Legendäre Komikerin: Sie war die erste Stimme von Marge Simpson
Autor: Wilhelm Flemmer
, Freitag, 13. März 2026
Heute kennt man Marge Simpson mit der Stimme von Anke Engelke. Doch es war Elisabeth Volkmann, die die deutsche Version der berühmten Zeichentrick-Figur zuerst prägte. Am 16. März wäre die Schauspielerin und "Komödiantensau" 90 Jahre alt geworden.
Vor Anke Engelke war Elisabeth Volkmann. Das gerät schon mal in Vergessenheit, vor allem bei jüngeren Zuschauern von "Die Simpsons": Engelke war nicht von Anfang an die Stimme von Marge Simpson aus der Kultserie, sondern Volkmann hatte der beliebten Zeichentrick-Figur in der deutschen Fassung zuerst Leben eingehaucht - und sie damit genauso geprägt, wie es ihre Nachfolgerin bis heute tut.
Mit den "Simpsons" schaffte Volkmann, die am 16. März ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte, Anfang der 1990er-Jahre ihren nächsten Durchbruch, wenn man so will. Denn die Karriere der Schauspielerin, Komikerin und Synchronsprecherin hatte bis dahin bereits einige Stationen durchlaufen. Schon als Kind soll sie ihre Familie mit kleineren Darbietungen unterhalten haben. Später, als junge Frau, verdiente sie sich ihre Brötchen als Komparsin am Theater. Eine Ausbildung an der renommierten Folkwangschule in Essen, ihrer Geburtstadt, festigte das Fundament für eine Gesangs- und Schauspielkarriere.
Volkmanns Vater starb, als sie zehn Jahre alt war, weshalb ihr Berufswunsch, nämlich auf der Bühne zu stehen, zunächst nur gegen den Willen der Mutter prallte. Vor allem, dass Elsbeth, wie sie in der Familie genannt wurde, Opernsängerin werden wollte, machte die Mama skeptisch. "Du und Sängerin - dafür hasse ja gar keine Busen!", soll die ältere Volkmann laut der jüngeren gesagt haben.
Zusammenarbeit mit Fassbinder
Dass sie "keine Busen" hat, störte manchen Filmemacher offenbar nicht. Nach ersten kleineren Rollen Anfang der 1960er-Jahre wirkte Volkmann 1968 in dem Erotikstreifen "Zieh dich aus, Puppe" mit. Rund 20 weitere folgten, in denen junge Mädchen mal ihr Dirndl, mal ihr Höschen auszogen, oder es hier und da mal juckte. Immerhin: Manches Schmuddelwerk hatte auch erzieherische Absicht, so wie die "Hausfrauen"-, "Ehemänner"-, "Schüler"- und andere "Report"-Filme.
Für "Klimbim" war Volkmanns Skandal- und Erotik-Image durchaus ein Gewinn. Es passte zu der Rolle, die sie in der Sketch-Sendung von 1973 bis 1970 spielte: die Lebefrau Jolante Klimbim, die - immer dick geschminkt und lasziv in Mieder gekleidet - allzu gerne Jagd auf das Sexualobjekt Mann machte. "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - und einen Kerl nicht vor dem Morgen", solche und ähnliche Sprüche saßen Jolanthe locker auf der Zunge.
Die Sendung war frivol, sie war freizügig, sie schockierte - und sie war extrem erfolgreich. Bis zu 17 Millionen Zuschauer schauten bei jeder Folge zu. Darunter sicher auch Kult-Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der die Volkmann in den 1980er-Jahren in gleich drei seiner Filme besetzte, "Lili Marleen", "Lola", "Die Sehnsucht der Veronika Voss". Es war ein Fach- und ein Imagewechsel. Aus der Ulk- und Skandalnudel wurde eine ernstzunehmende Schauspielerin.
Die ewige "Komödiantensau"
Doch das Unerste, das Komödiantische, das Spitzzüngige lag Volkmann zu sehr am Herzen, um davon Abstand zu nehmen. "Ich bin eine Komödiantensau: Wenn es mir schlecht geht, sorge ich im Theater für die größten Lacher", sagte sie. Auch deshalb kehrte sie am Ende ihrer Karriere, nach etlichen Fernseharbeiten ("Die rote Meile", "Schloss Pompon Rouge"), zu ihrer großen Paraderolle zurück.