Was macht eigentlich Basketball-Bad-Boy Dennis Rodman?
Autor: Wilhelm Flemmer
, Dienstag, 12. Mai 2026
Dennis Rodman war ein begnadeter Basketballspieler, doch größere Schlagzeilen als mit seinen tollen Rebounds schrieb er mit seiner exzessiven Lebensführung. Nun wird der Bad Boy des Basketballs 65.
Er ist ein Mensch, bei dem einem laufend Allgemeinplätze einfallen. Dennis Rodman - einerseits dieser begnadete Basketballspieler, ein Perfektionist, ein Denker des Sports und von vielen als bester Rebounder aller Zeiten gepriesen. Dann die andere Seite: "in Bad Boy, der abseits des Spielfelds auf der Überholspur raste, mit modischen Extravaganzen von sich reden machte, mit exzessivem Partyleben und unzähligen Frauengeschichten. Rodman überzeugte auf dem Basketball-Platz durch Disziplin, Beobachtung und Berechnung, auf der Spielwiese des Lebens trieb es so unberechenbar wild, dass man bald darauf wettete, dass er die 40 nicht erleben werde. Aber er erlebte die 40. Er wurde sogar 50 und dann 60. Und nun feiert der Paradiesvogel unter den Basketballlegenden seinen 65. Geburtstag.
Den Dennis Rodman, den alle Welt kennt, den schrillen Vogel mit den bunten Haaren, den unzähligen Tatoos auf seiner Körperleinwand und den Piercings in den einzelnen Körperteilen - diesen Dennis Rodman gibt es erst seit 1993. Damals war seine große Zeit bei den Detroit Pistons gerade vorbei, sodass sich der einst gefeierte Rebounder erst in einer Sinnkrise fand, dann verzweifelt auf einem Parkplatz vor dem Pistons-Stadium in Auburn Hill. Im Wagen lief Musik von Pearl Jam und auf seinem Schoß lag ein Gewehr, mit dem er sich das Leben nehmen wollte. Er schoss aber nicht auf sich, sondern verbarrikadierte sich bald darauf wochenlang in seiner Wohnung. "Als ich aus meinem Haus herauskam", sagte er in einem Interview mit dem Magazin "GQ", "kam der neue Dennis zum Vorschein."
Der Dennis Rodman, wie wir ihn kennen
Der neue Dennis fand mit den San Antonio Spurs einen neuen Verein, doch mit Disziplin und Ordnung war es nun vorbei, im Sport wie im Leben. Im Sport war er nun der Berserker, der regelmäßig aus dem Spiel genommen wurde, weil er sich mit den Schiris anlegte. Und auch im Leben ging er jetzt auf abseitigen Wegen. Er färbte sich Haare und Körper bunt, und gesellschaftlichen Umgang pflegte er nun mit Menschen, die frei und mutig zu leben wagten. Weil er das auch für sich wünschte, zu leben ohne Filter und ohne sich zu verbiegen, deswegen und nicht weil er selbst schwul war, begann er in San Antonio, in Schwulenclubs zu gehen. "Wenn man mit Leuten aus der schwulen Community spricht, mit jemandem, der Drag macht oder so etwas, dann sind die so verdammt glücklich", sagte er. "Sie versuchen nicht, etwas zu beweisen, sie leben einfach ihr Leben."
Nein, schwul war Dennis Rodman nicht, auch nicht der neue Dennis Rodman. Davon Zeugen schon seine unzähligen Affären und Bettgeschichten. Mit rund 2.000 Frauen habe er in seinem Leben geschlafen, sagte er einmal, als er übrigens noch jünger war. Und wenn er so etwas sagte, dann klang immer auch ein wenig Stolz mit. So wie in diesem Satz: "Gib mir eine Viertelstunde, und ich habe eine fantastische Frau." Klar, dass er auch bei den "fantastischen" prominenten Vertreterinnen ihres Geschlechts nichts anbrennen ließ. Rodman werden Affären mit Sharon Stone, Anna Nicole Smith und "Baywatch"-Nixe Pamela Anderson nachgesagt. Mit der anderen Nixe der Kultserie, Carmen Electra, bandelte er etwas fester an, die beiden waren sogar verheiratet, 146 Tage lang. Und dann gab es da noch Pop-Queen Madonna, die ihm, wie er erzählte, 20 Millionen US-Dollar geboten haben soll, damit er sie schwängere.
Vieles mehr ließe sich aus dem wilden Leben Dennis Rodmans erzählen. Über seine Alkoholeskapaden, seine Konflikte mit dem Gesetz, auch wegen häuslicher Gewalt. Oder darüber, wie er Ende der 90er-Jahre einen Ausflug zum Wrestling machte und seine Gegner - wie passend - als "Bad Boy" verdrosch. Oder wie er sich auf einmal, nun in den 2010-ern, als politischen Vermittler zwischen seiner Heimat USA und Nordkorea sah und in dieser Eigenschaft den nordkoreanischen Diktator besuchte, den er als "guten Freund" bezeichnete. Nein, nicht nur "Bad Boy", weit jenseits von Gut und Böse bewegte sich Dennis Rodman in all diesen wilden Jahren. Rodmans Spurs-Mitspieler David Robinson brachte diese Phase und sein Verhalten einmal sehr treffend auf den Punkt: "Warum musst du die ganze Zeit den Teufel spielen?"
Zeit der Reue und Wiedergutmachung
Den Teufel spielte Rodman, wohl gemerkt, vor allem nach seiner "Wiedergeburt" 1993. Bis dahin war er, der Sohn eines Mannes, der die Familie verließ, als Dennis drei war, und einer Mutter, ihn als jungen Mann zweimal aus dem Haus warf, ein ganz anderer Mensch. Und der Kontrast ist umso größer, wenn man auf den Sportler Rodman schaut. Zu einem der besten Reboundern des Basketballs schaffte er es nicht durch Wildheit, auch nicht nur durch Talent, Instinkt und Genie. Sondern vor allem dank harter Arbeit, Disziplin und akribischen Studiums des Spiels und von Spielgegnern. "Larry Bird, Magic Johnson, James Worthy, all diese legendären Typen. Ich musste mich damit vertraut machen, wie sie spielen, also musste ich da sitzen und mich konzentrieren, konzentrieren, konzentrieren". sagte er zu "GQ".
Rodman war als Basketballer, und das ist im Nachhinein kaum zu glauben, der "ruhige, unerbittliche Arbeiter", wie "GQ schrieb, als der er seine Mannschaften zu großen Erfolgen verhalf. Mit den Pistons errang er zwei NBA-Meisterschaften, 1989 und 1990. Nach zwei erfolglosen Spielzeiten für San Antonio Spurs ging er 1995 zu den Chicago Bulls, mit denen er drei weitere Titel holte. Wem die Bulls die Erfolge vor allem verdankten, darüber hatte es keinen Zweifel gegeben. Auch nicht bei Rodman, dem begnadeten Verteidiger und Rebounder, der 2011 in die Basketball Hall of Fame aufgenommen wurde, "Du hast den größten Basketballspieler der Welt", sagt er und meinte Michael Jordan, "dann hast du den zweitgrößten mit Scottie Pippen, und schließlich den Teufel."