Ein Krokodil mit Pfeife und Schlangen in trübem Schnaps, daneben Pillen, Koks und Haschisch: Das ist kein verrückter Zoo oder ein Chemielabor, sondern eine Präsentation des Frankfurter Zolls. Der fährt so einiges zur Jahresbilanz - von kurios bis schockierend.
Grotesk, skurril, schockierend ist die Ausbeute des Frankfurter Zolls aus dem vergangenen Jahr. Besonders bizarr wirkt die Auslage, die Artenschutzverletzungen dokumentiert. Ein Pfeife rauchendes Mini-Krokodil sitzt da neben trübem Schnaps mit eingelegten Schlagen und einem ghanaischen Wildkatzen-Bettvorleger. Eher in die Kategorie "schockierend" fällt bei der Vorstellung der Bilanz 2010 am Mittwoch dagegen, was der Tisch mit den Rauschgiftfunden präsentiert: Illegal gemixte Tabletten, Ampullen und Tütchen in Hülle und Fülle.
Die Zahlen belegen, was der Drogentisch vermuten lässt: Die Rauschgiftkriminalität bildet nach wie vor den Schwerpunkt in der Arbeit der Fahnder.
Rund eine Tonne Drogen haben sie im Jahr 2010 allein am Frankfurter Flughafen einkassiert. Das sind 100 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Besorgniserregender Trend: "Die Einfuhr von nicht zugelassenen Arzneimitteln, insbesondere Dopingpräparaten, hat im Jahr 2010 drastisch zugenommen", sagte die Leiterin des Zollfahndungsamts Frankfurt, Pia Wiedemann.
Der größte Doping-Coup:
In einem Untergrund-Labor im Main-Kinzig-Kreis fanden die Beamten unter anderem 16,5 Kilogramm sogenannte Grundwirkstoffe, mit denen man Anabolika herstellen kann. Das Labor von zwei hessischen Dopingmixern entdeckten die Fahnder in einem Mehrfamilienhaus in Erlensee im März 2010. Seit 2007 hatten die Männer Dopingmittel im großen Stil hergestellt und europaweit verkauft.
Ähnlich erfolgreich waren die Ermittler in anderen Bereichen: Im Kampf gegen den internationalen Waffenschmuggel zogen die Beamten am Flughafen 25 halbautomatische Waffen, 17 Schrotflinten, 126 Revolver und 1289 Pistolen aus dem Verkehr. Auch die Zahl der Bargeldfunde stieg im Vergleich zum Jahr 2009: Die Beamten stellten mit 47,2 Millionen Euro rund 3 Millionen Euro mehr Bargeld sicher - unter anderem mit Hilfe eines speziell auf das Erschnüffeln von Scheinen abgerichteten Spürhundes.
Im Gedächtnis blieb den Fahndern vor allem ein Thailänder, der insgesamt 80.650 Euro Bargeld dabei hatte - verteilt auf diverse mehr oder weniger originelle Verstecke.
Sein von einem Beamten etwas voreilig entsorgter Schinken entpuppte sich als fleischige-Geldbörse. Das bemerkten die Beamten aber erst, als der Mann "lautstark den Verlust des Schinkens beklagte", wie Flughafenzoll-Leiter Ronald Mattausch sagte. Der Schinken war mit 10.000 Euro gespickt.
Auch die Schnaps-Schlangen und das Pfeife-Krokodil sind keine Einzelfälle:
836 Verstöße gegen das Artenschutzgesetz verzeichnete der Zoll an Deutschlands größtem Airport, rund 100 mehr als 2009. Darunter waren etwa 2700 lebende Tiere, auch zwei sehr seltene und geschützte Palmkakadus, die ihr krimineller Kurier in einer mit Holzkiste ausgestatteter Sporttasche transportierte.
Ein wichtiges Arbeitsgerät der Zollbeamten am Flughafen ist seit der Atom-Katastrophe in Japan auch der Geigerzähler: Die Ladung aller Flieger aus Japan wird nach der Landung auf einen Wagen gelegt, der an einem Strahlenmessgerät vorbeifährt. Es prüft das Gepäck auf Radioaktivität - bisher aber ohne Fund. dpa
