Privates und Karriere: Wie ausgewogen ist «Being Boateng»?
Autor: Stella Venohr und Cordula Dieckmann, dpa
, Freitag, 21. November 2025
Gerichtsurteil, Kritik von Angehörigen, schwierige Themen: Wie geht die TV-Dokumentation mit den Kontroversen um Jérôme Boateng um – und lässt sie wirklich alle Stimmen zu Wort kommen?
Ein TV-Dreiteiler über Jérôme Boateng - noch 2014 nach dem Sieg Deutschlands bei der Fußball-Weltmeisterschaft wäre das gefeiert worden. Doch inzwischen sorgt das für Diskussionen, wie die ARD-Doku «Being Jérôme Boateng» zeigt. Denn in den vergangenen Jahren machte vor allem das Privatleben des früheren Nationalspielers Schlagzeilen. Es ging um den Vorwurf der Gewalt gegen die Mutter seiner Kinder, aber auch um die Beziehung zu seiner verstorbenen Ex-Freundin Kasia Lenhardt und um Gerichtsprozesse. Wie geht der Fernseh-Dreiteiler damit um - und ist die Kritik daran berechtigt?
Die «Süddeutsche Zeitung» nannte das mehr als zwei Stunden lange Werk «ein Geschenk an Jérôme Boateng». Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt «In ARD-Doku läuft vieles gut für ihn» und bemängelt Einseitigkeit und Oberflächlichkeit. Inzwischen können sich Interessierte selbst ein Bild machen, die drei Teile stehen in der ARD-Mediathek: «Gegen alle Widerstände», «Ins Rampenlicht» und «Vom Helden zum Angeklagten».
Im Blickpunkt: Boateng selbst
Die Dokumentation fokussiert sich überwiegend auf die Karriere des Fußballtalents. Ehemalige Trainer, Jugendfreunde und Sportjournalisten berichten über seine Entwicklung, seine Erfolge beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft sowie über Herausforderungen wie Leistungsdruck, Medienaufmerksamkeit und Rassismus im Fußball. Boateng selbst erzählt ausführlich von Kindheit, Jugend und seinem sportlichen Werdegang.
Erst im zweiten Teil erfährt man mehr über private und juristische Kontroversen. So wie seine rechtskräftige Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung seiner Ex-Freundin und Mutter seiner Zwillinge. Das Landgericht München I hatte Boateng im Juli 2024 deshalb schuldig gesprochen, aber eine Geldstrafe nur unter Vorbehalt verhängt und ihn nur verwarnt. Das bedeutet, dass Boateng - ähnlich wie bei einer Freiheitsstrafe auf Bewährung - eine Strafe von 200.000 Euro nur zahlen muss, wenn er gegen seine Auflagen verstößt.
«Wir haben hier nicht den schlimmen Frauenschläger», sagte die Vorsitzende Richterin damals. «Wir haben hier einen Menschen, der einmal in einer Beziehung über Gebühr ausgerastet ist.» Boateng hatte vor Gericht eingeräumt, seine Ex-Freundin geschubst zu haben. Im Film schweigt er dazu.
Kasia Lenhardt und das Bild-Interview
Stattdessen äußert sich der 37-Jährige zu seiner Beziehung zu Kasia Lenhardt, die 2021 - kurz nach einem «Bild»-Interview Boatengs - Suizid begangen hatte. Im Film nennt er dieses Interview einen Fehler: «Was deutlich und klar für mich ist, ist, dass ich die Situation im Nachhinein falsch eingeschätzt habe und damit einfach besser hätte umgehen müssen.» Dieser Fehler werde ihn sein Leben lang begleiten.
Boateng hatte mit der «Bild» kurz nach der Trennung unter anderem über Auseinandersetzungen in der Beziehung gesprochen. Im Februar 2021 gab Lenhardts Familie über einen Anwalt ihren Tod bekannt. Die Polizei in Berlin bestätigte einen Einsatz bei einer leblosen Person, bei der es keine Anzeichen für Fremdeinwirkung gebe.