Netflix und Co sollen in Deutschland investieren
Autor: Theresa Münch und Sabrina Szameitat, dpa
, Donnerstag, 05. Februar 2026
Blockbuster und Serien sollen wieder in Deutschland gedreht werden - das möchte die Regierung durch eine Investitionspflicht erreichen. Welche Folgen das haben könnte.
Netflix, Amazon Prime, Disney+ und die großen Fernsehsender machen in Deutschland gute Geschäfte. Jetzt sollen die Anbieter verpflichtet werden, im Gegenzug auch Geld in europäische Produktionen zu stecken - idealerweise in deutsche. Union und SPD einigten sich nach Angaben aus dem Kanzleramt auf eine gesetzliche Mindestinvestitionsquote. Zugleich soll es die Möglichkeit geben, mehr zu investieren und dafür von bestimmten Regeln abweichen zu dürfen.
Warum die Regierung das für nötig hält
Die Bundesregierung sieht die deutsche Filmbranche tief in der Krise. In großen Studios wie etwa in Babelsberg oder bei der Bavaria fehlten zuletzt die Aufträge, große Filme und Serien wurden anderswo gedreht - wie zum Beispiel der Netflix-Film «Im Westen nichts Neues» in Tschechien.
Staatliche Fördergelder allein reichen nach Ansicht der Regierung nicht aus, um den deutschen Standort attraktiver zu machen. Deshalb sollen nun private Gelder mobilisiert werden. Im Koalitionsvertrag haben sich CDU, CSU und SPD vorgenommen: «Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit des Filmstandorts Deutschland durch eine zeitnahe Reform der Filmförderung verbessern, bestehend aus einem steuerlichen Anreizsystem sowie einer Investitionsverpflichtung.»
Welche Quoten nun gelten sollen
Die Vorgaben sollen alle größeren Anbieter auf dem deutschen Markt betreffen, also nicht nur Netflix und andere Streamingdienste, sondern auch Fernsehsender wie RTL, ProSieben/Sat1 und auch die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF.
Sie müssen künftig mindestens 8 Prozent des jährlichen Nettoumsatzes in europäische Produktionen stecken. Zusätzlich soll es Mindestquoten zum Beispiel für deutschsprachige Produktionen und Vorgaben für die Rechteteilung geben. Wer freiwillig 12 Prozent oder mehr investiert, kann Sonderregelungen bekommen. Dann könnten die Anbieter zum Beispiel zwar in Deutschland, aber auf Englisch drehen.
Generell kann die Bundesregierung aus europarechtlichen Gründen keine Investitionen ausschließlich in Deutschland vorschreiben, sondern nur in Europa. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) ist trotzdem sicher: «Diese Einigung hilft dem Standort Deutschland.» Sie sichere Aufträge für die deutsche Filmwirtschaft, ohne unverhältnismäßig in die Geschäftsmodelle der Streamer und Sender einzugreifen.
Was das für Zuschauer bedeutet
Die Investitionsverpflichtung soll vor allem die deutsche Filmwirtschaft stärken und Arbeitsplätze in Studios, Technik und kreativen Berufen sichern. Weimer sieht darin die «Grundlage für einen neuen Boom der Film- und Serienproduktion made in Germany».