Warum Angelina Jolie für "Lara Croft" regelmäßig Drogentests machen musste
Autor: Wilhelm Flemmer
, Montag, 15. Juni 2026
Vor 25 Jahren erschien mit "Lara Croft: Tomb Raider" ein Film in die Kinos, der Angelina Jolie endgültig alle Toren in Hollywood öffnete. Umgekehrt verhalf der damals aufstrebende Star dem Film zu einem riesigen Erfolgen. Dabei war Jolie das größte Sorgenkind der Produktion.
Über die schauspielerische Leistung Angelina Jolies in "Lara Croft: Tomb Raider" (2001) lässt sich trefflich streiten. Viele waren und sind der Ansicht, die damals frisch gebackene Oscar-Preisträgerin - Jolie erhielt den Preis ein Jahr zuvor für ihre Nebenrolle in "Durchgeknallt" - schauspiele in der Videospieladaption eigentlich nicht, sie sei nur vor der Kamera präsent. Wie auch immer man ihre Leistung einschätzt: Zweifellos war der Film, der vor 25 Jahren in die Kinos kam, ein kräftiger weiterer Schubs für Jolie bei ihrem Aufstieg zu einem der größten Hollywoodstars ihrer Generation. Bis es aber so weit war, musste die aufstrebende Schauspielerin einen schweren - und ungewöhnlichen - Stein aus dem Weg räumen, um die Titelrolle zu bekommen.
Denn Jolie hatte die Strippenzieher hinter "Lara Croft" nicht nur von ihrer schauspielerischen Eignung zu überzeugen, sondern auch von ihrer charakterlichen Festigkeit. Um Letztere war es in den jungen Jahren der Schauspielerin nicht zum Besten bestellt. Der Tochter von Jon Voight war ihr schlechter Ruf vorausgeeilt. Berichte hier und Gerüchte dort hatten die Runde gemacht, dass Jolie eifrig Drogen konsumiere, Kokain, LSD und sogar Heroin, einst ihre "Lieblingsdroge", wie sie in den 1990er-Jahren bekannt hatte. Hinzu kamen psychische Probleme, die sich in Schlaflosigkeit, Depressionen und Selbstverletzungen äußerten und in dem Wunsch gipfelten, sich das Leben zu nehmen. Angeblich hatte Jolie einmal einen Auftragsmörder angeheuert, damit er sie zu töte.
Alles Probleme, die sie zu einem beträchtlichen Risiko für eine Filmproduktion machten. Entsprechend groß waren Bedenken und Sorgen auch bei Sherry Lansing, damals Chefin von Paramount Pictures, des Filmstudios hinter "Lara Croft". Sorgen und Bedenken, die von Jolies Vater und der Schauspielerin Jane Fonda, einer engen Freundin der Familie, noch verstärkt wurden, wie in dem 2017 veröffentlichten Buch "Leading Lady: Sherry Lansing and the Making of a Hollywood Groundbreaker" nachzulesen ist, einer Biografie über die erste Studiochefin Hollywoods. Demnach sollen Voight und Fonda Lansing vor der Besetzung Jolies eindringlich gewarnt haben, indem sie auf die extreme psychische Zerbrechlichkeit der Schauspielerin hingewiesen hatten.
Jolie wollte für die Rolle "alles tun"
Lansing konnte die Warnungen nicht ignorieren, leichtfertig auf Jolie als Zugpferd einer Mammut-Produktion verzichten wollte sie aber auch nicht. Sie sei "über die Maßen schön" gewesen, soll Lansing laut "Leading Lady" von Autor Stephen Galloway gesagt haben. Auch erkannte sie in der Schauspielerin, als sie sie Anfang 2000 - noch vor deren Oscar-Gewinn - getroffen hatte, eine "intelligente" und "starke" Persönlichkeit. Alles Argumente also, die für Jolie sprachen, trotz allem, und gegen die anderen Kandidatinnen für die Hauptrolle, von denen es immerhin nicht wenige gab, darunter Stars wie Jennifer Lopez, Elizabeth Hurley, Sandra Bullock, Catherine Zeta-Jones, Demi Moore und Neve Campbell.
Verunsichert, aber doch auf Jolie als Hauptdarstellerin hoffend, schickte Lansing Simon West, den Regisseur von "Lara Croft: Tomb Raider", nach Mexiko, wo Jolie gerade für den Thriller "Original Sin" vor der Kamera stand. Dort hatte West eine Schauspielerin angetroffen, die die Rolle in der Videospiel-Adaption unbedingt haben wollte und dafür alle Bedingungen des Studios zu akzeptieren bereit war. Und dazu gehörten eben auch die Drogentests, denen sie sich regelmäßig unterziehen sollte. West erinnerte sich: "Sie sagte: 'Ich will das unbedingt machen, aber ich weiß, welchen Ruf ich habe, und ich werde alles tun, was ihr wollt, um zu beweisen, dass ich es wert bin. Ich werde zuverlässig sein, ich werde da sein und ich werde hart arbeiten."
Mit diesem Unterpfand begannen die Verhandlungen um die Besetzung Jolies, dann die Dreharbeiten und schließlich die Drogentests mittels Blut- und Urinproben. Und die hatte Jolie allesamt bestanden - auch zur Erleichterung von Regisseur West, den man aber ohnehin nicht lange von Jolie überzeugen musste. In der Pro- und Kontra-Abwägung betrachte West gerade die - sagen wir: dunkle Seite im Wesen der Schauspielerin als Punkt, der für sie einnahm. Immerhin galt es, eine Frau darzustellen, die mit dem Verlust ihres Vaters einen tragischem biografischen Hintergrund hatte. "Komischerweise war genau das eines meiner Argumente", sagt West laut Galloways Buch. "Dieser zwielichtige und gefährliche Aspekt ihres Rufs hat der Figur sogar geholfen."
Quelle: teleschau – der mediendienst