"Wünsche das niemandem": Johann Lafer fühlt sich seit Steuerskandal "nicht mehr massenkompatibel"
Autor: Franziska Wenzlick
, Dienstag, 28. April 2026
Zehn Jahre sind vergangen, seit Johann Lafer wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Im Podcast "Zwischen den Zeilen" spricht der Star-Koch nun darüber, wie sehr sich sein Leben seither verändert hat.
Sie wolle "auf eine etwas dunklere Stelle" in Johann Lafers Laufbahn zurückblicken, eröffnet Bettina Böttinger ihrem Gast. In der aktuellen Ausgabe ihres Podcasts "Zwischen den Zeilen" spricht die Journalistin mit dem TV-Koch über dessen Steuerverfahren im Jahr 2015.
Die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung habe sein "Leben komplett verändert", sagt Johann Lafer. Er sei "heute nicht mehr massenkompatibel", findet der Gastronom gar. Das scheint Böttinger anders zu sehen: Sie habe "nicht beobachten können, dass in der Öffentlichkeit dein Ruf wirklich ruiniert war", erklärt die Moderatorin ihrem Gegenüber. "Nein, gar nicht. Du bist heute wahnsinnig beliebt!" Sie wolle "bezweifeln", dass Lafer nicht mehr "massentauglich" sei.
"Ich bin sehr viel für mich alleine. Das will ich damit sagen", präzisiert Lafer. Zudem sei er "niemand mehr, der irgendwie auch spricht über gewisse Inhalte", sagt der 68-jährige Österreicher auch in Bezug auf den damaligen öffentlichen Diskurs. Der Grund: "Man hat keine Chance, sich mal wirklich dagegen zu wehren, beziehungsweise: Man kann sich auch nicht rechtfertigen. Je mehr man sagt, desto schlimmer wird das Ganze."
Johann Lafer würde "heute niemals mehr Geschäftsführer sein wollen"
Lafer erklärt weiter: "Das hat uns, meine Frau und meine Familie und natürlich auch mich, persönlich sehr viel Kraft gekostet. Ich wünsche das niemandem." Aus heutiger Sicht würde er "nie mehr ansatzweise Dinge machen, bei denen ich nicht sicher bin, dass ich alles regulieren kann, also dass ich das auch im Griff habe".
Zudem, stellt der ehemalige Sternekoch klar, würde er "heute niemals mehr Geschäftsführer sein wollen" oder "bei so einem großen Betrieb die Verantwortung übernehmen". Es sei "so komplex", erklärt Lafer: "Das ist heute so ein Aufwand in Deutschland mit der Bürokratie, und dann noch alles mit so vielen einzelnen Facetten korrekt zu machen - das ist schon eine große Aufgabe. Und das haben wir damals nicht richtig gemacht."
Ohnehin habe Lafer dem stressigen Berufsalltag als Gastronom den Rücken gekehrt. Er habe "so viele Jahrzehnte damit verbracht, Tag und Nacht", sagt er. "Ich habe es geliebt." Allein: "Wenn man ein Hotel und Restaurants hat, dann ist das wirklich eine Höchstverantwortung in allen Bereichen." Er sei nicht zuletzt aufgrund seines Alters zu dem Schluss gekommen: "Irgendwann ist auch genug."
Quelle: teleschau – der mediendienst