Stefanie Giesinger über Modelbusiness: "Ich habe Angst, irrelevant zu werden"
Autor: Teleschau
, Freitag, 08. Mai 2026
Zwischen "einseitigen" Körperbildern und "besorgniserregenden" Schönheitsidealen: In einem Interview hat Stefanie Giesinger sehr deutliche Kritik am Modelgeschäft geäußert. Außerdem teilte die 29-Jährige sehr persönliche Ängste.
Seit ihrem Sieg bei "Germany's Next Topmodel" 2014 gehört Stefanie Giesinger zu den bekanntesten deutschen Models. Doch auch abseits der Laufstege hat sich die 29-Jährige längst etabliert, ob als Influencerin oder Podcasterin. Dabei stellte Giesinger auch unter Beweis, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Immer wieder sprach sie offen über psychische Probleme, Schönheitsideale und den Druck im Modelbusiness.
Frei von der Leber teilt das Model nun auch im Interview mit der "Vogue" ihre Sorgen. "Ich habe Angst, irrelevant zu werden", gibt die gebürtige Kaiserslautererin zu. Je älter man als Model werde, desto größer sei die Sorge vor Zurückweisung, so Giesinger: "Ich glaube schon, dass unsere Branche, die sehr sexistisch ist, ihren Teil dazu beiträgt, dass diese Angst entsteht." Daraus habe Giesinger für sich den Schluss gezogen, "weniger das zu machen, was andere von mir wollen oder erwarten, und mehr auf mein Bauchgefühl zu hören".
"Von echter Vielfalt sind wir also noch ein gutes Stück entfernt"
Konkret bedeute das für ihren Arbeitsalltag weniger Social Media und mehr "klassisches Model", erklärte Stefanie Giesinger gegenüber der "Vogue". Auch ihr Podcast "G Spot" sei ihr sehr wichtig und funktioniere als Sprachrohr für Feminismus. "Ich denke, wir sind nicht wütend genug - wir sollten alle lauter sein", forderte die 29-Jährige in diesem Zusammenhang. "Ich bin keine Werbefläche ohne Inhalt mehr, sondern eine Person mit Haltung."
Zudem kritisierte Giesinger eine Entwicklung in der Modelbranche, die sie seit kurzem beobachte. "Auf der einen Seite wird Diversität nach außen hin stark kommuniziert - auf der anderen Seite sieht man in der Praxis, gerade auf den großen Runways, oft wieder sehr einseitige Körperbilder", bemerkte das Model. Weil sich strukturell nichts verändere, gehe es bei vielen Kolleginnen "leider um Hungern, um das Ausbleiben der Periode und um einen ständigen Kampf mit dem eigenen Körperbild".
"Besorgniserregend" finde Giesinger zudem das aktuell vorherrschende Schönheitsideal in der westlichen Welt. "Es wird ein Bild von Weiblichkeit vermittelt, das sehr jugendliche, fast kindliche Züge trägt", merkte sie kritisch an. Auch Inklusivität sei oft ein leeres Versprechen. Für Giesinger steht fest: "Von echter Vielfalt sind wir also noch ein gutes Stück entfernt."
Quelle: teleschau – der mediendienst