Mit Pink Floyd schrieb David Gilmour Musikgeschichte. Doch der Gitarrenvirtuose will nicht in der Vergangenheit leben – und sammelt auf seinem Hausboot neue Ideen. Große Tourneen plant er nicht mehr.
Wenn David Gilmour in die Saiten greift, scheint die Zeit stillzustehen. Sein Sound ist unverkennbar. Sein ruhiges, gefühlvolles Gitarrenspiel verzückt Fans auf der ganzen Welt. Mit der legendären Band Pink Floyd hat der britische Gitarrist und Sänger Musikgeschichte geschrieben. Doch für Gilmour, der am 6. März 80 Jahre alt wird, ist das Kapitel längst abgeschlossen.
«Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschaffen haben, aber für andere Menschen hat es eine ganz andere Bedeutung als für mich», sagte er 2024 der Deutschen Presse-Agentur in London. «Unsere Fans sagen, dass die 70er Jahre die goldene Ära von Pink Floyd waren. Das ist lange her. Es ist doch Zeitverschwendung zu denken, dass alles Wertvolle, das man jemals gemacht hat, 50 Jahre her ist.»
Weltruhm mit Pink Floyd
1967 kam David Jon Gilmour, der 1946 in Cambridge geboren wurde, zu Pink Floyd, die zu dieser Zeit experimentellen, psychedelischen Rock spielten. Bald ersetzte er Gründungsmitglied Syd Barrett, der die Band wegen schwerer gesundheitlicher Probleme verließ - das Resultat exzessiven Drogenkonsums. Neben Bassist, Sänger und Songwriter Roger Waters wurde Gilmour der Architekt des Floyd-Sounds.
In den 70er Jahren etablierte sich das Quartett mit vier genialen Konzeptalben - «The Dark Side of the Moon» (1973), «Wish You Were Here» (1975), «Animals» (1977) und «The Wall» (1979) - als eine der einflussreichsten Gruppen der Musikgeschichte. Weltweit verkaufte sich «The Dark Side Of The Moon» bis heute fast 50 Millionen mal, «The Wall» mit der Ohrwurm-Single «Another Brick in the Wall (Part 2)» mehr als 30 Millionen mal.
Höhepunkt auf «The Wall» ist das sechseinhalbminütige «Comfortably Numb». Gilmour schrieb die Musik, sang den Refrain und veredelte das Epos mit zwei träumerischen Gitarrensoli für die Ewigkeit. «Man kann ihm eine Ukulele geben, und er lässt sie wie eine Stradivari-Violine klingen», schwärmte Produzent Bob Ezrin von Gilmour. Der optisch unscheinbare Musiker, der meistens ein schwarzes T-Shirt trägt, blieb trotz aller Lobeshymnen stets bescheiden.
«Man muss egoistisch sein»
Einer der Gründe für die Popularität von Pink Floyd war, dass die Band konsequent ihren eigenen Weg ging. «Die Menschen, die diese Musik geliebt haben, mochten das, weil wir die Musik so gemacht haben, wie wir es wollten», betonte Gilmour. «Wir haben nicht das getan, was andere erwartet haben. Heute kennt man die Musik, aber damals war es nicht das, was die Leute erwartet hatten.»
Noch heute verfährt der Gitarrenmagier nach diesem Prinzip. «Was die Leute von mir erwarten, spielt für mich keine Rolle», sagte er im dpa-Interview. «Wenn man als Künstler die Erwartungen anderer erfüllt, ist es das Ende der Kunst. Man muss egoistisch sein, vielleicht sogar arrogant, und sein eigenes Ding durchziehen.»