Superstar mit Haltung: Bad Bunny spaltet die USA
Autor: Leonard Fischer und Jörg Vogelsänger, dpa
, Freitag, 06. Februar 2026
Bad Bunny verzichtet aus Protest gegen die US-Migrationspolitik auf Konzerte in den Staaten – und steht nun ausgerechnet beim Super Bowl im Rampenlicht. Wer ist der meistgehörte Sänger des Planeten?
Wenn am 8. Februar (Ortszeit) im kalifornischen Santa Clara der Super Bowl LX steigt, blickt die Welt nicht nur auf das Finale der National Football League (NFL). Die gigantische Halbzeit-Show erzeugt längst so viel mediale Aufmerksamkeit wie das Spiel selbst. In diesem Jahr steht der puerto-ricanische Superstar Bad Bunny im Zentrum – nicht nur als Künstler, sondern als Symbol kultureller und politischer Debatten in den USA.
Die weltweite Nummer eins auf Spotify
Bad Bunny – bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio – ist einer der global erfolgreichsten Musiker seiner Generation. Seit Jahren dominiert er weltweit die Charts und zählt zu den meistgehörten Künstlern des Streamingdienstes Spotify. Mehrfach führte der ausschließlich auf Spanisch singende Künstler das Ranking sogar an – wie in der jüngsten Statistik.
Bei den Grammys gewann der Rapper kürzlich den Preis für das beste Album. Mit «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» (Deutsch: Ich hätte mehr Fotos machen sollen) wurde in dieser wichtigen Kategorie erstmals ein komplett auf Spanisch gesungenes Album geehrt. Bad Bunny gewann auch die Auszeichnungen für «Bestes Música Urbana Album» und «Best Global Music Performance».
«Sie wollen mir den Fluss wegnehmen, und auch den Strand»
Bad Bunnys sechstes Solo-Album ist eine liebevolle Hommage an seine karibische Heimatinsel Puerto Rico. Die musikalische Grundlage bildet zwar der Reggaeton mit typischer Mischung aus Reggae, Hip-Hop und elektronischer Tanzmusik – oft mit explizit sexuellen Texten. Das «böse Häschen» mischt diesen jedoch mit puerto-ricanischer Folkmusik, traditionellen ländlichen und afrokaribischen Stilen und Salsa.
Mit dieser Melange begeistert der Latino mit der authentisch karibischen Sprechweise auch jene, denen der Reggaeton allein zu vulgär und sexistisch ist. Und er baut eine Generationen umspannende Brücke zwischen Jung und Alt – nicht zuletzt zwischen Lateinamerika und den Millionen in den USA lebenden Latinos.
Inhaltlich beklagt der 31-Jährige unter anderem den Verlust kultureller Identität, Kolonialismus, Gentrifizierung und die Amerikanisierung der Insel. «Sie wollen mir den Fluss wegnehmen, und auch den Strand», singt er in «Lo que le pasó a Hawaii» (Was Hawaii geschehen ist). Beide Territorien wurden 1898 von den USA annektiert. Die Puerto Ricaner sind zwar US-Bürger, dürfen aber von dem Außengebiet aus nicht mitwählen.
Über 50 Shows auf Welttournee – keine einzige in den USA
Für seine derzeit laufende und nach seinem aktuellen Album benannte Welttournee sind über 50 Shows in Lateinamerika, Europa, Asien und Australien angesetzt – darunter zwei Deutschland-Konzerte im Juni in Düsseldorf.