Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab
Autor: Sabrina Szameitat und Matthias Arnold, dpa
, Freitag, 14. August 2026
Das Pop-up-Freibad vor der Berliner Volksbühne sollte für einige Stunden exklusiv für die schwarze Community öffnen. Doch dann gab es Drohungen. Die Veranstaltung wurde abgesagt. Wie geht es weiter?
Für wenige Stunden sollte das «Volksbad», ein temporäres Schwimmbecken direkt vor der Berliner Volksbühne, exklusiv für Menschen der schwarzen Community öffnen. Doch nach rassistischen Drohungen hat das Theater die geplante Veranstaltung für den heutigen Freitag mit dem Verein «Each One Teach One» (Eoto) abgesagt. Wie geht es jetzt weiter?
Was ist eigentlich passiert?
Seit einer Woche steht vor der Volksbühne, einem der wichtigsten Theater Deutschlands, bis Anfang Oktober ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos, Tickets können vorab gebucht werden. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert - wie zum Beispiel für Eoto.
Der Verein ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für die Selbstermächtigung schwarzer Menschen ein. Der Verein ist einer der Träger des Black Communities Center in Berlin-Wedding, das dieses Jahr eröffnet wurde. Einige Medien, rechte Politikerinnen und Politiker, aber auch eine CDU-Kommunalpolitikerin kritisierten die Exklusivnutzung in den sozialen Medien.
AfD-Chefin Alice Weidel sprach von «Apartheid». Der Begriff Apartheid bezeichnet ein dauerhaftes und systematisches Herrschafts- und Unterdrückungssystem einer Gruppe gegen eine andere, nicht lediglich eine zeitweise Trennung von Menschen nach bestimmten Merkmalen. Apartheid nannte man das politische System der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika.
Die Menschen wurden entsprechend ihrer Hautfarbe in verschiedene Gruppen eingeteilt, wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Schwarze wurden systematisch unterdrückt.
Wieso wurde die Veranstaltung abgesagt?
Die Volksbühne und der Verein könnten eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es in einer Mitteilung. Der Verein Eoto sprach von direkten Anfeindungen: «Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media», teilte der Verein mit.
Welche Stimmen gibt es aus der schwarzen Community dazu?
Die Aktion sei bewusst umgedeutet und missverstanden worden in die Richtung: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad, sagt Emilia Zenzile Roig. «So war das ein Segen für die Rechten.» Roig ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. «Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert.»