Der berühmte Schauspieler Mario Adorf ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Seine vielseitigen Rollen und Auszeichnungen machten ihn zu einer Ikone des deutschen Kinos.
Schauspieler Mario Adorf ist tot. Wie sein Management und die Filmagentur Reinholz der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilten, starb Adorf am Mittwoch, 8. April 2026, im Alter von 95 Jahren. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Er sei nach kurzer Krankheit eingeschlafen, hieß es in einer Mitteilung.
Demnach verstarb die seit mehr als 70 Jahren aktive Schauspiel-Legende in ihrer Wohnung in Paris. Zuerst hatte die Bild berichtet. "Das Management von Mario Adorf, Michael Stark, sowie die Filmagentur Reinholz teilen Bild mit, dass Mario Adorf im Alter von 95 Jahren am 8. April 2026 verstorben ist. Er ist nach kurzer Krankheit am Mittwochvormittag in seiner Wohnung in Paris eingeschlafen", hieß es bei der Boulevardzeitung.
Mario Adorf im Alter von 95 Jahren gestorben: Abschied von einer deutschen Schauspiel-Legende
Seinem langjährigen Manager Michael Stark, der ihn erst kürzlich besuchte, habe Mario Adorf mit auf den Weg gegeben, dass er sich bei seinem Publikum für die jahrelange Treue bedanke, so die Bild weiter. Demnach habe Adorf es zeitlebens als Privileg empfunden, in seinen über 200 Film- und Fernsehrollen unterschiedliche Charaktere verkörpern zu können. Er gehörte zu den großen deutschen Film- und Fernsehstars der Nachkriegsgeschichte. In nicht weniger als acht Jahrzehnten war er auf der Leinwand und auf dem Bildschirm zu sehen.
Geboren wurde Adorf am 8. September 1930 in Zürich als Sohn einer deutschen Röntgenassistentin aus der Eifel und eines italienischen Chirurgen aus Kalabrien. Er wuchs bei seiner alleinerziehenden Mutter im Eifelstädtchen Mayen in Rheinland-Pfalz auf, eine Schauspielkarriere zeichnete sich in seiner Jugend zunächst nicht ab, so die dpa. Während andere am Schultheater spielten, gab Adorf den Klassenclown. Nach dem Abitur studierte er zunächst Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz und Zürich, bevor er seine akademische Laufbahn abbrach, um an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München Schauspiel zu studieren.
Seine ersten filmischen Gehversuche unternahm er 1954 im Fernsehfilm "Meuterei auf der Caine" (1954) und der Kriegsfilm-Trilogie "08/15". Seinen Durchbruch erlebte Adorf 1957 mit der Hauptrolle in Robert Siodmaks zeitkritischem Film "Nachts, wenn der Teufel kam", in dem er einen angeblichen Serienmörder verkörperte. Die beeindruckende Leistung brachte ihm laut seiner offiziellen Website den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsschauspieler ein – die erste von zahllosen Auszeichnungen seiner Karriere. Allerdings führte diese Rolle auch dazu, dass er in den folgenden Jahren häufig als Bösewicht und finsterer Charakter besetzt wurde.
Meistgehasster Winnetou-Bösewicht und Filmpreis-Träger
Das traf auch auf eine seiner bekanntesten und prägendsten frühen Rollen zu: 1963 spielte er in der Karl-May-Verfilmung "Winnetou I" den mörderischen Banditen Frederick Santer. Der Film war nach "Der Schatz der Silbersee" der zweite Karl-May-Film und wie der erste ein Riesenerfolg. Als bösartiger Gegenspieler, der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss, zog Adorf besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Rolle des Schurken Santer machte ihn bei den Karl-May-Fans zur meistgehassten Figur der Serie – ein Beweis für seine überzeugende schauspielerische Leistung. Über 50 Jahre später, 2016, sollte Adorf für die RTL-Neuverfilmung "Winnetou" erneut in die Prärie zurückkehren, diesmal in der Rolle des Vaters des Bösewichts Santer.
Zur Zeit der Entstehung des Winnetou-Films war Adorf nach Italien gezogen und hatte begonnen, sich als einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler mit echter internationaler Bekanntheit zu etablieren. Ab den frühen 1960er Jahren arbeitete er mit Regie-Größen wie Sam Peckinpah, Billy Wilder, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder zusammen. Besonders in den 1970er und 1980er Jahren feierte Adorf große Erfolge im deutschen Autorenkino. Für seine Rolle in Fassbinders "Lola" (1981) erhielt er das Filmband in Silber beim Deutschen Filmpreis. Hochgelobt wurde er darüber hinaus für seine Darbietungen in "Der Tod trägt schwarzes Leder" (1974), "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) und „Die Blechtrommel“ (1979).
Seine Kunst bestand darin, Schurken, Mafiosi und hinterhältige Patriarchen so menschlich darzustellen, dass sich das Publikum oft auf die Seite des "Bösen" schlug. Auch im Fernsehen wurde er zur Ikone, etwa durch die Kultserie "Kir Royal" (1986), in der er den zynischen Boulevardjournalisten Baby Schimmerlos verkörperte. Ebenfalls im Jahr 1986 spielte Adorf in der Michael-Ende-Verfilmung "Momo" den Chef der grauen Männer. Zudem war er in den bekannten Mini-Serien "Prinzessin Fantaghirò" (1991/92) und "Der große Bellheim" (1993) zu sehen.
Die bekanntesten Filme von Mario Adorf
Neben seiner Schauspielkarriere betätigte sich Adorf auch als Autor und Hörspielsprecher. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter Autobiografien und Romane wie "Der Mäusetöter" und "Himmel und Erde", die tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt geben. Mario Adorf lebte zuletzt mit seiner französischen Ehefrau Monique Faye in Paris und Saint-Tropez.
Im Laufe seiner über 70-jährigen Karriere spielte Mario Adorf in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Seine schauspielerischen Leistungen wurden mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter der Bambi (1978 als "Beliebtester Schauspieler des Jahres"), der Deutsche Filmpreis, die Goldene Kamera, der Adolf-Grimme-Preis und das Bundesverdienstkreuz. Adorf ist zudem Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie und Initiator der Nibelungenfestspiele Worms.
Kino-Klassiker:
1957 – Nachts, wenn der Teufel kam (Regie: Robert Siodmak)
1963 – Winnetou I (Regie: Harald Reinl)
1964 – Major Dundee (Regie: Sam Peckinpah)
1975 – Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Regie: Volker Schlöndorff)
1978 – Fedora (Regie: Billy Wilder)
1979 – Die Blechtrommel (Regie: Volker Schlöndorff, Oscar-prämiert)
1990 – Stille Tage in Clichy (Regie: Claude Chabrol)
1996 – Rossini (Regie: Helmut Dietl)
1997 – Smilla's Sense of Snow (Regie: Bille August)
Fernsehen:
1986 – Kir Royal (Regie: Helmut Dietl)
1991 – Der große Bellheim (Regie: Dieter Wedel)
1994 – Der Schattenmann (Regie: Dieter Wedel)
2002 – Die Affäre Semmeling (Regie: Dieter Wedel)
2014 – Altersglühen – Speed Dating für Senioren (Regie: Jan Georg Schütte)
2016 – Winnetou (Regie: Philipp Stölzl)
2018 – Karl Marx – der deutsche Prophet (Regie: Christian Twente)
Im September 2025 hatte Adorf seinen 95. Geburtstag gefeiert. Immer an seiner Seite sei dabei, der dpa zufolge seine Frau Monique Faye gewesen, mit der er viel Zeit in ihrer Heimat in Südfrankreich verbrachte. Schöne Erinnerungen hatte der Schauspieler zudem an Italien, die Heimat seines Vaters. Adorf lebte dort viele Jahre und drehte Filme. Die Agentur zitiert ihn mit den Worten: "Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen."