William Shatner: Darum zerbrach seine Freundschaft mit Leonard Nimoy
Autor: Stefan Weber
, Freitag, 20. März 2026
William Shatner kann mit 95 auf eine einzigartige Karriere zurückblicken. Eines jedoch bereut er bis heute: Ein Streit mit Leonard Nimoy beendete die jahrzehntelange Freundschaft der beiden "Star Trek"-Stars.
Über Jahrzehnte bildeten sie ein ungleiches, aber doch aufeinander angewiesenes Paar - zunächst im Fernsehen, dann in zahlreichen Kinofilmen: Seit "Raumschiff Enterprise" 1966 seine TV-Premiere feierte, konnte nichts James T. Kirk und Spock trennen - nicht einmal der zwischenzeitliche Tod des Vulkaniers in "Star Trek II - Der Zorn des Khan" (1982). Und nicht nur ihre Figuren, auch ihre beiden Darsteller, William Shatner und Leonard Nimoy, verband eine jahrzehntelange Freundschaft - die allerdings in einem ungelösten Streit endete. Bis heute bedauert Shatner, der am 22. März seinen 95. Geburtstag feiert, dass er und Nimoy sich vor dessen Tod nicht mehr versöhnten.
Dass die beiden überhaupt Freunde wurden, lag sicher auch an ihrem ähnlichen Lebensweg. Beide wurden im März 1931 im Abstand von wenigen Tagen geboren, stammten aus ähnlichen Verhältnissen und verfolgten früh den Wunsch, Schauspieler zu werden. Ihr erstes Aufeinandertreffen fand sogar noch vor "Raumschiff Enterprise" statt, beide hatten 1965 eine Rolle in einer Folge der Geheimagenten-Serie "Solo für O.N.C.E.L.". Auch wenn sich keiner der beiden an dieses Ereignis erinnern konnte. Während der dreijährigen Laufzeit der Science-Fiction-Serie entwickelten Shatner und Nimoy eine enge Freundschaft. Diese setzte sich über Jahrzehnte fort - bei Fan-Conventions ebenso wie in insgesamt sechs Kinofilmen.
Shatner filmte Nimoy ohne dessen Erlaubnis
Wie konnte diese Freundschaft zerbrechen? In seiner 2022 erschienenen Autobiografie "Boldly Go: Reflections On A Life Of Awe And Wonder" macht Shatner die Dreharbeiten zu seiner Dokumentation "The Captains" (2012) dafür verantwortlich. Für den Film befragte "Captain Kirk" sämtliche "Kollegen" aus dem "Star Trek"-Universum nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen.
Die einzige Person, die Shatner nicht dazu bewegen konnte, in der Dokumentation mitzuwirken, war Leonard Nimoy. Laut Shatner nannte sein langjähriger Freund keinen Grund für seine Ablehnung: "Ich dachte, er mache Witze", sagte Shatner. "Es war doch nur eine Kleinigkeit." Anstatt seinem Wunsch nachzukommen, filmte Shatners Kameramann Nimoy heimlich bei einem Auftritt auf einer Convention. Das von ihm aufgenommene Material wurde in der Dokumentation verwendet - ohne Nimoys Erlaubnis. Obwohl Shatner es für eine Kleinigkeit hielt, sah Nimoy das anders. Die beiden sprachen danach nie wieder miteinander.
Shatner versuchte nach eigenen Angaben mehrfach, die Beziehung zu reparieren. Seine Kontaktversuche blieben jedoch erfolglos. Ein letzter Brief an Nimoy enthielt die Worte: "Ich habe dich zutiefst geliebt, Leonard - deinen Charakter, deine Moral, deinen Gerechtigkeitssinn, deine künstlerische Ader. Du bist der Freund, den ich am längsten und am tiefsten kenne." Eine Antwort erhielt er nicht. Auch öffentlich wurde die Distanz sichtbar. In einem TV-Interview mit Piers Morgan sagte Nimoy 2014 auf die Frage, ob er Shatner gesehen habe: "Schon eine Weile nicht mehr ... wir haben diese Art von Beziehung nicht mehr. Früher hatten wir sie."
Keine Versöhnung vor Nimoys Tod
In seiner Autobiografie bringt Shatner zusätzlich Nimoys gesundheitliche Situation ins Spiel. Er spekuliert, dass dessen Lungenerkrankung zu seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben und aus persönlichen Kontakten beigetragen haben könnte. Eine eindeutige Klärung des Zerwürfnisses blieb jedoch aus. Leonard Nimoy starb am 27. Februar 2015 an den Folgen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).
In seinem Buch "Leonard: My Fifty-Year Friendship with a Remarkable Man" erklärte Shatner, wie sehr er es bedauere, "dass Leonard und ich uns in den letzten Jahren seines Lebens nicht mehr so nah standen wie früher". Es sei einfach "herzzerreißend" und "etwas, worüber ich mir immer wieder Gedanken machen und das ich für immer bedauern werde". Einen kleinen Trost gab es jedoch, wie Shatner in seiner Autobiografie schreibt. Nach Nimoys Tod habe sich seine Tochter Julie bei ihm gemeldet: "'Er hat dich wirklich geliebt.' Und das hat mich zu Tränen gerührt."