65 Jahre Mauerbau: Von getrennten Familien, DDR-Häftlingen und Soldaten am Todesstreifen
Autor: Maximilian Haase
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Vor 65 Jahren wurde mitten in Berlin eine Mauer errichtet, die das Leben der Menschen in beiden deutschen Staaten für fast drei Jahrzehnte prägen sollte. Anlässlich des Jahrestags widmet das Zweite dem Mauerbau eine ganze Nacht voller historischer Dokumentationen.
Es ist ein Tag, der im kollektiven Gedächtnis der Deutschen fest verankert ist: Am 13. August 1961 begann die DDR mit dem Bau der Mauer, die in den folgenden fast drei Jahrzehnten nicht nur Berlin teilen, sondern die beiden deutschen Staaten vollkommen voneinander trennen sollte. Errichtet als vorgeblich "antifaschistischer Schutzwall" gegen Kapitalismus und Nazis, riss das Bauwerk Familien entzwei und prägte die Lebensläufe ganzer Generationen. Nicht zuletzt kamen zahlreiche Menschen beim Versuch ums Leben, die Mauer zu überwinden. 65 Jahre nach dem Mauerbau begeht das ZDF den Jahrestag der historischen Zäsur mit einer Nacht voller Dokumentationen und Reportagen zum Thema.
Los geht es 23.15 Uhr mit der Doku "Deutschland '61 - Countdown zum Mauerbau" von 2019: In 45 Minuten rekapituliert der Film von Henrike Sandner, wie es überhaupt zum Bau der Mauer kommen konnte. Die Ereignisse zwischen Kriegsende und 1961 überschlugen sich: von der massenhaften Flucht aus der DDR und dem Kampf der beiden Systeme bis hin zu Walter Ulbrichts berühmtem Ausspruch "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" und der geheimen Planung des Mauerbaus. Die Doku zeigt, wie unvorstellbar es schien, dass die DDR-Führung tatsächlich Menschen im Land einsperren würde - aber auch, wie geschockt der Westen reagierte und wie unmöglich ein Eingreifen schien, ohne den Kalten Krieg zum Weltkrieg werden zu lassen.
Frank Schöbel und Wolfgang Joop berichten
Nach dem "heute journal update" um Mitternacht folgt dann ab 00.15 Uhr die "Terra X History"-Doku "75 Jahre Deutschland - Wir Grenzgänger", die erstmals 2024 ausgestrahlt wurde. Der Film von Steffi Lischke und Frank Diederichs widmet sich jenen, die ein von der Teilung bestimmtes Leben zwischen Ost und West führten und jenen, die sich nicht mit dem Mauerbau abfinden wollten. Porträtiert werden ganz normale Menschen, aber auch Prominente wie Reinhard Mey, Katja Ebstein, Wolfgang Joop und Frank Schöbel.
Anhand zahlreicher deutsch-deutscher Biografien beleuchtet die Doku, wie sich die Spaltung des Landes auf das Leben der Menschen auswirkte, wie sich die Geschichte darin von der Teilung über den Mauerbau bis zur Wiedervereinigung gleichsam widerspiegelte. Wie sah der Alltag zwischen den beiden Staaten und insbesondere im geteilten Berlin aus? Wie überrascht und geschockt war man vom Bau der Mauer 1961? Wer versuchte gar zu fliehen? Und wem war es erlaubt, sich regelmäßig zwischen BRD und DDR zu bewegen?
Davon zeugt etwa DDR-Schlagersänger Frank Schöbel, der schon seit den 70-ern in der Bundesrepublik auftreten durfte, aber jedes Mal zu seiner Familie und den Fans in der DDR zurückkehrte. "Das war Zuckerbrot und Peitsche", sagt er im Rückblick. Andersherum berichtet Designer Wolfgang Joop, wie er aus dem Westen immer wieder in seine alte Heimat Potsdam reiste, weil er dank Modeberatung ein DDR-Visum erhielt.
Von Grenzsoldaten und Häftlingen
Direkt im Anschluss kommen ab 1.45 Uhr in der Doku "Am Todesstreifen: DDR-Grenzer erzählen" (2020) diejenigen zu Wort, die die Grenze zwischen DDR und BRD bewachen mussten. Offen berichten die Zeitzeugen von ihrer Arbeit, die noch immer als tabuisiertes Thema gilt. Einer der etwa 500.000 jungen Männer der Grenztruppen war etwa der spätere Regimekritiker Lutz Rathenow, der in dem 45-minütigen Film Einblicke in den Alltag am Todesstreifen liefert.
Wie auf der anderen Seite das harte Leben der Inhaftierten in der DDR aussah, dokumentiert ab 2.30 Uhr die Doku "Wir wollten nur raus - DDR-Häftlinge kämpfen gegen das Vergessen" von 2022. Im Rahmen der "37°"-Reihe hat die Filmemacherin Katrin Lindner das Menschenrechtszentrum Cottbus besucht. In Ihrer Doku erzählt sie die Geschichte von Menschen, die als politische Gefangene viel Leid erfahren mussten und sich heute dafür einsetzen, dass sich dieses Unrecht nicht wiederholt.