40 Jahre nach dem Super-GAU: Dieses düstere Serienmeisterwerk lässt die Tschernobyl-Katastrophe real werden
Autor: Teleschau
, Sonntag, 26. April 2026
Am 26. April jährt sich zum 35. Mal eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte: der Super-GAU im Kernkraftwerk Tschernobyl auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Eine grandiose Aufarbeitung der Geschehnisse liefert das preisgekrönte Serienmeisterwerk "Chernobyl".
Vor Fukushima war Tschernobyl: Noch immer gilt die Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986 als bislang schlimmster Unfall in einem Kernkraftwerk überhaupt. Das Unglück in der Ukraine ging als erster Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) in die Geschichte ein. Wie es zur Explosion des Reaktors und der anschließenden verheerenden Kontamination riesiger Gebiete in Osteuropa kam, erzählt die fünfteilige Miniserie "Chernobyl", die von zwei TV-Giganten aus der Taufe gehoben wurde: HBO und Sky UK taten sich 2019 erstmals zusammen, um ein gemeinsames Format zu kreieren, das hierzulande bei Sky lief und international im großen Stil abräumte. Derzeit ist die Serie, die sowohl den Golden Globe als auch den Emmy als beste Miniserie gewann, im Abo nur bei Sky Go und Wow verfügbar, doch auch der Kauf oder die Leihe bei einem Streamingdienstanbieter lohnt sich bei diesem Meisterwerk.
"Chernobyl" ist die schonungslose, nahezu minutiöse Nacherzählung einer der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Dafür haben die Macher wahrlich beeindruckende Bilder gefunden, die das Publikum in ihren Bann ziehen: Brände in unwirklichen Farben, die schier unermessliche Zerstörung von Stahl, Beton und Graphit. Gigantische Rauchsäulen, die unheilbringend über dem Himmel der damaligen Sowjetunion aufsteigen und weit schlimmeres Unheil ankündigen.
Die freigesetzte Radioaktivität, die auf der Haut der Arbeiter und Feuerwehrleute schlimme Verbrennungen erzeugt und sie erbrechen, leiden und sterben lässt. Es sind apokalyptische Bilder, die an die Höllengemälde des Hieronymus Bosch erinnern. Wobei hier nichts überinszeniert wirkt. Es ist die düstere Realität, die dem Zuschauer in "Chernobyl" vor Augen geführt wird. Sie ist kaum zu ertragen.
Filmisches Denkmal für tragische Helden
"Chernobyl" ist nicht nur ein handwerklich perfekter Katastrophenthriller (Regie bei allen Folgen: Johan Renck). Zentral für die Sogwirkung der Handlung ist das menschliche Drama, das sich hinter den Kulissen abspielt: Jared Harris spielt Valery Legasov, einen Experten auf dem Feld der anorganischen Chemie, der gemeinsam mit dem linientreuen Politiker Boris Shcherbina (Stellan Skarsgard) den Vorfall schleunigst inspizieren und Lösungen zur Eindämmung der Katastrophe erarbeiten soll - nach anfänglicher Feindseligkeit müssen sie lernen, einander zu vertrauen. Unerwartete Hilfe bei ihrer Arbeit erhalten sie zudem von der brillanten Nuklearwissenschaftlerin Ulana Khomyuk (Emily Watson).
Allesamt setzen sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, um das Unabwendbare doch noch irgendwie zu verhindern: die Zerstörung der sowjetischen Satellitenstaaten und Ostdeutschlands aufgrund einer sich anbahnenden zweiten Explosion. Parallel dazu berührt auch das Schicksal von Lyudmilla (Jessie Buckley) und ihrem Mann Vasily (Adam Nagaitis): Der Feuerwehrmann sah sich der heftigen Strahlung während der Löscharbeiten direkt ausgesetzt.
In "Chernobyl" gibt es keine klassischen Helden; es sind Menschen, die im Angesicht der Katastrophe alles in ihrer Macht Stehende tun, um Europa zu retten. Hier wird aus allen denkbaren Perspektiven von menschlichen Schicksalen erzählt: Betroffen sind die unmittelbaren Opfer vor Ort, die Anwohner und die Einsatzkräfte, aber auch die selbstlosen Wissenschaftler und Politiker, die auf höchster auf Ebene einen schier aussichtslosen Kampf austragen, um die Welt vor noch Schlimmerem zu bewahren. Diesen auf realen Vorbildern basierenden, tragischen Helden wurde mit diesem düsteren Serien-Meisterwerk ein filmisches Denkmal gesetzt.
Quelle: teleschau – der mediendienst