Kritik der Familie
Markus Hennig, Anwalt der Familie Lenhardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, seine Mandantin sei um eine Stellungnahme gebeten worden. «Dieses Angebot wurde abgelehnt, verbunden mit der eindeutigen Bitte, das Thema Kasia Lenhardt nicht aufzugreifen und nicht einmal den Namen zu verwenden», so Hennig. Eine Antwort darauf habe er nicht erhalten. «Sollte die Dokumentation die Ereignisse um meine verstorbene Mandantin verwerten, wäre das die bewusste Ausbeutung eines Todesfalls und ein Hinwegsetzen über den Wunsch der Familie, mit der Sache endlich abschließen zu können.», sagte Hennig vor der Ausstrahlung.
ARD: Multiperspektivisch Diskussionen beleuchtet
Auf Nachfrage der dpa betonte die ARD, dass die Doku multiperspektivisch sowohl Boatengs sportliche Karriere als auch gesellschaftliche Diskussionen beleuchte. «Der Tod von Kasia Lenhardt war ein Ereignis, das weit über den Einzelfall hinaus Fragen zu öffentlicher Kommunikation, medialen Dynamiken und Verantwortung aufwirft. Die Doku-Machenden haben den Wunsch der Familie, den Namen und die Person Kasia Lenhardt nicht einzubeziehen, ernst genommen», hieß es.
Wesentliche Informationen über die Lebenssituation der Verstorbenen seien bereits durch die Familie selbst öffentlich bekannt. «Die Doku-Machenden sind in der Dokumentation ausschließlich auf öffentlich bekannte, verifizierbare und journalistisch zwingend erforderliche Sachverhalte eingegangen», so die ARD.
Wenn keiner vor die Kamera will
Die Filmemacherinnen stützen sich überwiegend auf Menschen, die Boatengs Weg begleitet haben wie Trainer, Freunde oder Sportreporter. Allerdings war es nicht so leicht, Gesprächspartner zu finden. Regisseurin Annette Baumeister erklärte der «Süddeutschen Zeitung» das eigentliche Ziel: eine Biografie aus unterschiedlichen Perspektiven zu schildern. Doch wenn die Gegenseiten nicht bereit seien zu sprechen, werde es schwierig. Und auch für Boateng müsse es «Resozialisierung geben, einen Weg zurück in die Gesellschaft».
Selbstkritik statt Lobhudelei
Der Erlanger Medienethiker Christian Schicha findet es «begrüßenswert», dass die Doku nicht dem Muster «der reinen Lobhudelei» folge. «Gleichwohl ist die Vermischung von sportlichen Erfolgen und dem Thematisieren der Beziehungsproblematik in der Doku nicht unproblematisch, weil hier die positive Einschätzung des Sportlers dominiert», sagt der Professor von der Friedrich-Alexander-Universität. Ein «Geschenk» an Boateng sei der Dreiteiler aber nicht. Es gebe eine Reihe kritischer Statements und Boateng übe Selbstkritik. «Seine gemachten Fehler werden thematisiert und problematisiert», so Schicha.
«Ich hab' daraus gelernt»
Boateng, der seine Profikarriere im September beendet hat, sagt am Ende der letzten Folge: «Ich wollte einfach meine Sichtweise nach all den Jahren mitteilen, das war mir einfach wichtig nach der ganzen Zeit», erklärt er und fügt an: «Ich hab' daraus gelernt.»