Start ohne Party: Nach Eklat eröffnet die Venedig-Biennale
Autor: Ulf Mauder und Martina Herzog, dpa
, Samstag, 09. Mai 2026
Eine Jury gibt es nicht, die große Feier fällt aus - und Preise gibt es erst im November. Die 61. Kunstbiennale in Venedig ist schon vor dem offiziellen Beginn beschädigt.
Nach all dem Ärger um die Teilnahme Russlands und Israels startet die 61. Kunstbiennale in Venedig ohne Zeremoniell. Wenn eine der wichtigsten internationalen Kunstveranstaltungen um 11 Uhr ihre Tore für ein breites Publikum öffnet, geschieht das ohne Eröffnungsfeier. Da die Jury im Streit zurückgetreten ist, wird es Preise erst zum Abschluss im November geben, dann vergeben durch das Publikum.
Kulturminister: Putin hat gewonnen
«Bei der Biennale hat Putin gewonnen», meint Italiens Kulturminister Alessandro Giuli bitter. Hätte Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco die Regierung vor irgendeiner Zusage über Russlands Teilnahmewunsch informiert, dann hätte man das als Verhandlungsmasse nutzen können – vielleicht für eine Waffenruhe in der Ukraine, sagte er der italienischen Zeitung «Corriere della sera». Das sehen nicht alle so: Italiens rechter Vize-Regierungschef Matteo Salvini warnt vor Zensur.
Buttafuoco reagiert mit Unverständnis auf seine Kritiker, beklagt Intoleranz und Zensurvorwürfe. Die Biennale sei kein Gericht. «Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört», sagte er.
Russischer Pavillon bleibt geschlossen
Russland, das heute den Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg feiert, sieht die erste Teilnahme seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt «Der Baum ist im Himmel verwurzelt».
Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, ab heute für ein breites Publikum geschlossen. Besucher sehen aber draußen die Installation auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, sagt die umstrittene Kuratorin Anastassija Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals.
Pussy Riot: «Kunst ist niemals neutral»
Kritiker verurteilen die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus «hybrider Kriegsführung». Während Russland töte, öffne die Biennale ihre Türen für Kremlchef Wladimir Putins Funktionäre und Propagandisten, sagt Nadja Tolokonnikowa, Frontfrau der in Russland verbotenen Punkband Pussy Riot.
Die Biennale hätte nach ihrer Darstellung von «Putins Regime» verfolgte russische Künstler einladen können. «Kunst ist niemals neutral», betonte sie bei einer Protestaktion am Pavillon gemeinsam mit ukrainischen Aktivistinnen der Gruppe Femen.