Schauspielerin Romina Küper: "In Schubladen zu denken, ist auch eine Form von Sexismus"
Autor: Teleschau
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Romina Küper ist das neue Gesicht beim "Kroatien-Krimi". Im Interview zu ihrem ersten Einsatz als Kommissarin Valessa Matković schildert sie, warum Sexismus noch immer ein omnipräsentes Problem in unserer Gesellschaft ist.
"In Schubladen zu denken, ist auch eine Form von Sexismus", findet Romina Küper, die Neue im "Kroatien-Krimi" der ARD. Als Schauspielerin versuche sie, dieser Tendenz entgegenzuwirken, indem sie "weibliche Figuren kraftvoll verkörpere", wie sie im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau erklärt. Als Beispiel nennt sie eine vergangene Krimi-Rolle: "Im Rahmen von 'Polizeiruf 110' in Rostock habe ich beispielsweise eine sehr tussige Figur anders angelegt", erinnert sie sich: "Damit überrasche ich auch meine männlichen Kollegen, denn in diesem Moment reflektieren sie, dass sie von mir etwas anderes erwartet hatten. Ich wirke auf den ersten Blick vielleicht schüchtern, aber dann zeige ich, dass ich es faustdick hinter den Ohren habe." Sie findet: "Wir Frauen dürfen die Männer ruhig etwas herausfordern."
Sexismus begegne Frauen jedoch nicht nur am Filmset: "Es beginnt damit, dass wir Frauen uns morgens die Frage stellen: 'Habe ich heute Lust, sichtbar zu sein? Möchte ich mit dieser Art von Aufmerksamkeit konfrontiert werden?", erklärt sie: "Und es geht weiter, wenn mir ein Mann ins Wort fällt und sich somit über mich stellt."
"Wir machen uns selbst schwach"
Küper habe sich angewöhnt, in solchen Fällen genau hinzuschauen: "Wo projizieren andere etwas auf mich, und wo bin ich tatsächlich gemeint?" So könne sie sich auch selbst kennenlernen: "Denn wir Frauen tragen oft auch internalisierten Sexismus in uns. Das kommt nicht nur von außen. Themen wie Essstörungen oder der Druck, extrem dünn zu sein, zeigen das. Wir machen uns selbst schwach. Diese Mechanismen zu erkennen und zu sehen, in welche Muster man selbst gerät, ist meiner Meinung nach entscheidend, um sich davon abzugrenzen."
Der Druck, einem Schönheitsideal zu entsprechen, verstärke sich nicht zuletzt durch Social Media. "Ich bemühe mich, einen gesunden Umgang mit der Situation zu finden und eine Frau zu sein, mit der sich andere identifizieren können. Ich feiere muskulöse, sportliche Frauen. Ich setze mich dafür ein, dass neben dem Ideal 'groß und dünn' auch andere Körperbilder sichtbar werden."
"Gerade junge Filmschaffende wollen komplexere Frauenfiguren erzählen"
Mit Blick auf die Filmbranche wünscht sich die Schauspielerin mehr Frauen hinter der Kamera: "Nur so können wir hinter der Kamera die Realität abbilden, die wir vor der Kamera erzählen. Alle Sparten und Bereiche der Branche müssen noch vielfältiger besetzt sein." Verglichen mit frühere Generationen habe sich aber schon viel verändert, räumt die 34-Jährige ein: "Früher wurden viele Filme von Männern gemacht. Zwar gab es immer schon Produzentinnen und queere Filmschaffende, doch heute rückt das stärker in den Mainstream." Die junge Generation habe andere Ansprüche an Geschichten: "Gerade junge Filmschaffende wollen komplexere Frauenfiguren erzählen: mit Ecken und Kanten, nicht nur als Sympathieträgerinnen oder Objekte der Begierde."
Eine Frauenfigur mit Ecken und Kanten ist auch die Kommissarin Valessa Matković, die Romina Küper ab sofort an der Seite von Chefermittlerin Stascha Novak (Jasmin Gerat) in der beliebten Reihe "Der Kroatien-Krimi" verkörpert. Der erste Film "Der Kroatien-Krimi: Mord am Jadro" ist am Donnerstag, 7. Mai, um 20.15 Uhr, im Ersten zu sehen. Ein zwieter Film unter dem Titel "Der Kroatien-Krimi: Gefahr in Verzug" läuft am Donnerstag, 14. Mai, um 20.15 Uhr. Beide Filme stehen bereits in der ARD Mediathek zum Abruf bereit.
Quelle: teleschau – der mediendienst