«Sinners»-Effekte: Deutsche auf Oscar-Kurs
Autor: Barbara Munker, dpa
, Donnerstag, 12. März 2026
Aus dem Schwarzwald nach Hollywood, aus Dessau nach Australien: zwei deutsche Spezialisten für visuelle Effekte sind für den Oscar-Favoriten «Blood & Sinners» nominiert. Können sie «Avatar» schlagen?
Ein lauter Aufschrei morgens um 5.42 Uhr - diesen «wahnsinnigen» Moment, als er am 22. Januar von seiner Oscar-Nominierung erfuhr, hat Michael Ralla in einem Video auf Instagram verewigt. Mit Ehefrau Janelle und Hund FlipFlop springt er frühmorgens im kalifornischen Manhattan Beach auf dem Sofa hoch.
Nicht nur für den aus Achern im Schwarzwald stammenden Visual Effects Supervisor ist die Verkündung der Oscar-Nominierungen ein sensationeller Moment. Der Film «Sinners» (deutscher Titel: «Blood & Sinners»), für den der 46-jährige Ingenieur die visuellen Effekte schuf, hat mit 16 Gewinnchancen einen Oscar-Rekord aufgestellt.
Favorit bei den Oscars
Das musikalische Vampir-Südstaatendrama von US-Regisseur Ryan Coogler, mit dem Ralla schon bei «Black Panther: Wakanda Forever» zusammenarbeitete, ist der große Favorit bei den 98. Academy Awards.
Kurz vor der Oscar-Verleihung wirkt der Wahlkalifornier Ralla ganz entspannt. Zwischen Interviews und Film-Events nimmt sich der zweifache Vater und begeisterte Surfer noch Zeit zum Wellenreiten - und sinniert über die Chancen, am Sonntag (MEZ Montag) den Visual-Effects-Oscar zu gewinnen. «Es ist ganz klar, wer der Platzhirsch ist», meint Ralla, aber es könnte auch eine «David-und-Goliath-Situation» sein.
In der Branche wird der Science-Fiction-Streifen «Avatar: Fire and Ash» als Gewinner hoch gehandelt, doch der bei Kritikern und Zuschauern beliebte Blockbuster «Sinners» ist in dieser Preissaison für Überraschungen gut.
Visuelle Effekte statt Musik
Ralla, der einst davon träumte, Schlagzeuger in einer Metal-Band zu werden, lernte sein Handwerk an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Nach Jobs in der deutschen Filmbranche und mehreren Jahren in Australien landete er 2010 in den USA und wirkte an Blockbustern wie «The Avengers», «Transformers» und «Pacific Rim» mit.
Von Coogler spricht Ralla in höchsten Tönen. «Ryan hat diese unglaubliche emotionale Intelligenz, die ich selten irgendwo gesehen habe.» Der Regisseur würde aus den Schauspielern und den Charakteren Unglaubliches herausholen - «das geht dir wirklich unter die Haut».