Nach einem Leben auf der Überholspur: Was macht eigentlich Nick Nolte?
Autor: Wilhelm Flemmer
, Freitag, 06. Februar 2026
Nick Nolte gehörte zu den Wilden in Hollywood. Er drehte großartige Filme, erlebte aber auch künstlerische und persönliche Abstürze. Heute steht der Schauspieler wieder fest auf den Beinen. Nun feiert er seinen 85. Geburtstag.
Dass er langweilig ist, das kann man von ihm wirklich nicht sagen. Nick Nolte ist als Schauspieler so vielseitig, wie man es nur sein kann, und auch als Mensch hat er die Welt, in seinen jüngeren Jahren zumindest, mal verzaubert, mal in Atem gehalten, immer aber fasziniert in seiner Nichtangepasstheit und Wildheit. Auch damit - oder trotzdem? - hat er es weit gebracht, dieser Hollywood-Star von Weltformat. Am 8. Februar feiert Nolte nun seinen 85. Geburtstag.
Seine Karriere als Filmschauspieler begann Nolte während der kurzen New-Hollywood-Phase, doch es war eine Fernsehserie, "Im wilden Westen", bei der er zum ersten Mal vor der Kamera stand. Erfahrung hatte er da schon als Bühnendarsteller gesammelt. Beim Fernsehen blieb er erstmal. 1974 war er in einer Folge von "Die Straßen von San Francisco" zu sehen, in jener Serie, die Michael Douglas eine Anstellung in der Traumfabrik ermöglichte.
Wollte man den Film ausmachen, mit dem Nolte seinen eigenen Durchbruch hatte, dann wäre das "Dreckige Hunde" (1977), ein genauso schonungsloser wie spannender Antikriegsfilm von Karel Reisz ("Samstagnacht bis Sonntagmorgen"), dem zwar kein finanzieller Erfolg beschieden war, der aber den Machern und vor allem dem Hauptdarsteller Nolte viel Kritikerlob einbrachte. "Herausragend", hieß es, sei Nolte gewesen in der Rolle eines Vietnam-Veteranen, der sich als Drogenschmuggler hergibt.
Viele glänzende Rollen
Noltes Aufstieg war rasant, und in den 1980-ern half er sogar mit, ein Genre aus der Taufe zu heben. Mit Walter Hill als Regisseur und Eddie Murphy als Kollege drehte er 1982 "Nur 48 Stunden", in dem Action, Komödie und das immer effektvolle Buddy-Motiv gemischt waren. Danach sah man sie immer wieder im Kino: Hitzköpfe, die widerwillig im Kampf gegen das Böse zusammenarbeiten und am Ende doch Buddys werden. Hill war Meister in diesem Fach, 1988 drehte er mit Arnold Schwarzenegger und James Belushi "Red Heat" und zwei Jahre später noch einmal mit Nolte und Murphy "Und wieder 48 Stunden".
In den 1990-ern liegt der Höhepunkt von Noltes Karriere, keine Frage. Große Filme drehte er in dieser Zeit mit großen Regisseuren. Mit Martin Scorsese den Psycho-Thriller "Kap der Angst" (1991), mit Robert Altman die Hollywood-Satire "The Player" (1992), mit George Miller das Drama "Lorenzos Öl" (1992), mit James Ivory die Filmbiografie "Jefferson in Paris" (1995), mit Oliver Stone den Thriller "U-Turn - Kein Weg zurück" (1997), mit Terrence Malick das Kriegsepos "Der schmale Grad" (1998).
Zu seinem wohl differenziertesten Spiel verhalf ihm allerdings eine Frau. In Barbra Streisands hochgelobter Regiearbeit "Herr der Gezeiten" (1991) erspielte sich Nolte mit der Rolle eines traumatisierten Football-Trainers, der sich in seiner Psychotherapeutin verliebt, seine erste von drei Oscar-Nominierungen. In dem Jahr hatte er mit Robert De Niro ("Kap der Angst"), Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") und Warren Beatty ("Bugsy") um den Preis konkurriert. Der Filmkritiker Michael Althen war sicher: Die drei hätten gegen Nolte "keine Chance". Am Ende setzte sich aber doch Hopkins durch.
Schattenseiten des "sexiest Man"
In jener Zeit blühte Nolte auch als Mann ganz auf, er galt gar als Sexsymbol, was ihm das Magazin "People" 1992 mit dem Titel "sexiest man alive" attestierte. Doch die Zeit hat seither tiefe Spuren auf seinem Körper hinterlassen - und Nolte half mit seinem Lebenswandel kräftig mit. Indem er ein Leben auf der Überholspur führte und vor allem: indem er viel rauchte und noch mehr trank. Zu viel trank. Spätestens 2002, als er wegen Autofahrens unter Betäubungsmittel-Einfluss verhaftet wurde, war nicht mehr zu übersehen, dass er ein Alkohol- und Drogenproblem hatte.