Grandseigneur des deutschen Films - Mario Adorf ist tot
Autor: Ute Wessels und Cordula Dieckmann, dpa
, Donnerstag, 09. April 2026
Er bleibt als Jahrhundertschauspieler in Erinnerung: Mario Adorf. Im Alter von 95 Jahren ist er jetzt in Paris gestorben. Ein Nachruf.
Bösewichte und Patriarchen spielte Mario Adorf oft und gern: Die einen lieben ihn für seinen Auftritt als protziger Fabrikant in der Kultserie «Kir Royal», andere kennen ihn als den Schurken Santer aus den Karl-May-Filmen. Mario Adorf hat schier unzählige Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Am Mittwoch ist die Schauspiellegende im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben, wie sein Management und seine Filmagentur der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.
Mario Adorf zählt zu den ganz Großen der Filmbranche. Er hat die Glanzzeiten des Kinos miterlebt, den Glamour genossen und ist bei allem Ruhm ein feiner, höflicher Mensch geblieben. Ein Gentleman, der das Leben genoss und die Menschen unterhielt. Vergangenen Herbst feierte der Schauspieler seinen 95. Geburtstag ohne Aufsehen «mit einem Abendessen mit wenigen Freundinnen und Freunden», wie er kurz zuvor der Deutschen Presse-Agentur verriet.
Dass er als Schauspieler Karriere machen würde, hatte sich in seiner Jugend noch nicht abgezeichnet. Der gebürtige Schweizer Adorf wuchs in dem Eifelstädtchen Mayen in Rheinland-Pfalz auf. Während andere am Schultheater spielten, gab er den Klassenclown. Nach dem Abitur zog es ihn dann aber zur Schauspielerei. Er studierte an der Otto-Falckenberg-Schule in München.
Berühmte Rollen
Sein Durchbruch vor der Kamera gelang ihm 1957 als Frauenmörder in Robert Siodmaks Krimi «Nachts, wenn der Teufel kam». Er spielte im oscarprämierten Film «Die Blechtrommel» (1979), in «Der große Bellheim» (1993) und in Helmut Dietls «Rossini» (1997). Legendär ist Adorfs Auftritt als fieser, rheinischer Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher in der ARD-Serie «Kir Royal» 1986 mit dem berühmten Zitat: «Isch scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld!»
Eine der Rollen, auf die er nach eigenen Worten am häufigsten angesprochen wurde, ist eine, die er eigentlich gar nicht spielen wollte: die des Santer, der Schurke, der Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss. In einem dpa-Interview im Herbst 2023 erinnerte sich Adorf amüsiert an die Zeit damals. Empörte Fans hätten ihn beschimpft. Sätze wie «Ich hasse Sie, weil Sie Nscho-tschi erschossen haben» habe er oft zu hören bekommen. Dabei habe er das Rollenangebot absagen wollen. Der Santer sei einfach nur böse, das habe ihn nicht interessiert. Dann habe er sich überreden lassen und die Rolle gespielt.
Demut und Bodenständigkeit
Seine Filmlaufbahn habe sich einfach gefügt. «Ich hatte Glück», sagte Adorf. «Meine Karriere war in dem Sinne bequem. Es war kein Kampf um Anerkennung.» Daher habe er keinen großen Ehrgeiz entwickelt. Er habe nie etwas angestrebt, auch nicht den Oscar. Er sei immer mit dem zufrieden gewesen, was er habe machen dürfen. «Mit einer gewissen Demut und einer Bodenständigkeit, so würde ich das beschreiben.»
Dass er einst eine Rolle in Billy Wilders «Eins, zwei, drei» absagte, bezeichnete er als Fehler. Damals sei er sogar ein wenig stolz darauf gewesen. Aber: «Das war natürlich eine Dummheit, das muss ich zugeben.»