Ahmed verarbeitet eigene Erfahrungen
Multitalent Riz Ahmed, der 2022 einen Oscar für seinen Kurzfilm «The Long Goodbye» gewann, spielt nicht nur die Hauptrolle. Die Idee stammt von ihm, und er war am Drehbuch beteiligt. «Ich habe viele Dinge aus meiner eigenen Erfahrung übernommen», erzählt der 43-Jährige. Gedreht wurde an Orten in London, wo er selbst aufgewachsen ist oder prägende Erlebnisse hatte.
Ein rassistischer Angriff in der Kindheit oder eine Panikattacke bei einem Konzert - «das ist mir genau dort tatsächlich auch passiert», berichtet er. «Ich wollte, dass sich alles so authentisch wie möglich anfühlt.»
Vieles von ihm sei in die Figur des Shah eingeflossen. Gleichzeitig stecke aber auch viel von Shah in jedem Menschen. «Denn Shah ist jemand, der an den falschen Orten nach Liebe sucht. Er spielt ständig eine Version von sich in der Öffentlichkeit, um Bestätigung, Anerkennung und Likes zu bekommen. Ich glaube, das machen wir heute alle. Wir tun das in sozialen Medien. Es ist, als würden wir ständig vorsprechen, um die Version von uns darzustellen, von der wir glauben, dass die Welt sie sehen will.»
Sir Patrick Stewart in seiner schrägsten Rolle
In weiteren Rollen wirken Comedian Guz Khan als Shahs Cousin Zulfi, der einen muslimischen Taxidienst gründen will, Aasiyah Shah als Cousine Q - auch der Name von Bonds Waffenmeister - und «Star Trek»-Ikone Sir Patrick Stewart (85) in seiner wohl schrägsten und witzigsten Rolle mit.
«Bait» ist eine unterhaltsame, faszinierende und verrückte Miniserie - ein wilder Ritt, bei dem man nie weiß, was als Nächstes passiert. Die sechs jeweils knapp halbstündigen Episoden erzählen von einem Mann auf der Suche nach sich selbst. «In gewisser Weise geht es in der Serie gar nicht wirklich um James Bond», betont Riz Ahmed. «Es geht darum, dass man es nicht allen recht machen kann. Das ist der Kern der Sache. Shah ist eine Figur, die sich im Kreis dreht und versucht, es allen recht zu machen. Und wenn man das tut, verliert man sich.»
Dass die Serie bei Amazons Streamingdienst Prime Video läuft, nachdem Amazon die Kontrolle über das James-Bond-Franchise übernommen hat, ist laut Ahmed übrigens reiner Zufall. «Wenn ich die Serie heute machen wollte, wären sie vielleicht nicht mehr so offen dafür», sagt Ahmed. «Wir hatten großes Glück, dass sowohl alle bei Amazon als auch (Ex-Bond-Produzentin) Barbara Broccoli selbst – als sie noch die Kontrolle über das Franchise hatte – uns ihren Segen gegeben haben.»