Nacktszene mit Kinski: Wenders zieht Film vorerst zurück
Autor: Julia Kilian, Sabrina Szameitat und Lisa Forster, dpa
, Mittwoch, 03. Juni 2026
Regisseur Wim Wenders will seinen Film «Falsche Bewegung» vorerst nicht mehr zeigen. Schauspielerin Nastassja Kinski hätte besser beschützt werden müssen - «dafür bitte ich Dich um Entschuldigung».
Nach dem Streit um eine Nacktszene mit Schauspielerin Nastassja Kinski soll der Film «Falsche Bewegung» von Regisseur Wim Wenders vorerst nicht mehr gezeigt werden. Der Film werde aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen, teilte die Wim Wenders Stiftung mit. Streaming-, TV- und Vertriebspartner würden dazu angewiesen, den Film nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen.
In der Mitteilung bat Wenders um Entschuldigung. «Als einziger der damals für "Falsche Bewegung" handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber».
«Die vielen Reaktionen, Hinweise und Gespräche der vergangenen Tage haben wesentlich dazu beigetragen, meinen Blick auf die damaligen Ereignisse weiter zu schärfen. Dafür bin ich dankbar.» Es sei nötig, dass die Gesellschaft angemessene Umgangsweisen für strittige Filmwerke des 20. Jahrhunderts finde und sich neuen Lernprozessen und Perspektiven stelle.
Worum es bei dem Fall geht
«In dieser wichtigen Debatte werden wir einen breiten Austausch suchen – mit der Deutschen Filmakademie, dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, mit weiteren Filmerbe-Institutionen und anderen generationsübergreifenden Gruppen», hieß es weiter. «Erst danach, auch wenn es länger dauern sollte, und nachdem wir eine einvernehmliche Lösung, auch in Absprache mit Nastassja Kinski, haben vorlegen können, werden wir den Film wieder freigeben.»
Hintergrund ist ein Streit um eine Szene im Film «Falsche Bewegung» aus dem Jahr 1975, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper gezeigt wird. Ein Mann ohrfeigt sie und streichelt dann ihr Gesicht. Kinski trägt in dieser Szene lediglich eine Unterhose.
Die Schauspielerin bittet Wenders laut eigenen Angaben seit Jahren, die rund zweiminütige Szene zu entfernen. Der «Süddeutschen Zeitung» sagte sie kürzlich: «Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war».
Was Wenders bisher sagte
Wenders hatte vergangene Woche beim Deutschen Filmpreis gesagt, er würde die Szene «heute nie mehr so machen». Seinem damaligen jungen Ich könne er aber keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht. Doch es ergebe sich eine Frage, die alle Filmschaffenden angehe: «Wie geht man mit Filmerbe um?»