Pop-Superstar der 60er-Jahre: Was macht eigentlich Esther Ofarim?
Autor: Stefan Weber
, Freitag, 12. Juni 2026
Mit dem Duo Esther & Abi Ofarim hatte sie zahlreiche Hits und füllte Konzertsäle rund um den Globus, dennoch sich die israelische Sängerin auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs zurück. Doch auch mit 85 ist Esther Ofarims Liebe zur Musik noch ungebrochen.
Am 13. Juni feiert sie ihren 85. Geburtstag, 2023 stand sie zum bislang letzten Mal auf der Bühne: Damals spielte Esther Ofarim zusammen mit dem israelischen Sänger Jehoram Gaon Konzerte in Israel. Schon einige Jahre zuvor hatte sie in einem Interview erklärt, wie dankbar sie ist, immer noch auftreten zu können: "Ich bin froh und glücklich, dass ich doch mit Musik zu tun gehabt habe und noch habe." Das schien in ihrer außergewöhnlichen Karriere nicht immer so zu sein: Mit ihrem Ex-Mann Abi Ofarim bildete sie eines der erfolgreichsten Musikduos der 1960er-Jahre, füllte Konzerthallen rund um den Globus und landete internationale Hits - danach entzog sich Esther Ofarim dem Rampenlicht aber auch immer wieder ganz bewusst.
Ohnehin war die Sängerin nicht der Traumberuf der gebürtigen Israelin: "Die Wahrheit ist, dass ich Schauspielerin werden wollte", erinnerte sich Ofarim 2021 in einem seltenen Interview mit dem israelischen Nachrichtenportal "ynet". Schon als Jugendliche stand sie in Haifa auf der Bühne. Mit 14 Jahren spielte sie in einer Jugendtheatergruppe, später im Theaterklub des israelischen Nationaltheaters Habimah. Dort lernte sie Abi Ofarim kennen, der dort als Tänzer und Choreograf engagiert war, die beiden heirateten 1961.
Ofarim belegte Platz zwei beim ESC - mochte den Wettbewerb aber nicht
Nach kleineren Rollen in den Kinofilmen "Exodus" und "Brennender Sand" (beide 1960) führte sie ihr Weg aber zur Musik. Anfang der 1960er-Jahre nahm sie an Lieder-Wettbewerben teil und vertrat 1963 die Schweiz beim Eurovision Song Contest mit "T'en va pas". An die Veranstaltung erinnert sie sich bis heute mit bemerkenswerter Offenheit. "Es hat mir überhaupt nicht gefallen, es ist so dumm und ich mag solche Wettbewerbe nicht", sagte sie über den ESC, bei dem sie immerhin den zweiten Platz belegte. Der Auftritt wurde zum Karrieresprungbrett: "Ich wurde eingeladen, in London und Paris aufzutreten, und so wurde ich in ganz Europa berühmt."
Kurz darauf begann die große Zeit von Esther & Abi Ofarim. Das Ehepaar wurde zu einem internationalen Phänomen. Mit Folk- und Pop-Songs wie dem von den Bee Gees komponierten "Morning Of My Life" und "Cinderella Rockefella" feierten die beiden vor allem auch in Deutschland riesige Erfolge. Allein 1965 absolvierte das Duo 45 Konzerte in 32 Städten. Millionen Schallplatten wurden verkauft.
Auch ihr Sohn aus zweiter Ehe ist Musiker
Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Das Leben bestand aus einem Leben in Hotels, Tourneen und ständigen Ortswechseln. Jahre später erinnerte sich Ofarim daran, dass sie morgens oft nicht wusste, "wo sie gerade war und warum". Auf dem Höhepunkt des Erfolgs zerbrach die Beziehung. Nach einer Welttournee trennten sich Esther und Abi Ofarim 1970. Die Ehe hielt neun Jahre. Anders als viele ihrer Kollegen nutzte Esther Ofarim den Ruhm nicht für eine rastlose Solokarriere. Zwar feierte sie Anfang der 1970er-Jahre mit ihrem ersten Soloalbum noch einmal Erfolge, doch später zog sie sich zunehmend zurück.
1982 heiratete sie den späteren Filmproduzenten Philipp von Sell, als ein Jahr der gemeinsame Sohn David geboren wurde, verschob sich ihr Leben. "Ich habe meine Karriere nicht aufgegeben, als David geboren wurde", sagte sie zwar rückblickend. Dennoch rückte die Familie stärker in den Mittelpunkt. Über ihren Sohn aus zweiter Ehe, die Anfang der 90er-Jahre in die Brüche ging, spricht sie bis heute mit besonderem Stolz. "Wir reden jede Nacht und es gibt eine tiefe, warme und liebevolle Bindung zwischen uns." Inzwischen arbeitet auch David als Musiker in den USA. "Ich finde ihn großartig und sehr talentiert."
Ofarim: Singen ist ein "Gefühl des Fliegens"
Ende der 1980er-Jahre zog Esther Ofarim nach Deutschland. Auslöser war ihre gefeierte Rolle als Chaja in Joshua Sobols Theaterstück "Ghetto", das in Berlin und Hamburg große Erfolge feierte. Seitdem lebt sie in Hamburg. Eine eindeutige Heimat hat sie dort allerdings nie gefunden. "Wenn man das daran misst, wo mein Supermarkt, meine Ärzte, die Bank und der Steuerberater sitzen, dann ist mein Zuhause eigentlich Hamburg", sagte sie einmal. Aber ob in Tel Aviv, Paris, München oder Hamburg, sie fühle "überall als Touristin", so Ofarim: "Den wirklichen Heimatboden suche ich mir selbst, und diesen physischen Boden kann ich überall auf der Welt finden."