Sommer-Blockbuster: Was passiert da mit dem Kino?
Autor: Sabine Glaubitz, dpa
, Sonntag, 14. Juni 2026
Blockbuster wie Christopher Nolans «Die Odyssee» oder Steven Spielbergs «Disclosure Day» brechen Rekorde – noch bevor sie überhaupt zu sehen sind. Doch der Hype ist kein Zufall.
Noch hat niemand Christopher Nolans «Die Odyssee» gesehen. Und auch der neue Spider-Man erscheint erst in einigen Wochen in den Kinos. Trotzdem haben diese Filme bereits Millionen Zuschauer – ebenso wie Steven Spielbergs «Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit», der Anfang Juni angelaufen ist und dessen Trailer im Vorfeld millionenfach angeklickt wurde.
Für Nolans Verfilmung von Homers Epos, die in diesem Juli in die Kinos kommt, kauften Fans ihre Tickets ein Jahr im Voraus – viele, ohne auch nur eine einzige Szene gesehen zu haben. Als die begehrten IMAX-70mm-Vorführungen, ein besonders aufwendiges Kinoformat mit enormer Bildfläche und außergewöhnlicher Schärfe, in den Verkauf gingen, waren ganze Vorstellungen innerhalb weniger Stunden ausverkauft.
Vorab-Hype
Spielbergs «Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit» zeigt die Anziehungskraft eines Regisseurs, der das moderne Blockbuster-Kino einst mit erschaffen hat. Der finale Trailer wurde laut Branchenblättern binnen weniger Tage millionenfach angeklickt. Und beim neuen «Spider-Man: Brand New Day» von Destin Daniel Cretton erreichte die Begeisterung noch einmal eine andere Dimension: Die ersten Bilder wurden nach Angaben von «Variety» innerhalb weniger Tage mehr als eine Milliarde Mal auf digitalen Plattformen angesehen.
Zu den Blockbuster-Favoriten gehört auch das für August angekündigte Endzeitdrama «Das Ende der Sterne» von Ridley Scott. Noch fehlt der Social-Media-Hype - was nicht zwingend gegen ihn als Sommer-Blockbuster spricht.
Nicht jeder Blockbuster wird als Blockbuster geboren
Auch «Titanic» oder «Top Gun: Maverick» galten vor ihrem Start nicht als sichere Phänomene. Erst begeisterte Zuschauer, Mundpropaganda und immer neue Besucher verwandelten sie in die Filme ihrer Generation.
Die Gemeinsamkeit der Filme ist nicht nur ihr Budget, ihre renommierten Regisseure, ihre Stars oder ihre Spezialeffekte. Sie sollen Menschen ins Kino locken – in einer Zeit, in der Filme jederzeit zu Hause verfügbar sind.
Vom «Weißen Hai» zur Blockbuster-Ära
Dabei schien die Zukunft des Kinos längst entschieden. Seit Jahrzehnten wird sein Ende vorhergesagt: erst durch das Fernsehen, dann durch die Videokassette, später durch DVDs und schließlich durch die Streamingplattformen. Warum das Haus verlassen, wenn Filme jederzeit verfügbar sind?