Clueso plädiert für anderen Umgang mit AfD-Wählern: "Nicht nur immer irgendwie draufhauen"
Autor: Franziska Wenzlick
, Mittwoch, 24. Juni 2026
In der Vergangenheit positionierte sich Clueso immer wieder gegen die AfD - so auch in einem neuen Interview. Gleichzeitig sprach sich der in Thüringen lebende Sänger dafür aus, im Dialog zu bleiben.
"Was mit der AfD passiert - das zerreißt ganze Stammtische. Und ich finde es furchtbar", sagt Clueso mit Blick auf seine Heimatstadt Erfurt. Im "Der Spiegel live"-Gespräch im Rahmen des Hurricane-Festivals drückte der Musiker nun sein Bedauern darüber aus, dass "wir verpasst haben, mit vielen Leuten zu kommunizieren".
Clueso, dessen bürgerlicher Name Thomas Hübner lautet, plädierte für einen differenzierten Umgang mit der AfD-Wählerschaft: "Wir müssen versuchen, die Leute abzuholen, die wir noch abholen können. Und nicht nur immer irgendwie draufhauen." Ein solches Vorgehen sei "ein bisschen zu simpel".
"Wir müssen versuchen, mit denen zu reden"
Dahinter stecke "nicht mal was Politisches, sondern was Menschliches", mahnte der in der DDR geborene Sänger: "Wir müssen versuchen, mit denen zu reden, die abzuholen." Diesbezüglich seien in den vergangenen Jahren viele Chancen nicht wahrgenommen worden: "Wir haben viel in Talkshows nach der Wende Lager gebildet. Wie wir das so gerne machen: Der eine war dafür, der andere dagegen. Aber es gibt viel dazwischen. Viele Zwischenräume, die wir nicht besprechen."
Hinsichtlich des in Kürze stattfindenden AfD-Parteitags in Erfurt zeigte sich Clueso skeptisch - nicht zuletzt, weil Einsatzkräfte ob der schieren Masse an Menschen überfordert sein könnten: Es seien Gegendemos geplant, er selbst trete am selben Tag in der Stadt auf, zudem werde ein Fußballspiel ausgetragen. "Ich habe gedacht: Das wird 'Braveheart'. Was ist denn los mit euch?"
Er selbst plane, die Gegendemonstration zu besuchen, sofern es ihm vor oder nach seinem eigenen Konzert möglich sei. "Ich war viel auf Demos in Erfurt, als es auch losging mit den radikalen Parteien", erzählt er. Erkannt werden wolle er bei derartigen Veranstaltungen nicht unbedingt: "Da habe ich dann eher die Kapuze aufgezogen. Ich wollte nicht, dass das über die Marke läuft, sondern, dass ich einer von vielen bin."
Quelle: teleschau – der mediendienst