«Salon Harry» macht dicht: Hier wurden Beatles zu Pilzköpfen
Autor: Martin Fischer (Text) und Christian Charisius (Foto), dpa
, Donnerstag, 23. Juli 2026
Beatles, Rotlichtgrößen und Kiez-Killer: Im Hamburger «Salon Harry» wurden Legenden gestylt und Geschichte gemacht. Doch nach 120 Jahren ist Schluss mit dem Friseurladen auf St. Pauli.
Die Beatles sind dagewesen und hier zu ihren Pilzköpfen gekommen, ebenso Prominenz aus Showbiz und Rotlicht und jede Menge treue Stammkunden aus aller Welt. Doch schon seit ein paar Tagen werden im «Salon Harry» in der Davidstraße auf St. Pauli keine Haare mehr geschnitten.
Seit 1906 habe es in dem Haus Nummer 23 - gegenüber der berühmten Davidwache - immer einen Friseursalon gegeben, sagen Franz Stenzel (81) und Ute Bickeleit (63). Nun ist Schluss. «Vor drei Wochen haben wir die Entscheidung getroffen, den Laden endgültig zuzumachen.»
Aus nach Jahrzehnten auf dem Kiez: «Wir haben viel geweint»
Seit den 1980er Jahren arbeiteten die beiden bei dem «Spezial Herren-Friseur», wie es auf dem grünen Baldachin über dem Schaufenster in goldenen Lettern geschrieben steht. Erst angestellt bei Harry, dann als Eigentümer. Ende des Monats muss der Laden leer sein. «Wir haben viel geweint», sagt Bickeleit. «Auch viele Kunden haben geweint.»
Am Wochenende kommen die Männer für das Grobe: die schweren Friseursessel mit ihren dunklen Lederpolstern, die vor der Mahagoniwand mit den Spiegeln, den grünen Marmortischplatten und den Glaskugelleuchten mit ihren Messinghaltern stehen - alles muss raus und rückgebaut werden. «Das geht alles in die Mülle», sagt Bickeleit ein wenig wehmütig.
«Wir hätten es gern an einen Nachfolger übergeben», sagt Stenzel, der Anfang der 1980er aus Danzig über Bonn - wo er im Bundeshaus schon so manchem Politiker die Haare schnitt - nach Hamburg kam, «weil ich die Abfahrt Richtung Kiel verpasst habe». Denn dort habe es ihn eigentlich hingezogen, «weil ich dachte, dass es so wie Danzig ist».
Als er aber durch Hamburg gefahren sei und gesehen habe, «wie schön die Stadt ist», sei er geblieben - «zum Glück». Bei Harry habe er schnell einen Job gefunden. Und mit Bickeleit, die ein paar Jahre später mit Anfang 20 zu Harry kam, eine neue Liebe. Die gemeinsame Tochter ist längst erwachsen.
Eine Nachfolgelösung für den Salon sei nicht möglich gewesen. «Wir hatten schon seit längerer Zeit keinen Mietvertrag mehr», sagt Bickeleit. Dennoch habe man sich immer wieder mit dem Vermieter auf eine Verlängerung geeinigt, doch nun sei plötzlich Schluss gewesen. «Zu plötzlich, wir hätten uns gern noch richtig von unseren Kunden verabschiedet.»