Improvisationsgenie des Jazz: Sonny Rollins gestorben

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Sonny Rollins
Der Jazz-Saxofonist Sonny Rollins ist im Alter von 95 Jahren gestorben. (Archivbild)
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2011 wurde Sonny Rollins vom amerikanischen Kennedy Center geehrt, im selben Jahr wie etwa Schauspielerin Meryl Streep. (Archivbild)
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Sonny Rollins spielte mit allen Jazz-Legenden und legte dann eine gefeierte Solo-Karriere hin. (Archivbild)
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Sonny Rollins spielte mit Jazz-Legenden und legte eine gefeierte Solo-Karriere hin. Der Musiker galt als Saxofon-Genie und Improvisationskünstler. Jetzt ist Rollins im Alter von 95 Jahren gestorben.

Ob Charlie Parker, Thelonious Monk oder John Coltrane – Sonny Rollins hat mit allen Großen der Jazz-Szene zusammengespielt und außerdem noch eine erfolgreiche Solo-Karriere hingelegt. Der vielfach ausgezeichnete und perfektionistisch ehrgeizige Saxofonist sei schlicht «jeder vernünftigen Einschätzung nach ein Genie» gewesen, befand die «New York Times». 

Jetzt ist Rollins im Alter von 95 Jahren in seinem Zuhause in Woodstock im US-Bundesstaat New York gestorben, wie es in einem Post auf seiner offiziellen Facebook-Seite heißt. Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Wenn das Leben eines kreativen Menschen ende, setze es sich in der nächsten Existenz fort, zitierte Rollins' Agentin Terri Hinte den Musiker in einer von mehreren US-Medien verbreiteten Mitteilung: «Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass dieses Leben nicht alles bedeutet.»

Wegen Atemwegserkrankungen im Ruhestand

Lange war der Improvisationskünstler durch die Konzerthallen der Welt gezogen und hatte täglich stundenlang an seinem Instrument geübt. Dann zwangen ihn Atemwegserkrankungen in den Ruhestand. Eine «traumatische Erfahrung», die der sehr spirituell geprägte Rollins aber irgendwann akzeptierte. «Ich habe realisiert, dass ich lieber dankbar sein sollte dafür, dass ich mein ganzes Leben lang Musik machen konnte, als mich zu beschweren und zu weinen.»

Schon nach dem Tod seiner Ehefrau Lucille Pearson 2004 nach rund 45 gemeinsamen Ehejahren hatte Rollins angefangen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Er spendete sein Archiv dem New Yorker Schomburg Center, lebte alleine nördlich der Metropole und widmete sich hauptsächlich seiner Spiritualität. «"Glücklich" ist nicht das richtige Wort», sagte Rollins in dieser Zeit einmal der «New York Times». «Aber ich bin so zufrieden wie nie zuvor.»

Erst Klavier, dann Saxofon 

Geboren wurde der Sohn karibischer Eltern 1930 im New Yorker Stadtteil Harlem. Seine Laufbahn begann er mit elf Jahren am Klavier. Inspiriert von Coleman Hawkins entschied er sich als 16-Jähriger dann für das Instrument, auf dem er zum Meister wurde. «Als meine Mutter mir ein Saxofon gab, das war damals die Great Depression», erinnerte sich Rollins gegenüber dem Radiosender NPR. «Es hat eine Weile gedauert, bis ich sie überzeugen konnte, dass ich wirklich spielen will. Sie hat dann ein gebrauchtes Saxofon von meinem Onkel bekommen. Ich hatte dieses Instrument – ging in mein Zimmer, habe die Tür zugemacht und war im Himmel.»

Thelonious Monk wurde sein Freund und Mentor. Miles Davis, den Rollins in seinen Anfangsjahren in verschiedenen Gruppen begleitete, nannte ihn später «den größten Tenorsaxofonisten aller Zeiten». In Chicago schloss sich Rollins dem Quintett des Schlagzeugers Max Roach und Trompeters Clifford Brown an. Nach Browns Tod 1956 begründete er seine Solokarriere, spielte seitdem immer wieder mit anderen Begleitern und komponierte. Von seinen Aufnahmen gehören unter anderem «Oleo», «Doxy» und «St. Thomas» zum Jazzstandard. Rollins' Ton ist unverwechselbar – voll, robust, rau, zugleich aber subtil und nuanciert.

Anfänge von Drogen und Kriminalität geprägt

Dabei waren die Anfänge alles andere als einfach. Drogensucht, ein Raubüberfall, für den er zehn Monate hinter Gittern saß, und dann wegen eines Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen erneut ins Gefängnis kam. Danach ging Rollins auf Heroinentzug – und legte schließlich ein erfolgreiches Comeback hin. In dieser Zeit spielte er oft auf der Williamsburg Bridge über New Yorks East River gegen den Verkehrslärm an. Seine Comeback-Platte hieß entsprechend «The Bridge». Inzwischen gibt es sogar Bestrebungen von Fans, die Brücke nach ihm zu benennen – was Rollins selbst für ein wenig übertrieben hielt. «Ich habe doch nur nach einem Platz zum Üben gesucht. Ganz einfach. Punkt. Ende der Geschichte.»

Die Musik aber ließ Rollins bis zum Schluss nie los – und der Perfektionist war nicht mit sich zufrieden. «Ich habe mein Leben der Musik gewidmet – und ich habe sie nie dahin bekommen, wo ich sie haben wollte.»