TV-Köchin und Ex-Politikerin: Was macht eigentlich Sarah Wiener?
Autor: Stefan Weber
, Dienstag, 20. Oktober 2026
Sie kochte für Filmcrews, wurde die bekannteste Fernsehköchin im deutschen Fernsehen und zog ins Europaparlament ein. Inzwischen setzt Sarah Wiener aber andere Prioritäten in ihrem Leben.
Der Abschied von der großen Politik fiel ihr nicht allzu schwer. Sie freue sich, wieder mehr Zeit für ihre Stiftung zu haben und selbst zu kochen, sagte Sarah Wiener 2024 der "Apotheken Umschau". Am meisten freue sie sich aber darauf, "Zeit mit meiner vierjährigen Enkelin zu verbringen und mit ihr irgendwann auf Bäume zu klettern". Und Zeit für Fernsehauftritte hat die 64-Jährige auch wieder: Bei "Der Quiz-Champion - Das Österreich-Deutschland-Special" (Mittwoch, 21. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) tritt die deutsch-österreichische Fernsehköchin gemeinsam mit ihrem Kollegen Nelson Müller als Expertin im Bereich "Ernährung" an.
Als Sarah Wiener 2019 als Parteilose für die österreichischen Grünen ins Europaparlament einzog, wollte sie dort endlich mitgestalten, wofür sie sich seit Jahren einsetzte: Tier- und Naturschutz. Im Umweltausschuss verhandelte sie ein Gesetz zur Pestizidreduktion und organisierte dafür eine stabile Mehrheit. Doch der Entwurf schaffte es nicht durchs Parlament, es sei eine "ernüchternde Erfahrung" gewesen, so Wiener. Rechte und rechtsradikale Parteien hätten vor der Endabstimmung Hunderte Änderungsanträge gestellt und das Gesetz "regelrecht massakriert", sagte sie der "Apotheken Umschau". 2024 trat sie nicht mehr zur Europawahl an.
Von der Küchenhilfe zur Unternehmerin
Die Welt der Politik in Brüssel sei ihr zunächst ohnehin fremd gewesen: "Ich bin keine Intellektuelle, sondern Praktikerin. Von heute auf morgen zehn Stunden am Tag zu sitzen, zuzuhören, Gesetzestexte zu verstehen, zu verbessern, zu verteidigen und am Ende des Tages zehn neue Themen auf dem Tisch zu haben: Das war am Anfang anstrengend."
Dabei scheute Wiener harte Arbeit nie: In Halle in Westfalen geboren, wuchs sie nach der Scheidung ihrer Eltern bei der Mutter, einer Künstlerin, in Wien auf. Mit 16 brach sie die Schule ab und trampte durch Italien, Frankreich und Deutschland. Mit 24 bekam sie ihren Sohn Artur und zog nach Berlin zu ihrem Vater, dem Schriftsteller Oswald Wiener. In dessen Restaurant "Exil" arbeitete sie als Küchenhilfe und lernte das Kochen.
1990 nahm sie einen Kredit auf und gründete ein Catering-Unternehmen. Mit einer mobilen Küche in einem ausrangierten Lastwagen der Nationalen Volksarmee bekochte sie Filmcrews, zunächst im Inland, später auch im Ausland. Am meisten gezittert habe sie vor dieser ersten Selbstständigkeit, sagte sie der "Apotheken Umschau". 1999 eröffnete sie ihr erstes Restaurant in Berlin-Mitte, aus dem Ein-Frau-Betrieb wurde eine Firma mit rund 100 Mitarbeitern. Bundesweit bekannt wurde sie durch die ARD-Doku-Soap "Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus", es folgten Auftritte etwa in "Kochen bei Kerner". 2007 bekam sie mit "Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener" auf ARTE ihre erste eigene Kochsendung.
Mit ihrer Stiftung hat Wiener "noch viel zu tun"
Im selben Jahr gründete sie die "Sarah-Wiener-Stiftung", die Kinder an gesunde Ernährung heranführt und ihnen zeigt, woher Lebensmittel kommen. 2015 übernahm sie den rund 800 Hektar großen Biobetrieb Gut Kerkow, der zum Vorzeigeprojekt für Bio-Fleisch mit eigener Hofschlachtung wurde. Nach dem Abschied aus Brüssel widmet sie sich wieder stärker ihrer Stiftung: "Wer nicht weiß, mit welch einfachen Techniken er ein köstliches Essen zaubern kann, muss sich ein Leben lang fremdfüttern lassen. Wer nicht weiß, wie man gesund essen kann, hat ein erhöhtes Risiko, krank zu werden. Da ist noch viel zu tun."
Zudem merke Sarah Wiener, dass sie inzwischen andere Schwerpunkte im Leben setzen will: Im April 2025 starb ihre Mutter, die zuletzt schwer an Demenz erkrankt war. Sie habe festgestellt, "dass das Leben ziemlich kurz ist", sagte sie im "Bunte"-Interview: "Wenn du darüber nachdenkst, kommen Gedanken wie: Wer bist du? Was willst du? Lebst du das Leben, das du dir vorstellst?" Ihre Antwort darauf: Zeit mit den Menschen verbringen, die ihr wichtig sind, und Dinge tun, die einen Mehrwert für die Gesellschaft haben.