Als scharfzüngige Teilnehmerin im Dschungelcamp wurde Désirée Nick zur Reality-TV-Ikone. Doch die Karriere des Berliner Multitalents, das am 30. September ihren 70. Geburtstag feiert, begann schon viel früher.
Geburtstag feiern? "Das ist was für Kinder", erklärte Désirée Nick jüngst im Interview mit der "Märkischen Allgemeinen". "Gucken Sie auf Schauspieler an Staatstheatern, Musiker in der Philharmonie - Sie glauben doch nicht, dass irgendein ernstzunehmender Profi sagt: 'Ich komme aber nicht, weil ich Geburtstag habe.'" Deswegen steht Désirée Nick an ihrem Ehrentag auf der Bühne. Im Berliner Wintergarten läuft bis zum 4. Oktober ihre Show "Reflection", am 30. September feiert das Multitalent seinen 70. Geburtstag.
Heute gilt Nick als Reality-TV-Ikone, dabei ist das höchstens die halbe Wahrheit. Als die gebürtige Berlinerin Ende 2004 wie eine verbale Urgewalt ins RTL-Dschungelcamp einzog und deutschlandweit bekannt wurde, war sie schon 48 und hatte bereits ein ganzes Berufsleben hinter sich.
Durchbruch im Dschungel
Nick wächst als Tochter eines Lebensmittelgroßhändlers und der Schauspielerin Ursula Rollwage in Charlottenburg auf und besucht die Katholische Schule St. Franziskus. Die spätere Skandalnudel ist dort keine: "Da war ich sehr schüchtern und sehr still." Ihre Ausbildung ist im besten Sinne "klassisch": Von 1965 bis 1975 lässt sie sich zur Balletttänzerin ausbilden und tanzt an der Deutschen Oper Berlin und der Bayerischen Staatsoper in München. In München studiert sie im Fernstudium katholische Theologie fürs Lehramt und unterrichtet einige Jahre. Dann geht sie nach London, arbeitet als Innenausstatterin und absolviert bis 1987 eine Schauspielausbildung am Actors' Institute.
Zurück in Berlin, macht Nick ab 1993 als provokante Kabarettistin auf sich aufmerksam. 1995 folgt in Rosa von Praunheims "Neurosia" die erste Filmrolle. Ende 2004 nimmt sie an der zweiten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" teil. Ihre schrille Diva-Inszenierung und ihre spitze Zunge polarisieren, bringen ihr aber eine große Fangemeinde ein, die sie schließlich auch zur Dschungelkönigin wählt. Auch als Autorin feiert sie große Erfolge. "Eva go home!", ihre direkte Antwort auf Eva Hermans "Das Eva-Prinzip", verkauft sich mehr als 300.000-mal. Ganz Deutschland kannte Nick nun. Nur ein Geheimnis kannten die wenigsten.
Eine Liebe im Verborgenen
Über zwei Jahrzehnte lang war Nick die Geliebte von Heinrich Prinz von Hannover. In London hatte sich aus der Freundschaft ab 1994 eine Beziehung entwickelt, die konsequent geheim blieb, auch nachdem 1996 der gemeinsame Sohn Oscar zur Welt kam. Nick zog ihn allein groß. 1999 heiratete der Prinz standesgemäß, aber nicht sie. Mit seiner Frau bekam er drei Kinder, die Affäre mit Nick ging weiter. "Dass man verheiratet ist, ist ja im Hochadel kein Grund, die Mätresse zur linken Hand aufzugeben", sagte sie der "Bild"-Zeitung.
Heinrich wollte die Vaterschaft abstreiten, Nick klagte, mehrfach. "Ich musste die Alimente und Geburtsurkunde erstreiten." Die Liaison, von ihr zunächst "harmonische Liebesbeziehung" genannt, später "toxisch", lief trotzdem weiter. Er sei privat immer liebevoll gewesen, berichtete sie: "Er hat mir gesagt, dass er mich liebt - und mich verklagt." Das Prozessieren gegenüber seiner Ehefrau sei sein Alibi gewesen.
Der Kontakt zum Kindsvater lief lange hauptsächlich über Gerichte. Die Beziehung endete unschön, brachte Nick aber die Liebe ihres Lebens: Oscar. "Mein Sohn ist ein Prinz aus dem Bilderbuch", sagte sie in einem Interview.