Ein Dorf wie ein Pulverfass, alte Feindschaften und viele Geheimnisse: Der neue SR-«Tatort» geht in die Tiefe - und stellt aus dem Viererteam erstmals Kommissarin Esther Baumann in den Mittelpunkt.
Es gibt die einen, die mögen lieber den klassischen «Whodunit»-Krimi. Sie haben Spaß am Miträtseln, wer der Täter war. Und es gibt die anderen, die bevorzugen es eher psychologisch: Die genießen es, wenn die Spannung aus inneren Konflikten entsteht. Die «Privates» erfahren wollen - am besten nicht nur von den Verdächtigen, sondern auch den Kommissaren. Für diese Gruppe ist der neue SR-Tatort wie gemacht. Schon der Titel «Das Böse in Dir» (heute, 20.15 Uhr, Das Erste) lässt erahnen: Es geht in die Tiefe.
Die Story spielt in einem (fiktiven) Dorf namens Hohenweiler an der französischen Grenze, wo der Unternehmer Emil Feidt ermordet aufgefunden wird. Es ist der Heimatort von Hauptkommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen), den sie vor 30 Jahren verlassen hat. Warum eigentlich? Weil hier purer Hass herrscht zwischen zwei Familien? Weil man hier - wie sie selbst rät - am besten immer darauf achtet, dass man eine Wand im Rücken hat? Oder gab es familiäre Gründe?
Wie auch immer. Schließlich geht es ja erst einmal um die aktuellen Ermittlungen. Und da drängt sich schnell der Eindruck auf, der Mord an Emil Feidt könnte mit dem ungeklärten Tod seiner Tochter Becky zusammenhängen, die vor fünf Jahren im Fluss ertrank. Bis heute steht die Frage im Raum: War es damals wirklich ein Unfall? Oder hat Claire Louis, Beckys einstige beste Freundin, sie getötet?
Bis aufs Blut verfeindet
Kommissarin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) scheidet als Ermittlerin vor Ort aus: Sie hat «Stubenarrest», muss das Büro hüten und hat offenbar psychisch einiges aufzuarbeiten.
Die Kollegen Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) haben derweil genug damit zu tun, sich auf die besondere Atmosphäre im Dorf und ihre besonderen Bewohner einzulassen. Zweifellos ein Pulverfass, das jeden Moment hochgehen kann, und in dem die Familien sprichwörtlich bis aufs Blut verfeindet sind. Schon eine neutrale Position zwischen beiden Seiten ist ungewöhnlich, eine Liebesbeziehung undenkbar.
Auch Hauptkommissar Schürk hat da schnell den alten Streit zwischen den Familien Montague und Capulet im Kopf. Aber macht man es sich bei der Suche nach einem Täter zu einfach, wenn man immer nur «die anderen» im Blick hat? Oder gibt es hier gar eine moderne Romeo-und-Julia-Variante mit tragischem Ausgang?
Was hat Kommissarin Baumann bisher verschwiegen?
Vielschichtig, dramatisch, sensibel, mitunter auch überraschend und bedrückend ist es, was Daniela Baumgärtel und Kim Zimmermann geschrieben haben und was Regisseurin Luzie Loose einmal mehr packend umgesetzt hat. Schon 2022 hatte diese die Zuschauer mit ihrem SR-Tatort «Das Herz der Schlange» gefesselt.