AfD-Pläne zur Schulpflicht alarmieren Politologen - von Storch fühlt sich in der ARD "dämonisiert"
Autor: Marko Schlichting
, Mittwoch, 03. Juni 2026
"Das Vorbild ist Orban. Die Ungarisierung dieses Landes ist das Angestrebte." Bei "Maischberger" warnte der Politiloge Albrecht von Lucke eindringlich vor den Plänen der Landes-AfD in Sachsen-Anhalt zur Abschaffung der Schulpflicht. Auch wirtschaftlich, glaubt er, wäre ein Wahlsieg verheerend.
In Sachsen-Anhalt wird im September ein neuer Landtag gewählt. Die AfD könnte laut Umfragen die Wahlen gewinnen. Bei Sandra Maischberger diskutiert am Dienstagabend Beatrix von Storch von der AfD mit dem Publizisten Albrecht von Lucke, wie es dann weitergehen könnte.
Der lehnt zu Beginn der Diskussion, in der es vor allem um die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im kommenden September gehen soll, ein Verbotsverfahren gegen die AfD ab. "Ich war schon früher nie dafür, und ich bin es jetzt noch weniger", sagt Albrecht von Lucke. Die Debatte komme völlig zur Unzeit, erklärt der Politologe bei Maischberger. Man müsse jetzt eine Auseinandersetzung mit der AfD führen.
Von Storch sei einmal Mitglied der FDP gewesen, wenn auch nur ganz kurz. Ob sie sich vorstellen könnte, dort wieder einzutreten, falls es die AfD nicht gäbe, will Maischberger wissen. "Ich verstehe Ihre Frage nicht", antwortet die AfD-Politikerin.
Von Storch: "Unser Schulsystem scheint kein echtes Erfolgsrezept zu sein"
Dann holt sie zu einer Antwort aus, weil Maischberger nicht locker lässt: "Die AfD ist diejenige, die die Akzente setzt, die die Probleme anspricht, die dieses Land hat, die von den anderen Parteien nicht mehr ausreichend adressiert werden. Es gibt Gründe dafür, warum wir trotz des medialen Gegenwinds (...) jetzt die stärkste Kraft geworden sind, und zwar nicht nur im Osten, dort mit Abstand, sondern im gesamten Bundesgebiet." Die AfD spreche Themen an, die den Menschen unter den Nägeln brennen würden.
Eines dieser Probleme ist die Bildungspolitik. Hier spricht sich die Landes-AfD in Sachsen-Anhalt gegen die Schulpflicht aus. "In den meisten europäischen Ländern ist das der Fall", begründet von Storch die Idee. Tatsächlich ist Deutschland das einzige europäische Land, das Hausunterricht grundsätzlich verbietet, hat "Focus online" herausgefunden. In den meisten europäischen Ländern gilt zwar eine Bildungspflicht, aber keine Schulpflicht. Dänemark zum Beispiel hat sie schon im Jahr 1855 abgeschafft. Dort können Kinder von den Eltern, Privatlehrern oder online unterrichtet werden.
"Unser Schulsystem scheint kein echtes Erfolgsrezept zu sein", findet von Storch angesichts von Umfragen, nach denen 40 Prozent der Kinder unter 15 Jahren nicht richtig lesen und schreiben können. "Das soll nicht heißen: keine Schule. Das soll nur heißen: Es gibt berechtigte Zweifel daran, ob dieses Schulsystem wirklich gerade ganz gut funktioniert. Und 'keine Schulpflicht' heißt natürlich nicht keine Bildungspflicht."
"Das Vorbild ist Orban"
Von Lucke lehnt die Abschaffung der Schulpflicht in Sachsen-Anhalt ab. Er erkennt den Versuch, gegen die vermeintliche "Indoktrination" von Institutionen vorzugehen. So führe die AfD in Sachsen-Anhalt etwa auch einen veritablen Kampf gegen die Kirchen: "Das Vorbild ist Orban. Die Ungarisierung dieses Landes ist das Angestrebte."