "dass die Sendung absolut authentisch ist". Wichtig für die Strahlkraft sei auch: "Es ist alles echt. Dieses Verbrechen hat's wirklich gegeben."
Fixpunkt von "Aktenzeichen XY... Ungelöst" sind die nachgestellten Verbrechen
Und dieses Verbrechen versucht das Produktionsteam von "Aktenzeichen" so realitätsnah wie möglich darzustellen. Damit die ungeklärten Fälle doch noch gelöst werden können, gehe es darum, "Menschen zu erreichen. Und das schaffen wir nur durch diese Filme, die auch emotional sein müssen. Dass einer sagt: 'Ich hab diesen Mann gesehen, und ich kann Ihnen was dazu sagen.'"
Entsprechend akribisch geht es hinter den Kulissen zu. Etwa sieben Monate vor der Ausstrahlung beginnt die Arbeit. Zuständig für die ersten Kontakte zur Polizei ist die "Deutsche Kriminal-Fachredaktion" (DKF). Deren stellvertretende Redaktionsleiterin Angela Nachtigall erklärt: "Wir 'XY'-Redakteure setzen uns hin, schreiben Drehbücher, sprechen das alles mit der Polizei ab." Es kämen generell viele Anfragen von Polizeidienststellen, "die uns ungeklärte Fälle anbieten und sagen: 'XY' ist der letzte Strohhalm'."